Luzern
13.10.2017 04:00

Schliessen gar beide Bahnübergänge?

KRIENS/HORW ⋅ Während die eine Gemeinde auf den Erhalt der Bahnübergänge Krienser- und Wegmattstrasse pocht, möchte die andere einen davon aufheben. Die Zentralbahn dagegen könnte noch weiter gehen.

Die Worte waren unmissverständlich: «Durch den Wegfall eines Bahnübergangs oder gar beider Bahnübergänge wird die Attraktivität für den Langsamverkehr reduziert», schrieb der Krienser Gemeinderat in der Antwort auf ein SP-Postulat. Durch die rege Bautätigkeit in Luzern Süd würden diese künftig gar «noch intensiver genutzt», eine neue Unterführung würde die Aufhebung eines Übergangs oder beider Übergänge nicht kompensieren. Darum halte man an den Querungen Krienser­strasse und Wegmattstrasse fest.

Damit stellt sich Kriens gegen die Gemeinde Horw. Letztere will einen der beiden Übergänge aufheben und stattdessen beim Wegmattareal eine neue Unterführung bauen (siehe Grafik). Wie reagiert Horw auf die Stellungnahme der Nachbarsgemeinde? «Wir streben weiterhin die Schliessung eines Bahnübergangs an», sagt Bauvorsteher Thomas Zemp (CVP). «Unserer Meinung nach ist diese gerechtfertigt, da als Ersatz eine neue Unterführung entsteht. Diese befindet sich zwar nicht am selben Ort, doch sie wird dafür uneingeschränkt nutzbar sein.» Zumal die Zentralbahn 2021 den 7?- Minuten-Takt einführt, was die Niveauübergänge noch unattraktiver mache. Zemp will aber nochmals mit dem Krienser Gemeinderat das Gespräch suchen. «Eine Verhandlungslösung ist nach wie vor das Ziel.»

Der Entscheid fällt in Bern

Über die Aufhebung von Übergängen entscheidet das Bundesamt für Verkehr (BAV). Bauherrin ist die Zentralbahn, sie muss beim BAV ein entsprechendes Projekt einreichen. Wie könnte dieses aussehen? «Am liebsten wäre uns, wenn beide Übergänge aufgehoben würden», sagt Stephanie Kazmierczak, stellvertretende Leiterin Infrastruktur bei der Zentralbahn. Zwar befänden sich die beiden Übergänge technisch auf dem neusten Stand, es seien auch keine Vorfälle bekannt. «Doch es bleibt trotzdem ein Restrisiko, da theoretisch jeder Fussgänger unter der Schranke durchgehen kann.» Unterführungen dagegen würden zur «Erhöhung der Betriebssicherheit» beitragen, sagt Kazmierczak. Ob die Zentralbahn die Schliessung eines Übergangs oder gar beider Übergänge beantragt, sei noch offen. Das letzte Wort wäre damit aber natürlich noch nicht gesprochen. Das BAV wird ein Verfahren durchführen, bei dem die Gemeinden und auch betroffene Anwohner sowie Eigentümer Einsprache erheben können. Zum Thema dürfte dabei das Wegrecht werden. So befindet sich der Übergang Krienserstrasse auf der Gemeindegrenze, wodurch sich Kriens möglicherweise querstellen könnte. «Es ist aber möglich, dass die Gemeinde Kriens aufgrund des Wegrechts auch an der Wegmattstrasse ein Mitspracherecht hat», sagt der Krienser Bauvorsteher Matthias Senn (FDP). «Dies müsste man bei Bedarf aber noch rechtlich abklären.» Aus Thomas Zemps Sicht wäre es schade, wenn «lediglich aus Gründen des Territorialprinzips» der Übergang Wegmattstrasse geschlossen werden müsste, obwohl dieser nachweislich viel öfters genutzt werde als jener an der Krienserstrasse.

Bleiben beide Bahnübergänge erhalten, hätte dies für Horw finanzielle Folgen. Die Zentralbahn will sich mit 500 000 Franken am Bau der neuen Unterführung, die 5,8 Millionen Franken kosten soll, beteiligen. Dies aber nur, wenn mindestens ein Übergang aufgehoben wird. «Grosse Mühe hätte ich damit, wenn die neue Unterführung wegen dieser 500 000 Franken im Einwohnerrat scheitern würde», sagt Zemp.

Bei Verzögerung steigen die Kosten

Auf jeden Fall soll es nun schnell vorwärtsgehen. Im Frühling will Zemp dem Einwohnerrat den Bericht und Antrag zum Bau der Unterführung vorlegen. «Bis dann muss auch klar sein, wie viel dies die Gemeinde kosten soll.» Ein Verfahren um die Schliessung eines Übergangs oder beider Übergänge müsste abgeschlossen sein. Derzeit rechnet die Gemeinde nach Abzug von Beiträgen des Kantons und weiterer Beteiligter mit 2,76 Millionen Franken. Ohne Beteiligung der Zentralbahn wären es 3,26 Millionen.

Die Arbeiten sollen im Frühling 2019 ausgeführt werden, weil die Zentralbahn für den Umbau des Bahnhofs Horw dann auf dem Abschnitt selbst Bauarbeiten ausführt. Falls die Unterführung dann noch nicht bewilligt ist, würden die Kosten von 5,8 auf 6,7 Millionen ansteigen.

Stefan Dähler

stefan.daehler@luzernerzeitung.ch

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