Luzern
14.09.2017 05:00

So könnte der Neubau am Kapellplatz aussehen

  • Das erstrangierte Projekt «Nocturne» der Zürcher Architekten Joos & Mathys.
    Das erstrangierte Projekt «Nocturne» der Zürcher Architekten Joos & Mathys. | visualisierung/pd
  • Das zweitrangierte Projekt «Wo ist Walter» der Basler Buol & Zünd Architekten.
    Das zweitrangierte Projekt «Wo ist Walter» der Basler Buol & Zünd Architekten. | visualisierung/pd
  • Das drittrangierten Projekt «alla cappella» von den Meletta Strebel Architekten Luzern.
    Das drittrangierten Projekt «alla cappella» von den Meletta Strebel Architekten Luzern. | visualisierung/pd
  • Das heutige Gebäude an der Kapellgasse 4 (rechts).
    Das heutige Gebäude an der Kapellgasse 4 (rechts). | Archivbild: Nadia Schärli/LZ
  • Das von Kasimir Friedrich Knörr erbaute Bankhaus an besagter Stelle wurde 1958 abgerissen. | Stadtarchiv/Nadia Schärli
  • Der historische Vorgänger: Das Hertensteinhaus mit den Wandmalereien (1510–1825).
    Der historische Vorgänger: Das Hertensteinhaus mit den Wandmalereien (1510–1825). | Stadtarchiv/Nadia Schärli
STADT LUZERN ⋅ Wie entsteht anstelle eines «Betonklotzes» ein Gebäude, das sich in die Altstadt einfügt? Sieben Architektenteams stellten sich dieser Aufgabe – unsere Zeitung kennt den Sieger.

Hugo Bischof

hugo.bischof@luzernerzeitung.ch

Sieben Architekturbüros waren zum Projektwettbewerb für den Neubau des Warenhauses an der Kapellgasse 4 (heute C & A) in der Luzerner Altstadt eingeladen. Der Wettbewerb ist entschieden. Offiziell darüber informieren will die Liegenschaftseigentümerin Newport erst später, da die Jury beim Siegerprojekt noch Optimierungen verlangt. Um die ­öffentliche Diskussion in Gang zu halten, veröffentlichen wir dennoch Ausschnitte aus dem uns vorliegenden Jurybericht.

Demnach sieht das erstrangierte Projekt Nocturne der Zürcher Architekten Joos & Mathys einen horizontal gegliederten Baukörper mit grosszügig verglaster Fassade vor. Diese ist in sechs vertikale Achsen unterteilt. (Visualisierung ganz oben).

Das Siegerprojekt muss verbessert werden

Ob der Neubau dereinst tatsächlich so aussehen wird, ist aber noch offen. Die Jury verlangt «Überprüfungen» und Weiterentwicklungen» beim «stattlichen Volumen» der Dachlukarnen. Kritisiert wird auch das zu breite Treppenhaus, wodurch wertvolle Schaufensterfläche an der Kapellgasse verloren gehe. Verbesserungswürdig seien zudem die Grundrisse und Grössen der Wohnungen in den oberen Stockwerken – im Gegensatz zu den «sehr offen und zweckmässig gestalteten» Verkaufs- und Bürogeschossen unten.

Positiv wertet die Jury die «aus der Fassade emporwachsenden Laternen», die dem Gebäude «eine interessante Doppellesbarkeit hinsichtlich der Eckbetonung und ein gewisses Spiel in der vertikalen Höhenentwicklung geben». Auch füge sich das Gebäude «durch die zurückhaltende Gestaltung farblich dezent in die Umgebung ein» und habe eine «klare, eigene Identität». Die Architektur wird als «skelettiert, an Industriebauten und frühe Kaufhäuser erinnernd», bezeichnet – ähnlich dem Jelmoli-Gebäude in Zürich.

Das zweitrangierte Projekt «Wo ist Walter» der Basler Buol & Zünd Architekten schlägt zwei Häuser an der Kapellgasse plus einen rückwärtigen niedrigeren Annexbau vor. Die Jury bescheinigt ihm einen «charmanten Charakter». Vermisst wird aber «die Übersetzung der Architektursprache in die heutige Zeit»; die direkte Umsetzung der vielen historisierenden Elemente sei «unverständlich».

