Luzern
17.07.2017 14:29

Angeschossener Kosovare in Ebikon: Schweizer gibt die Tat zu

  • Das Schulhaus Wydenhof. (© Lena Berger (Ebikon 15. Juli 2017))
    Das Schulhaus Wydenhof. | Lena Berger (Ebikon 15. Juli 2017)
  • Der Schulhausplatz in Ebikon. (© Lena Berger (Ebikon 15. Juli 2017))
    Der Schulhausplatz in Ebikon. | Lena Berger (Ebikon 15. Juli 2017)
LUZERN ⋅ Der 34-Jährige, der am Freitagabend in Ebikon festgenommen worden ist, hat ein Sturmgewehr benutzt. Noch ist unklar, was ihn zum Schuss bewogen hat. Die Polizei und die Staatsanwaltschaft ermitteln, die Ebiker rätseln.

Es ist Freitagabend, 21.45 Uhr, als ein Knall die Leute in Ebikon aufschrecken lässt. Wenig später erleuchtet Blaulicht den Sommerabend, Sirenengeheul dröhnt durch das Dorf, die Polizei fährt vor. Grund für das Grossaufgebot beim Schulhaus Wydenhof: Ein 34-jähriger Schweizer hat einen 21-jährigen Kosovaren angeschossen (wir berichteten). Die Ambulanz bringt das Opfer schnellstmöglich ins Spital, wieder heulen Sirenen.

Am Montag, drei Tage später, ist von der freitäglichen Aufregung nicht mehr viel zu spüren. Auf dem Schulhausplatz herrscht gähnende Leere. In der benachbarten Ladengasse erledigen die Leute ihre Einkäufe, eine Frau entsorgt ihr Altglas bei der Sammelstelle nebenan. Also ist alles schon wieder vergessen? Nein. Auf der Strasse machen Gerüchte die Runde. «Doch, doch, der Zwischenfall vom Freitag ist schon das Dorfgespräch», sagt ein Passant. Besonders über das Motiv rätseln die Leute. Die Rede ist von einem Drogendelikt, andernorts fragt man sich, ob nicht vielleicht eine unglückliche Liebschaft zum Unglück geführt haben könnte.

Der Schütze benutzte ein Sturmgewehr

Auch der Tathergang ist Gegenstand der Diskussionen. So hört man, der Schütze habe ein Gewehr und keine Faustfeuerwaffe benutzt. Doch die wichtigste aller Fragen ist jene nach dem Opfer. «Wie geht es dem jungen Mann?», fragt eine Frau mittleren Alters. Vieles ist also unklar, basiert auf Spekulationen statt gesichertem Wissen.

Ein wenig Licht ins Dunkel bringt die Luzerner Polizei. Am Montag verschickt sie eine Medienmitteilung. Darin heisst es: «Im Zusammenhang mit dem Ereignis wurde ein 34-jähriger Schweizer festgenommen. Anlässlich der Einvernahme hat er gestanden, mit einem Sturmgewehr geschossen zu haben.» Was ihn zur Tat bewogen hat, sei Gegenstand der Ermittlungen, sagt Kurt Graf, der Sprecher der Luzerner Polizei, auf Anfrage unserer Zeitung: «Als Nächstes stehen weitere Einvernahmen an, zudem müssen wir diverse Spuren auswerten und analysieren.» Als Beispiele nennt Graf Abklärungen zum Ort der Schussabgabe oder zur Tatwaffe: «Was für ein Modell war es? Woher stammt die Waffe? Das sind alles Fragen, die wir jetzt klären müssen.» Ob es sich beim Sturmgewehr um eine Waffe der Schweizer Armee gehandelt hat, konnte der Polizeisprecher dementsprechend nicht sagen.

Dem Opfer geht es wieder besser

Entwarnung geben kann die Polizei derweil zur Situation des Opfers. Dieses befindet sich laut Graf auf dem Weg der Besserung. «Wann der junge Mann das Spital verlassen kann, können wir im Moment aber nicht sagen.»

In Ebikon kann also langsam wieder Normalität einkehren. Zum Grossteil ist dies offenbar bereits geschehen. Ein Anruf bei der Gemeindeverwaltung erweckt jedenfalls diesen Eindruck: «Wir haben nach dem Vorfall vereinzelte Meldungen von besorgten Nachbarn erhalten, die wir natürlich aufgenommen haben. Aber grundsätzlich herrscht wieder courant normal», sagt Alex Mathis, Geschäftsführer der Gemeinde Ebikon.

Kilian Küttel

kilian.kuettel@luzernerzeitung.ch

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