Luzern
08.11.2017 17:16

Tausende wollten die Ersten in der Mall of Switzerland sein

  • Erster Stresstest für die Mall: Mehrere hundert Besucher strömen in die Mall. | Bild: Nadia Schärli (Ebikon, 8. November 2017)
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    Im «Kaleidoskop» geht für die Kleinen die Post ab. | Nadia Schärli
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    Helfer zeigen den Besuchern, die mit dem «Churchill» angereist sind, wo es lang geht. | Nadia Schärli
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    «Ich wollte einfach wissen, wie die neue Mall aussieht – und bin wirklich wahnsinnig beeindruckt vom stadtmässigen Flair. Es ist wie eine Grossstadt im Kleinen.» Renate Pangerl 75 Jahre alt, Luzern | Nadia Schärli
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    «Von der Mall hat man ja immer viel gehört. Deshalb wollte ich mir selber ein Bild machen. Besonders interessieren mich die Kleidergeschäfte. Ich finde es echt cool hier.» Giuliano Augugliaro 14 Jahre alt, Luzern | Nadia Schärli
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    «Ich weiss noch nicht genau, was ich mir kaufen werde. Vielleicht ein Paar Schuhe oder neue Hosen. Vor allem bin ich aber aus Neugier hier.» Devin Stillhardt, 14 Jahre alt, Luzern | Nadia Schärli
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    «Die Mischung aus Unterhaltung und Einkaufen gefällt mir. Man kann hier ja wirklich alles haben. Aber ganz ehrlich: Mir ist die Mall fast ein wenig zu gross.» Sandra Truttmann 27 Jahre alt, Dallenwil | Nadia Schärli
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    «Es ist wirklich mega cool hier, ich bin echt begeistert. Vor allem hat es für alle Altersklassen ein Angebot. Und natürlich finde ich das Kinderparadies super.» Kirstin Vogel 30 Jahre alt, Buchrain | Nadia Schärli
EBIKON ⋅ Seit Mittwoch um 9.13 Uhr hat Ebikon offiziell das zweitgrösste Einkaufszentrum der Schweiz. Die Betreiber möchten mit einem Hybrid aus Shopping und Unterhaltung die Zukunft einläuten. Bei den Kunden kommt die Idee gut an.

Kilian Küttel

kilian.kuettel@luzernerzeitung.ch

Mall of Switzerland, Mittwochmorgen, Erdgeschoss. Links des Haupteingangs hat sich McDonald’s mit einer Filiale eingemietet, rechter Hand wartet ein italienisches Restaurant auf die erste Kundschaft. Das grosse Eingangstor in der Mitte bleibt verschlossen. Davor warten Hundertschaften neugieriger Besucher, bis die Eröffnungszeremonie vorüber ist: Im Nieselregen fliegen Trommler durch die Luft. An Seilen befestigt, sollen sie mit archaischen Rhythmen die Stimmung anheizen. Zwei Damen ganz in Weiss halten ein symbolisches rotes Band in Händen. Es ist eine Show mit viel Show, viel Pathos.

Dann, um genau 9.13 Uhr, gehen die Türen auf. Ein Besucherstrom ergiesst sich in den Bauch der Mall of Switzerland und erreicht via Rolltreppen schnell die oberen Geschosse, wo er sich bis in die hintersten Winkel verteilt.

Küng: «Heute schaut die Schweiz nach Luzern»

Ein Moment für die Geschichtsbücher des Einkaufszentrums, das schon manches Kapitel umfasst. Am Mittwoch kam zum Abschluss, was vor 16 Jahren begonnen hatte. Im Oktober 2001 erklärte der Liftbauer Schindler, dass er seine Landreserven nicht mehr brauche. 450 Millionen Franken und eine lange Liste von Einsprachen, Rückschlägen und Gerichtsverfahren später, ist sie nun also da: die Mall of Switzerland. Das zweitgrösste Einkaufszentrum der Schweiz. Geht es nach den Betreibern, soll es mehr sein als das: «Wir verstehen uns als Familien- und Freizeitdestination», sagte darum auch ein sichtlich lockerer Bernd Hofer, der das Gesamtprojekt geleitet hat.

Nicht nur er hatte Grund zur Freude. Auch der Luzerner Baudirektor Robert Küng (FDP) zeigte sich gut gelaunt, nachdem er die Mall miteröffnet hatte. Er glaubt, dass nicht nur das Center vom grossen Eröffnungstag profitieren wird, sondern der ganze Standort Luzern. «Heute schaut die Schweiz nach Luzern. Und sie sieht: Hier läuft etwas, hier entwickelt sich etwas.» Der Regierungsrat glaubt ebenfalls, dass es ein Weiterdenken im Shoppingbereich braucht, wenn sich die Branche in Zeiten des Onlinehandels behaupten will: «Der Trend zeigt ganz in diese Richtung. Shoppingcenter werden in Zukunft das Einkaufen und Freizeitaktivitäten miteinander verbinden müssen.»

