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EBIKON

Freundin des mutmasslichen Bombendrohers ist ratlos

Im März ist die Mall of Switzerland wegen einer Bombendrohung evakuiert worden. Der mutmassliche Täter – ein Berufschauffeur – befindet sich jetzt wieder auf freiem Fuss.
15.04.2018 | 05:00

Thomas Heer/Lena Berger

redaktion@zentralschweizamsonntag.ch

War es ein misslungener Scherz? Oder hat der Mann etwas gegen Einkaufscenter? Die Motive des 36-jährigen Schweizers, der am 14. März in einer öffentlichen Telefonzelle eine Bombendrohung gegen die Mall of Switzerland ausstiess, sind weiterhin unklar. Die Luzerner Polizei hatte ihn drei Tage nach der Tat in einer koordinierten Aktion vorläufig festgenommen, wie sie mitteilte. Sie kündigte an, den Verdächtigen zu Motiv und Vorgehen zu befragen – seither hörte man allerdings nichts mehr über den Fall.

Gericht ordnete Untersuchungshaft an

Hinter den Kulissen jedoch wird auf Hochtouren gearbeitet. Nachdem der zuständige Staatsanwalt dies beim Zwangsmassnahmengericht beantragte, wurde der Mann in Untersuchungshaft genommen. Eine solche kann nur angeordnet werden, wenn bei einem Tatverdächtigen Flucht-, Verdunkelungs-, Wiederholungs- oder Ausführungsgefahr besteht. Mit Letzterer ist gemeint, dass zu befürchten ist, dass die Person eine Drohung wahr macht.

Inzwischen ist der mutmassliche «Droher» allerdings wieder auf freiem Fuss, wie Staatsanwaltsprecher Simon Kopp auf Anfrage der «Zentralschweiz am Sonntag» schrieb. Unsere Zeitung suchte gestern am späteren Nachmittag das Gespräch mit dem Mann, der in der Ebikoner Mall of Switzerland für ein Polizei-, Feuerwehr- und Sanitäteraufgebot sorgte, das in den vergangenen Jahren im Kanton Luzern seinesgleichen suchte. Der Wohnblock, in dem er lebt, liegt nicht in unmittelbarer Nähe des Einkaufscenters, sondern in einer anderen Gemeinde. Sekunden nach dem Klingeln meldet sich eine Frauenstimme. Die Türe im Haupteingang öffnet sich. In einem der oberen Stockwerke steht sie bereits, die Lebenspartnerin jenes Mannes, der jüngst bei den Besucherinnen und Besuchern des Shopping-Centers für grosse Angst und Schrecken sorgte. Die Frau, das sieht man ihr an, hat nervenaufreibende und aufwühlende Tage hinter sich. Auch sie sei in Untersuchungshaft gesessen, erwähnt sie. Nicht so lange zwar wie ihr Freund, der wochenlang weggesperrt war. Entsprechend schlecht gehe es auch ihm.

Staatsanwaltschaft verhängte einen Maulkorb

In die Wohnung gelassen wird der Reporter nicht. Auch die meisten Fragen bleiben unbeantwortet. Zum Beispiel die, wie ein Mittdreissiger auf die Idee kommt, eine Bombendrohung auszusprechen. Die Frau betont immer wieder, sie sei von der Staatsanwaltschaft zur Verschwiegenheit angehalten worden. Sie sagt einzig, sie könne es sich nicht erklären, weshalb ihr Lebenspartner so eine Tat begangen hat.

Der mutmassliche Täter fällt nicht durch aussergewöhnliche Hobbys auf: Gemäss seinem ­Facebook-Profil spielt er Fussball, ist ein Fan von Bud Spencer und schaut sich gerne die Serie «The Walking Dead» an. Seinen Lebensunterhalt verdient er sich als Chauffeur im Bereich Personentransport. Auf den Namen des mutmasslichen Bombendrohers stiess die Redaktion denn auch durch ein Gespräch zwischen zwei Berufschauffeuren, das die Mitverfasserin dieses Artikels per Zufall aufschnappte.

Weitere Informationen zum Fall waren diese Woche seitens der Untersuchungsbehörden nicht zu bekommen. Der Arbeitgeber des Mannes wollte zum Fall keine Stellung nehmen.

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