Luzern
11.06.2017 05:00

Skandal im Wohnbezirk: Sexgewerbe hält Einzug in Familienquartier

ROTHENBURG ⋅ In einem Wohnquartier in Rothenburg lädt ein Mann in unregelmässigen Abständen Prostituierte zu sich nach Hause ein. Verbunden ist das jeweils mit regem Freierverkehr. Die Behörden sind alarmiert und wollen dem Treiben ein Ende setzen.

Thomas Heer

thomas.heer@luzernerzeitung.ch

Wie Menschen die Freizeit gestalten, hängt auch stark von ihrem Charakter ab. Adrenalinjunkies springen in Wingsuits von Felswänden oder klettern diese ohne jegliche Sicherung hoch. Ruhigere Zeitgenossen schnüren sich die Wander- oder Joggingschuhe. Und Leute, die ihrem Kreislauf gar keine Belastung zutrauen, züchten womöglich Rosen oder betätigen sich als Sammler, beispielsweise von Briefmarken oder Münzen.

In keine dieser Kategorien passt jener Mann aus Rothenburg, der sich in Sachen Freizeitbeschäftigung etwas ganz Besonderes einfallen liess. Dieser findige Geist wendet sich hin und wieder eingehend dem horizontalen Gewerbe zu. Und dies nicht, indem er sich zu einem Besuch in ein entsprechendes Etablissement aufmacht. Nein, der Rothenburger lädt die Prostituierten an einzelnen Abenden gleich zu sich nach Hause ein.

Nichts für unschuldige Kinderaugen

Damit spart er zum einen Reisekosten. Und wäre das nicht schon genug, sorgt dieser Homo oeconomicus zum anderen dafür, seine Aufwendungen mutmasslich noch weiter zu optimieren. Das tut er, indem er die Dienste der Sexarbeiterinnen nicht nur für sich alleine in Anspruch nimmt, sondern auch anderen Männern in seinem Zuhause Zutritt gewährt, damit diese teilhaben können. Der Mann aus Rothenburg mutiert somit von einer Stunde auf die andere vom unauffälligen Handwerker, als den er sich tagsüber zu erkennen gibt, zum umtriebigen Teilzeit-Bordellbetreiber. Dass dieser Rollentausch in einem beschaulichen Wohnquartier der Gemeinde Rothenburg nicht bei allen gut ankommt, liegt irgendwie auf der Hand.

In der Nachbarschaft sorgt der kleine Rotlichtbaron teils sogar für zünftigen Ärger. Das rührt unter anderem daher, dass längst nicht alle Freier auf Anhieb das richtige Haus avisieren, sondern schon mal versehentlich auf einem Nachbargrundstück herumtrampeln. Aber auch für Kinderaugen ist das Drumherum der horizontalen Aktivitäten mitunter nicht geeignet. Dann nämlich, wenn eine der Prostituierten nach verrichtetem Geschäft das Zimmer lüftet und sich durch das offene Fenster so präsentiert, wie Gott sie schuf.

Die Polizei stand schon einmal vor der Haustüre

Gerne hätte sich die «Zentralschweiz am Sonntag» eingehend mit dem Teilzeit-Bordellbetreiber unterhalten. Zum Beispiel darüber, nach welchen Kriterien er die Termine festlegt, an denen Frauen und Freier bei ihm aufkreuzen. Sind es finanzielle Gründe, vielleicht aber auch eine Art immer wiederkehrender Freundschaftsdienste? Der Mann aber zeigte sich am Telefon allerdings wenig gesprächsbereit, seine Beweggründe darzulegen, weshalb er sein Wohndomizil regelmässig für ausschweifende Sexaktivitäten einem kleinen Publikum zur Verfügung stellt. Er sagte nur, bei den Frauen handle es sich um Kolleginnen. Danach beendete er das Gespräch kurzerhand, indem er den Hörer auflegte.

Bei den Gemeindebehörden von Rothenburg stösst das Hobby ihres Mitbürgers selbstverständlich auf keine Gegenliebe. Der Geschäftsführer von Rothenburg, Philipp Rölli, erklärt, die Gemeinde sei vor gut drei Jahren zum ersten Mal dahingehend informiert worden, dass im angesprochenen Haus Frauen der Prostitution nachgehen würden. Danach sind Behördenvertreter auf den besagten Hausbewohner zugegangen und haben ihm erklärt, dass die Aktivitäten nicht zonenkonform und somit verboten seien.

Das fruchtete aber wenig. Denn auch in diesem Frühling konnte es der Hobby-Puffbetreiber nicht lassen, wiederum eine Sause auf seiner Liegenschaft steigen zu lassen. Darauf haben sich gemäss Rölli Rothenburger Gemeindevertreter mit der Polizei kurzgeschlossen, um das korrekte weitere Vorgehen zu besprechen. Die Polizei stand beim beschriebenen Mann schon einmal vor der Türe, wie aus der Nachbarschaft zu erfahren ist. Um dem Ganzen aber ein Ende zu setzen, müssen gewisse Voraussetzungen erfüllt sein. Unter anderem braucht es dazu einen Hausdurchsuchungsbefehl der zuständigen Staatsanwaltschaft.

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