Luzern
08.07.2017 20:49

Terror-Alarm: Luzerner Polizei testet App

  • Terrorwarnung aufs Handy? Der Dienst wird in Luzern getestet (Symbolbild). | KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER
LUZERN ⋅ Der Bund will die Bevölkerung künftig übers Smartphone vor Hochwasser oder Terror-Angriffen warnen. Bevor er den Dienst Ende 2018 einführt, soll die Luzerner Polizei erste Erfahrungen damit machen.

Christian Hodel

christian.hodel@luzernerzeitung.ch

Bombenalarm am Bahnhof, Erdrutsch an exponierter Hanglage, Hochwasserwarnung für grosse Teile der Innerschweiz: Um die Bevölkerung über solche ausserordentliche Ereignisse zu informieren, will der Bund zusammen mit den Kantonen bis Ende 2018 flächendeckend ein Informations-, Warn- und Alarmierungssystem für Smartphones einführen. Es soll eine Ergänzung zu den rund 5000 stationären und 2200 mobilen Sirenen sein, die bei einer Notlage die Bevölkerung warnen.

Beim neuen System handelt es sich um die App des Bundesamts für Bevölkerungsschutz (Babs) namens Alertswiss. Die App existiert seit 2015 – jedoch konnten die Behörden bis anhin keine Warnungen oder Alarmierungen damit absenden. Ende dieses Jahres soll die neu aufbereitete App in der Praxis getestet werden, wie Kurt Münger, Chef Kommunikation des Babs, sagt. Zu den zehn Kantonen, welche die Alertswiss-App erproben, gehört Luzern. In den nächsten Monaten wird die Luzerner Polizei Zugang zum System erhalten. «Es ist damit zu rechnen, dass der Pilot ab August starten wird. Funktionale Tests werden ab September erwartet», sagt Michael Muther, Chef Technik und Logistik bei der Luzerner Polizei.

Pilotversuch kostet Polizei Personalaufwand

Die im Pilotversuch durchgeführten Tests finden auf dafür eingerichteten Plattformen statt. «Das Babs liefert die Testfälle, die durchgespielt werden sollen, parallel werden wir als Pilotkanton allenfalls auch selber Testfälle ausprobieren», so Muther. Aufgrund der sehr angespannten Ressourcenlage werden aus Luzern vier Personen am Pilotversuch teilnehmen können. Die detaillierten Absprachen mit der Projektleitung über den Umfang der Tests und die eingesetzten Ressourcen aus Luzern würden allerdings noch ausstehen.

Klar ist laut Muther aber schon jetzt: «Aufgrund der angespannten Ressourcenlage werden wir nur rudimentär mit funktionalen Tests helfen können. Wir rechnen derzeit mit einem Gesamtaufwand von rund 15 bis 20 Personentagen.» Trotz mangelndem Personal und Sparplänen des Kantons ist es laut Muther aber sinnvoll, dass sich die Luzerner Polizei am Pilotversuch beteiligt. «Der Aufwand wird so oder so auf uns zukommen. Spätestens bei der produktiven Einführung werden wir uns damit zu befassen haben.»

Zusammenarbeit mit anderen Anbietern geplant

Nachdem die Kantone in einem ersten Schritt die Technik ausprobieren, soll in einem zweiten Schritt eine Gruppe von ausgewählten Empfängern die Meldungen beurteilen. Münger sagt: «Darüber hinaus ist geplant, dass ein Teil der zehn Testkantone die neuen Alertswiss-Services auch bei der Durchführung des gesamtschweizerischen, jährlichen Sirenentests im Februar 2018 im Sinne eines Tests nutzen wird.» Die Entwicklung, Wartung und der Betrieb der App für fünf Jahre kosten den Bund rund 560 000 Franken.

