zurück
LANDWIRTSCHAFT

Kanton Luzern streicht Bauern-Beratung

Wer einen Stall bauen will, konnte sich bislang für dafür nötige Vorabklärungen direkt an die entsprechende kantonale Dienststelle wenden. Nun gibt es für diesen Service drei neue Anlaufstellen – mit zwei unterschiedlichen Tarifen.
17.04.2018 | 05:00

Evelyne Fischer

evelyne.fischer@luzernerzeitung.ch

Ein Luzerner Bauer, der einen Stall bauen oder erweitern will, muss sich durch viele Paragrafen pflügen. Weil hiesige Böden zu sauer sind – zu viel Ammoniak enthalten – gilt es, einen Massnahmenplan einzuhalten. Heisst: Ein Landwirt muss die Ammoniak-Emissionen um mindestens 20 Prozent reduzieren. Erschwert werden Baupläne auch durch ein Bundesgerichtsurteil: Eine Masttierhaltung darf nicht vergrössert werden, wenn nicht mindestens die Hälfte der Einkünfte aus bodenabhängiger Landwirtschaft stammt – sprich Rindviehhaltung oder Ackerbau. Der Wert wird als Deckungsbeitrag bezeichnet (wir berichteten).

Um die nötigen Werte vorweisen zu können, haben die Nährstoffbilanz und die Berechnungen von Deckungsbeitrag und Trockensubstanz – der Futterbedarf aller Nutztiere eines Hofes – daher einen grossen Stellenwert. Für die Berechnungen und Vorabklärungen konnte sich ein Bauer bislang an die Dienststelle Landwirtschaft und Wald (Lawa) wenden. Diese klärte, ob ein Bauvorhaben bewilligungsfähig ist und welche Auflagen zu erwarten sind. Doch damit ist Schluss: Im aktuellen Newsletter informiert das Lawa, die Aufgabe werde seit Anfang Monat vom Berufsbildungszentrum (BBZ) Natur und Ernährung, vom Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverband sowie von der privaten Kontrollstelle Qualinova AG ausgeführt.

Kanton will Beratung und Vollzug trennen

«Bisher wurde ein Bauer von der gleichen Stelle über die Anforderungen eines Baugesuchs informiert, die ihn später auch kontrolliert hat», sagt Fritz Birrer, Fachbearbeiter landwirtschaftlicher Baugesuche beim Lawa. «Ab sofort will der Kanton Beratung und Vollzug strikt trennen. Es handelt sich aber nicht um eine Sparmassnahme.»

Laut Birrer war die Beratung gefragt: «Wir bearbeiteten im Schnitt zwei bis drei Fälle pro Woche.» Die Vorabklärungen seien wohl aufwendig gewesen. «Aber sie hatten den Vorteil, dass man im Voraus wusste, welche Projekte auf einen zukommen würden.» Bauern haben durch die Umstellung künftig nicht mehr nur einen Ansprechpartner. Dennoch werde das Prozedere nicht komplizierter, sagt Birrer. «Die Abläufe sind standardisiert und die neuen Anlaufstellen verfügen über das nötige Know-how.»

Die Kosten wurden bisher mit dem Aufwand zur Bearbeitung des Baugesuches verrechnet. Nähere Angaben dazu macht Birrer nicht. Stefan Heller, Geschäftsführer des Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverbandes, geht davon aus, dass Landwirte künftig «eher besser» davonkommen. «Unsere Beratung kostet 100 Franken pro Stunde, wer Mitglied ist, zahlt 85 Franken.» Auch beim BBZ Natur und Ernährung beläuft sich der Stundenansatz auf 100 Franken. «Ob sich unser Aufwand damit decken lässt, wird sich zeigen. Sicher ist: Reich werden wir damit nicht.»

Der Verband habe die Aufgabe auch nicht deswegen auf sich genommen. «Wir wollten verhindern, dass künftig alle möglichen Stellen Berechnungen machen», sagt Heller. Dass auch die private Kontrollfirma Qualinova aus Gunzwil mitmischt, hinterfragt er kritisch. «Ihre Hauptaufgabe ist eigentlich eine andere.»

Je besser die Vorbereitung, desto günstiger das Gesuch

Qualinova sieht die neue Dienstleistung «als Ergänzung des Angebots», wie Geschäftsleiter Stephan Furrer auf Anfrage sagt. «Mit unserer Erfahrung können wir fundierte und unabhängige Beurteilungen erstellen.» Die Gesuche werde man «nach Aufwand» in Rechnung stellen. «Je besser der Gesuchssteller vorbereitet ist, desto einfacher und günstiger wird die Erstellung des Gesuchs ausfallen. Vermutlich werden jeweils aber mehrere Optionen berechnet, was die Angelegenheit verteuern kann.» Spezialaufträge – dazu gehört die Bearbeitung von Stallbaugesuchen – bearbeitet Qualinova mit einem Stundenansatz von 100 Franken. Furrer: «Es fallen keine zusätzlichen Pauschalen an.»

Der Luzerner Bauernverband will unter den Anbietern den «Lead» übernehmen. «Davon erhoffen wir uns eine Stärkung unserer Verhandlungsposition», sagt Geschäftsführer Heller. «Mit den aktuell geltenden gesetzlichen Restriktionen sind wir nicht einverstanden. Wir hoffen, durch konkrete Fälle künftig gute Argumente in der Hand zu haben, um hier ein gewichtiges Wort mitreden zu können.» Welcher Aufwand auf den Verband zukommt, bei dem sich 30 Mitarbeitende 22 Vollzeitstellen teilen, lasse sich noch nicht abschätzen.

Weitere Artikel