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LUZERN

Sturmholz versperrt Luzerner Wanderwege

Zahlreiche Wanderwege sind nach den heftigen Winterstürmen nach wie vor gesperrt. Die Forstunternehmen setzen alles daran, die Wege von Sturmholz zu befreien – und das Holz vor Käferbefall zu schützen.
13.04.2018 | 05:00

Chiara Stäheli

chiara.staeheli@luzernerzeitung.ch

«Achtung Sturmschäden!» – so warnt der Verein der Luzerner Wanderwege auf seiner Webseite vor den Nachwirkungen der Winterstürme Burglind, Evi und Friederike. Herumliegendes Sturmholz und versperrte Wege sind insbesondere in Bergregionen – darunter das Entlebuch sowie das Napfgebiet – anzutreffen, wie Andreas Lehmann sagt.

Der Geschäftsleiter des Vereins Luzerner Wanderwege kann nicht genau beziffern, wie viele Kilometer des 2750 Kilometer langen Wanderwegnetzes betroffen sind. Klar ist: «Die Stürme haben alle Wälder im Kanton Luzern in Mitleidenschaft gezogen. Wo es möglich war, wurden die Schäden bereits zeitnah behoben.» Da Umleitungen für die gesperrten Wanderwege aufgrund der vielen Schäden sehr aufwendig gewesen wären, hat sich der Verein entschieden, einen allgemeinen Hinweis auf der Webseite zu platzieren.

Mit den Stürmen sind laut Werner Hüsler, Leiter der Geschäftsstelle Wald Luzern, rund zwei Drittel einer ordentlichen Jahresnutzung bereits gefallen. Das entspricht rund 150'000 Kubikmetern. Zum Vergleich: Ein Kubikmeter entspricht dem Volumen eines Würfels mit einem Meter Kantenlänge. Die Forstwirtschaft hat laut Hüsler auf die Situation rasch reagiert: «Da die Stürme derart viele Bäume zu Fall gebracht hatten, wurden geplante Holzschläge zurückgestellt und die Priorität auf das Räumen der Sturmschäden gelegt. Es handelt sich dabei um keine flächigen sondern verstreute Schäden, was mehr Aufwand bedeutet.»

Zuständigkeiten für Räumung

Für die Räumung des Sturmholzes ist je nach Grundeigentum jemand anderes zuständig: Waldeigentümer, Forst, Gemeinden oder Korporationen. Der Verein Luzerner Wanderwege nimmt alle Meldungen der gesperrten Wanderwege entgegen und sucht mit den Grundeigentümern nach raschen Lösungen: «Es liegt meist auch im Interesse der Eigentümer, das Holz innert nützlicher Frist zu räumen. So kann ein Befall mit Borkenkäfern verhindert werden.» Dies bestätigt auch Werner Hüsler: «Das liegende Holz und geschwächte Bäume sind sehr anfällig für den Käferbefall. Insbesondere die Fichte sollte im Verlauf dieses Monats noch geräumt werden, da nach Sturmereignissen die Population des Borkenkäfers erfahrungsgemäss deutlich ansteigt.»

Einer, der seit den Stürmen bereits unzählige Überstunden geleistet hat, ist Ruedi Gerber. Der Präsident der Luzerner Waldeigentümer ist mit seinem Team seit Anfang Januar mit den Aufräumarbeiten beschäftigt: «Wir wollen möglichst viel Holz aus dem Wald holen und haben durch die Stürme einen deutlichen Mehraufwand. Mittlerweile sind auch die Sägereien schon stark ausgelastet und der Markt bekundet Mühe, sämtliches Holz aufnehmen zu können.» Denn auch ohne Sturmholz sei der Frühling die Hauptsaison der Holzabfuhr zu den Sägereien. Dennoch sei es wichtig, das Holz aufzurüsten und zeitnah abzuführen, um Käferbefälle zu vermeiden.

Dieser Meinung ist auch Valentin Stäheli, Leiter Rundholzeinkauf bei der Sägerei Schilliger in Küssnacht am Rigi: «Die Abfuhr des Sturmholzes wird sich bis in den Herbst hineinziehen, da die Sägereien an ihre Lagerkapazitätsgrenzen stossen. Damit der Käfer das im Wald gelagerte Rundholz nicht befällt, wird ein Holzschutzmittel eingesetzt.» Ein Grund für die Stauungen sei auch die Prognose der Schweizer Waldwirtschaft: «Die Waldeigentümer und Rundholzlieferanten haben nach den Sturmereignissen im Januar mit deutlich weniger Sturmholz gerechnet, als nun tatsächlich da ist.» Trotz des Überangebots an Holz seien die Preise zurzeit aber stabil und vergleichbar zu vergangenen Jahren. Laut Gerber ist das Ausmass der Stürme das grösste seit dem verheerenden Lotharsturm von 1999. «Aber mit dem Lothar selbst lassen sich die Stürme nicht vergleichen – das war noch einmal eine andere Dimension.»

Schnee verhindert Räumung in Berggebieten

Sobald der Schnee in den höheren Lagen weg ist, können die Forstunternehmen mit den Aufräumarbeiten auch dort starten. «Viele Wanderwege liegen in Berggebieten. Wir können dort also erst aufräumen, wenn der Schnee weg ist. Das ist aber gar nicht so schlecht, denn dadurch kommt das Holz etwas gestaffelt – zuerst vom Flachland und dann von den Berggebieten», sagt Gerber. Einen grossen Einfluss auf die Abfuhr des Sturmholzes habe in den Bergen gemäss Gerber auch das Wetter. «Wenn es in den nächsten Wochen nass und kalt ist, sind wir etwas weniger unter Zeitdruck mit dem Abführen des Holzes. Denn durch die Nässe vermehren sich die Käfer weniger schnell, als wenn es trocken ist.»

Der Verein Luzerner Wanderwege geht davon aus, dass der Grossteil des Sturmholzes auf den Wegen bis im Frühling, wenn die Wandersaison auch in den Bergen startet, geräumt sein wird. Davon ausgenommen seien laut Lehmann aber einige schwer zugängliche Stellen.

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