Luzern
13.11.2017 05:00

Tempo 20: Die Stadt Luzern geht’s langsam an

  • Begegnungszonen in der Stadt Luzern.
    Begegnungszonen in der Stadt Luzern. | Grafik: Janina Noser
VERKEHR ⋅ Im Vergleich zu anderen Deutschschweizer Städten sind in Luzern sogenannte Begegnungszonen noch immer Mangelware. Das ist so gewollt, könnte sich aber bald ändern.

Stefan Dähler

stefan.daehler@luzernerzeitung.ch

Luzern ist keine Stadt der tiefen Tempolimiten. Im kürzlich veröffentlichten Städtevergleich Mobilität, der Zürich, Basel, Bern, St. Gallen, Luzern und Winterthur umfasst, liegt die Zentralschweizer Metropole bei der Anzahl Kilometer an Tempo-30- sowie Tempo-20-Zonen am Ende der Rangliste (siehe Tabelle).

Tempo 20 und Tempo 30: Städte im Vergleich

  Luzern St. Gallen

Winterthur

Bern Basel Zürich
Anzahl km
Tempo-20-Zonen
2 4 6 24 15 19
Anteil am
Strassennetz
0,8% 1,4% 1,8% 6,9% 5,1% 2,9%
Anzahl km
Tempo-30-Zonen
-106 120 142 189 157 -319
Anteil am
Strassennetz
44,2% 42,1% 43,3% 55,1% 53,6% 50,3%
Total km
Strassennetz
240 285 328 343 293 634

Quelle: Städtevergleich Mobilität (Zahlen aus den Jahren 2015/16)

Bei Letzteren, auch Begegnungszonen genannt, ist der Abstand zu den anderen Städten inzwischen gar weiter ange­wachsen. Die in der Studie angegebenen zwei Kilometer basieren nämlich auf Daten aus den Jahren 2015 und 2016. Damals existierte noch eine Tempo-20-Zone in der Himmelrich-Überbauung der Allgemeinen Baugenossenschaft Luzern. Diese wurde inzwischen aber abgerissen. Statt der Verbindungsstrassen sind in der neuen Überbauung ein Innenhof und ein Boulevard als Quartier- und Stadttreffpunkt geplant (wir berichteten).

Für die rote Laterne bezüglich verkehrsberuhigter Strassen gibt es folgende Erklärungen: «Bei den 30er-Zonen liegt das daran, dass wir flächenmässig kleiner sind als die Vergleichsstädte. In den Wohnquartieren gilt inzwischen fast flächendeckend Tempo 30», sagt Roland Koch, Bereichsleiter Mobilität der Stadt Luzern. Tatsächlich weist Luzern mit 240 Kilometern das kleinste Strassennetz aller Vergleichsstädte auf.

Es ist eine «starke Querbeziehung» nötig

Während die Stadt Luzern der Schaffung von 30er-Zonen durchaus wohlwollend gegenübersteht, ist die Haltung bezüglich Tempo 20 eine andere. «Bei den Begegnungszonen sind wir tatsächlich zurückhaltender», sagt Koch. So müsse die Aufenthaltsqualität gegeben sein und eine «starke Querbeziehung» bestehen. Sprich: «Die Strasse muss von Fussgängern stark genutzt werden. Ein gutes Beispiel dafür ist etwa der Theaterplatz.» Andere Städte dagegen würden auch mal Begegnungszonen schaffen, um den Vortritt zu regeln. Denn bei Tempo 20 haben Fussgänger Vortritt, bei Tempo 30 ist dies nicht der Fall. «Wir sind dagegen der Auffassung, dass Begegnungszonen etwas Exklusives sein sollen», sagt Koch. «Wenn man eine schafft, soll sie auch einen gewissen Stellenwert haben und vor allem muss sie auch funktionieren. Es soll nicht einfach eine Strasse mit tieferem Tempolimit sein.» Die Stadt habe daher auch schon Begehren für die Schaffung neuer Tempo-20-Zonen abgelehnt, zuletzt an der Luegeten- und Trüllhofstrasse in der Nähe des Kantonsspitals. Die GLP hatte dort die Einführung von Tempo 20 in einem Postulat gefordert.

Immerhin: Nächstes Jahr wird Luzern wieder etwas Terrain auf die anderen Städte gutmachen. Im Kleinstadt-Quartier wird nach der dortigen Strassensanierung Tempo 20 eingeführt (Ausgabe vom 20. Mai 2016). Um die rote Laterne im Begegnungszonen-Ranking abzugeben, wird das aber nicht reichen. Zumal 2020 ein erster Abschnitt der Bahnhofstrasse autofrei wird. Das bedeutet, dass eine Tempo-20-Zone zu Gunsten einer Fussgängerzone aufgehoben wird.

Grüne wollen mehr Begegnungszonen

Das zurückhaltende Vorgehen der Stadt steht neuerdings auf dem Prüfstand. Die Grünen haben ein Postulat eingereicht. Sie fordern, dass der Stadtrat prüft, auf welchen Nebenstrassen neue Begegnungszonen geschaffen werden sollen. Besonders am linken Seeufer mit dem künftig carfreien Inseli bestehe Potenzial.

Weiter fordern Anwohner des Gebiets Känzeli an der Bergstrasse, dass der Stadtrat dort eine Begegnungszone oder andere Massnahmen zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität prüft. Dies schreibt die Quartierzeitung «Hochwacht-Post». Auf der Kreuzung würden häufig Kinder spielen, die Bergstrasse werde aber oft als Umfahrungsstrasse genutzt. Rund 80 Unterschriften habe man gesammelt.

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