Das Projekt «alla cappella» schied als drittbestes beim letzten Bewertungsrundgang aus. Hier gefallen dem Preisgericht «der klassische, zunächst ruhige und zurückhaltende Ausdruck und die Materialisierung der Fassade» – auch wenn diese «mehr an die grossen Städte des Nordens erinnern als an die verspielte historische Altstadt Luzerns». Kritisiert wird eine «baurechtlich kaum zu genehmigende Überlänge» und die räumlich nicht optimale Gliederung. Erarbeitet haben dieses Projekt die Meletta Strebel Architekten Luzern. ­Ar­mando Meletta ist Präsident der Stadtbaukommission, die das Siegerprojekt demnächst bewerten muss. Klar, dass Meletta dabei in den Ausstand treten muss.

Newport wirbt mit «tiefster Unternehmenssteuer»

Das heutige Gebäude mit Baujahr 1962 ist unter dem Namen «ABM-Haus» bekannt – nach dem früher hier eingemieteten Warenhaus. Wegen seiner fast fensterlosen Fassade heisst es im Volksmund «Betonklotz». Der jetzige Ankermieter C & A zieht Anfang 2018 aus. Im Ersatzneubau soll sich wieder ein «hochwertiger Single-Tenant im Retailbereich» einmieten, heisst es auf der Website von Newport. Die Holding hatte die Liegenschaft 2005 einer Erbengemeinschaft abgekauft. Der Hauptsitz von Newport befindet sich in Hamburg. Das 2004 gegründete private Immobilienunternehmen ­investiert in Handels- und Gewerbeimmobilien «an erstklassigen Lagen» in Deutschland, der Schweiz sowie an der Ostküste der USA.

Auf der Website der Firma ist ein Werbefilm aufgeschaltet (siehe Bonus am Ende des Artikels). Er zeigt eine mögliche Variante des Neubaus, die nicht identisch ist mit dem jetzigen Siegerprojekt. Im Film wird Luzern als «kulturelles Herzstück der Schweiz» angepriesen. Geworben wird auch mit der «tiefsten kantonalen Unternehmenssteuer». Das Baugesuch soll diesen Winter eingereicht werden. Anfang 2018 ist der Baustart geplant, der Neubau soll Ende 2019 fertiggestellt sein. Vorgesehen sind Verkaufsflächen im Untergeschoss, Erdgeschoss sowie im 1. und 2. Obergeschoss. Im 3. Stockwerk soll es Büro- oder Praxisräume geben, im 4. und 5. Obergeschoss «städtische, mittelgrosse Wohnungen mit innovativer Grundrissgestaltung».

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Kommentare

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15.09.2017 09:04

Mit dem Siegerprojekt hat man sich für einen Glas-Klotz entschieden, der nicht in eine historische Altstadt passt. Was nützen grosse Fensterfronten im 1. und 2. Stockwerk, wenn diese dann doch mehrheitlich dicht gemacht werden, da im Warenhaus auf Sonnenschutz geachtet werden muss, damit Kleider und Waren nicht vergilben. Das zweitrangierte Projekt ist viel charmanter und eine echte Korrektur zum ABM-Haus aus dem Jahr 1962. Es passt sich dem gegenüber liegenden ehemaligen Musik Hug Gebäude bestens an und wäre ein Schritt zu einer intakteren Altstadt.

Verena Waldvogel ⋅ Beiträge: 1
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17.09.2017 14:24

Das Siegerprojekt, häßlich wie es ist, könnte jedoch problemlos als Parkhaus für Velos benutzt werden. Uhrenläden mieten sich sicherlich dort nicht ein, ja ziehen bereits aus der Gegend weg.

Dieses Veloparkhaus kann als Ersatz für die Veloparkplätze an der Bahnhofstraße und am Schwanenplatz dienen und würde damit auch das städtische Parkplatzreglement einhalten (Abbau eines Parkplatzes - auch Velo ! - bei Neubau eines Parkplatzes).

Die Bahnhofstraße soll ja demnächst zur Einöde werden und das könnte man auch mit dem von den Velos genutzten Teil des Schwanenplatzes machen - Pardon, so etwas heißt ja dann Begegnungszone.

Zusätzlich würden die Zahl innerstädtischer Schrottplätze verkleinert.

Wolfgang Strich ⋅ Beiträge: 573
» antworten

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