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ARCHITEKTUR

Schweizer Botschaft in Kenia - «made in Lucerne»

Das Luzerner Büro Röösli & Maeder hat die neue Schweizer Botschaft in Nairobi entworfen, die nun offiziell eröffnet wird. Nicht nur die geografische Distanz stellte die Architekten vor Herausforderungen.
13.02.2018 | 08:15

Die Ehre, für die Schweiz irgendwo auf der Welt ein Botschaftsgebäude zu erstellen, wird nicht vielen Architekten zuteil. Schon deshalb nicht, weil nur alle paar Jahre überhaupt ein Neu- oder Umbau eines derartigen Ge­bäudes ansteht. Entsprechend ist man beim Stadtluzerner Büro «ro.ma.» Röösli & Maeder «schon ein bisschen stolz» auf das neue Gebäude der Schweizer Botschaft in der kenianischen Hauptstadt Nairobi, wie Adrian Rogger sagt. Er leitete das Projekt zusammen mit dem Büro-Mitinhaber Christian Maeder. In diesen Tagen findet es mit der offiziellen Eröffnung seinen Abschluss – sieben Jahre nachdem Röösli & Maeder damals den Architekturwettbewerb gewonnen und sich damit gegen 118 andere Büros aus dem In- und Ausland durchgesetzt hatten.

«Spannend» ist der Auftrag laut Rogger gewesen: «Wann sonst hat man schon die Möglichkeit, in einem Land wie Kenia ein Gebäude zu bauen?» Zwar handelt es sich nüchtern betrachtet um ein zweistöckiges Bürogebäude, aber eben ein besonderes. So spielt die Sicherheit eine grosse Rolle, weil darin die Kanzlei der Botschaft untergebracht ist. «Die Visa-Abteilung etwa ist vergleichbar mit einem Bankschalter», sagt Rogger. Zudem ist das in einem Villenquartier gelegene Grundstück von einer mehrfach geknickten Mauer eingefasst, wobei das Gebäude selber einen Teil davon bildet. Auffällig sind auch die grossen Fenster, die mit geometrischen Fassadenvorsprüngen eingefasst sind. Das hat laut Rogger nicht nur optische Gründe: «Wir befinden uns in Äquatornähe, und die Vorsprünge dienen der Beschattung, womit man nicht den ganzen Tag die Rollläden geschlossen halten muss.»

Kein fixfertiger Beton wegen Verkehrschaos

Trotz viel Sonnenschein ist das Klima in der Millionenstadt Nairobi aber ausgeglichen – kein Wunder, die Stadt liegt auf fast 1800 Metern über Meer. «Ich war überrascht, wie grün es hier ist», sagt Rogger. Das gilt auch für das rund 4000 Quadratmeter grosse Areal der Botschaft mit mehreren alten, mächtigen Bäumen. «Wir haben diese bewusst in unser Projekt integriert und nicht gefällt, obwohl es gesetzlich möglich gewesen wäre», so Rogger.

Gross waren die baukulturellen Unterschiede. Ein Beispiel: In Kenia wird der Beton auf der Baustelle mittels einem kleinen Mischer hergestellt, während er in der Schweiz fixfertig per Lastwagen eintrifft. «In Nairobi ist dies wegen des Verkehrschaos oft nicht möglich – der Beton würde hart werden», sagt Rogger.

Eine weitere Herausforderung stellte die Distanz dar – und zwar bereits in der Wettbewerbsphase. «Den Bauplatz hatten wir bloss auf Fotos gesehen», sagt Rogger. «Und während der Bauphase konnte man nicht spontan auf der Baustelle vorbeischauen.» Die Distanz Luzern–Nairobi beträgt 6000 Kilometer Luftlinie oder 7,5 Flugstunden.

Kenianische Kultur und Schweizer Vorbildfunktion

Ausgeführt wurden die Arbeiten hauptsächlich von kenianischen Firmen. Kenia spiegelt sich ebenfalls in der Aussenfassade des Gebäudes und in der Umfassungsmauer wider. Sie bestehen aus rotbraun pigmentiertem Sichtbeton. «Damit nehmen wir die Farbe der Erde auf, die hier in Nairobi durch den hohen Eisengehalt extrem rot ist», sagt Rogger. Das begrünte Flachdach hingegen ist für Kenia eher exotisch und soll die Vorbildfunktion der Schweiz im ökologischen Bauen zum Ausdruck bringen. Nachhaltigkeit wird überhaupt grossgeschrieben: Durch die Nutzung des Betons als thermische Masse sind beispielsweise weder Heizung noch Klimaanlage nötig. «Wir konnten uns dank des Auftrags in Kenia bezüglich Bauen im Ausland viel Know-how aneignen», sagt Adrian Rogger. «Das ist sicher ein Vorteil, wenn wir wieder einmal ausserhalb der Landesgrenzen aktiv werden wollen.»

Roman Hodel

roman.hodel@luzernerzeitung.ch

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