Auch wer die App nicht auf seinem Gerät installiert, soll bei Katastrophen informiert werden – über andere Applikationen. Münger: «Mit Meteo Schweiz, die eine App mit grosser Reichweite betreibt, arbeiten wir ab 2019 zusammen.» Weitere Verbreitungskanäle für die Push-Nachrichten sind geplant. Wie die NZZ berichtete, könnte ein Terror-Alarm bald auch über die App der SBB oder weiterer Verkehrsunternehmen erfolgen. Mit Warnungen übers Smartphone betritt die Schweiz kein Neuland. In Frankreich ist eine ähnliche App im Einsatz, welche die Bevölkerung im Juli 2016 davor warnte, den Ortsteil von Nizza aufzusuchen, wo gerade ein Lastwagen in eine Menschenmenge raste.

Hinweis: Infos unter: www.alertswiss.ch

Kommentare

lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()
09.07.2017 10:01

Wieso wird denn das hier als "Terror-Alarm" aufgezogen? Gemäss der Website geht es um "Katastrophen und Notlagen", wovon ein Terrorfall wohl ein Teil ist, aber wohl eher ein marginaler. Auch im Text wird deutlich, dass es um eine "Ergänzung zum Sirenenalarm und den Radiomeldungen" geht und keineswegs um eine neue Massnahme gegen Terror, wie Titel und Einleitung suggerieren. Wieso macht es den Medienleuten so viel Freude, bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit von Terror zu reden?

John Fanta ⋅ Beiträge: 1
» antworten
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()
09.07.2017 11:47

Der Terroralarm begrenz sich auf die Information dass alles im Griff sein und eigentlich nichts passiert ist. Man soll sich einfach verkriechen und am nächsten Tag ist dann alles wieder gut.

Anton Holzer ⋅ Beiträge: 373
» antworten

Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!

Meist gelesene Artikel

Hier auf der Luzernerstrasse in Ebikon ereignete sich der tödliche Selbstunfall. Die Baumaschinen, die nach dem Unfall weggebracht wurden, waren auf der rechten Seite abgestellt.
EBIKON

Zwei junge Männer sterben bei Motorradunfall

Blick in den Operationssaal während einer Hüftgelenk-Implantation. Der Eingriff kostet im Schnitt rund 8000 Franken.
MEDIZIN

Ab 90: Neues Hüftgelenk selber zahlen

Die Migros (Symbolbild).
BUNDESGERICHT

Kassiererin wird wegen Cracker fristlos entlassen

Szene vom Techno-Open-Air Himmelrich 2016.
1. AUGUST

Krienser Behörde lässt Geburtstagsparty platzen

Die Unfallstelle bei der Verzweigung Rütistrasse/Spitalmattenweg. Im Hintergrund die Kantonsschule Obwalden.
OBWALDEN

Tödlicher Velounfall heizt Diskussionen an

Hanspeter Durrer, Maria Gabriel, Alice Truttmann und Hans Gabriel (von links) gehören zur Gruppe von Leuten, die Koni Huser regelmässig besuchen.
ENNETBÜRGEN

Seit Blitzschlag im Wachkoma: Kollegen besuchen ihn seit Jahren

Hatte noch kaum Einsatzminuten: Il-Gwan Jong (rechts) zusammen mit Teamkollege Ruben Vargas.
FUSSBALL

Der lächelnde Jong und seine Geheimnisse

Bruno Nötzli (in Weiss) zog sich auf der Rigi gegen Joel Wicki einen Kreuzbandriss zu und musste die Saison beenden.
SCHWINGEN

Die Liste der Verletzten wirft Fragen auf

Alois Hess, der auf dem Riedhof in Risch bauert, hat mit der Milchproduktion aufgehört.
MILCHPRODUKTION

Immer mehr Landwirte steigen aus

Kommunikationsdirektor Anthony Scaramucci im Gespräch mit Journalisten vor dem Weissen Haus.
USA

Kommunikationschef beleidigt Trumps Stabschef – der wird gefeuert

Zur klassischen Ansicht wechseln