Das Erlebnis zählt, nicht die Waren

Ein Augenschein zeigt: Das Motto ist Programm. Die Kunden sollen nicht nur zum Einkaufen kommen. Sondern zum Erleben. Auf einer Gesamtfläche von 65 000 Quadratmetern finden sich nicht nur 88 verschiedene Shops wie Kleider- und Lebensmittelläden, Technik- und Sportgeschäfte. Hinzu kommen 16 Restaurants – ob Burger, Waffeln, Pizza, asiatische, italienische oder mexikanische Küche. So verschieden die Geschmäcker sind, so breit ist das Angebot. Doch das ist nicht alles. Die Mall of Switzerland wartet mit einem grossen Freizeitangebot auf. So finden sich auf dem Gelände des Unterhaltungs- und Shoppingkomplexes zwölf Kinosäle, ein Fitnesscenter und ein Wellnessbereich.

Die laut den Verantwortlichen ganz grosse Attraktion allerdings ist noch nicht in Betrieb. Die Rede ist von der stehenden Welle: In einem Nebengebäude auf dem Mall-Areal kann das ganze Jahr über gesurft werden. Aber eben noch nicht sofort. Immerhin gab es am Mittwoch eine kleinere Ausgabe im obersten Stockwerk zu bestaunen. Und auch hier zeigt sich wieder: Erlebnisse zählen, nicht nur Waren. Eine Maxime, die sich durchzusetzen scheint, wie eine Umfrage bei den Mall-Besuchern zeigt. Wen man auch fragte, alle waren begeistert. Von der Grösse, von der Architektur, vor allem aber vom breiten Angebot. «Man kann hier wirklich alles machen», sagt beispielsweise die 27-jährige Sandra Truttmann aus Dallenwil.

Die Hochzeit von Shopping und Freizeit ist also die Zukunft. Das glauben jedenfalls Experten und renommierte Exponenten der Branche – wie beispielsweise der deutsche Unternehmer Jochen Schweizer. Berühmt wurde er durch sein Unternehmen, das Erlebnisgutscheine verkauft – ob für Fallschirmsprünge, Städtereisen oder Fondueabende. «In der heutigen Zeit gewinnen Erlebnisse ungeheuer an Wichtigkeit. Sie bleiben lange in Erinnerung – nicht wie materielle Dinge, die weniger lange Bestand haben», sagt der 60-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung. Schweizer war an der Eröffnung aus zweierlei Gründen anwesend: Erstens betreibt seine Jochen Schweizer GmbH einen Shop in der Mall, zweitens berät er mit seiner Consultingfirma die Mall-Leitung bei der Realisierung der stehenden Welle: «Diese Welle ist eines der besten Beispiele, was ich meine, wenn ich sage, dass Erlebnisse wichtig sind. Und sie ist das ultimative Erlebnis.» Deshalb sei es die absolut richtige Entscheidung der Mall-Leitung gewesen, darauf zu setzen.

Wenn Schweizer von Erlebnissen und Erinnerungen spricht, strömt Begeisterung aus seinen Augen. Und sie deckt sich mit der Stimmung unter den Kunden. Wie angetönt gab es am Mittwoch viele staunende und freudige Gesichter zu sehen. So auch bei Kirstin Vogel aus Buchrain. Die 30-jährige Mutter steht vor dem Kinderparadies, den kleinen Sohn trägt sie auf den Schultern. Sie lächelt und sagt: «Ich bin echt begeistert. Ich finde es mega cool hier. Es gibt so viele Angebote.» Und das Kinderparadies gefällt ihr besonders. «Es ist toll. Wenn man einkaufen muss, kann man seine Kinder ohne Bedenken ein oder zwei Stunden hierher bringen.» 15 Mitarbeiterinnen kümmern sich um die Kleinen im Kinderparadies, das bis zu 334 Kinder aufnehmen kann. Hier gibt es alles, was das Herz begehrt: Klettergestelle, Holzhäuser zum Verstecken, eine Krabbellandschaft, Lego in allen Farben und Formen – und: ein Kino. Hier zeigt sich die Handschrift der Mall also ebenfalls. Die Kinder sollen etwas erleben – auch wenn sie kaum etwas kaufen werden.

«Mall of Switzerland»: Das war die Eröffnung

Bilderserien zum Artikel (1)

Videos zum Artikel (4)

  • Rundgang durch die Mall of Switzerland

  • Mall-Direktor über die Verkehrssituation und die Höhepunkte des neuen Einkaufszentrums

  • Video: Hier wird die Mall of Switzerland evakuiert

  • Regierungsrat Robert Küng an der Eröffnung der Mall of Switzerland.

    Regierungsrat Robert Küng zur Eröffnung der Mall of Switzerland

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