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STADT LUZERN

Weshalb die Villa stehen bleibt

Die Villa an der Obergrundstrasse 99 kann vorerst nicht abgebrochen werden. Grund: Stadt und Eigentümer streiten sich darüber, was ein «qualitativ hochstehendes Neubauprojekt» ist.
19.05.2017 | 06:54

Robert Knobel und Hugo Bischof

stadt@luzernerzeitung.ch

Der mögliche Abbruch der Villa an der Obergrundstrasse 99 sorgte in den vergangenen Monaten für viel Gesprächsstoff. Zeitweise entstand der Eindruck, der Abbruch stünde kurz bevor. Nun hat aber die Besitzerfirma Bodum AG bekanntgegeben, dass das Gebäude aus dem 19. Jahrhundert vorläufig stehen bleibt. Grund seien Differenzen mit der Stadt ( wir berichteten ). Mathis Berger, Anwalt der Bodum AG, erläutert auf Anfrage unserer Zeitung: «Im Rahmen der letzten Kontakte sind seitens der Stadt Luzern Bedingungen gestellt worden, die die Gespräche leider blockiert haben.» Dabei habe Bodum «lange keinen Aufwand gescheut», um die «immer neuen und zusätzlichen Anforderungen» seitens der Stadt aufzunehmen.

Die Vorwürfe erstaunen – hat doch die städtische Baudirektion stets signalisiert, dass man einem Abriss und Neubau an der Obergrundstrasse positiv gegenüberstehe. Baudirektorin Manuela Jost (GLP) sagt dazu: «Ein fachliches Gutachten ist im April 2016 zum Schluss gekommen, dass ein Abriss möglich ist, sofern ein qualitativ hochwertiges Neubauprojekt vorliegt.» Und genau letztere Bedingung ist nun der Zankapfel zwischen Stadt und Bodum. Die bisherigen Entwürfe der Bodum AG haben die Stadtbehörden nicht überzeugt. Die Stadt pocht auf eine «gute städtebauliche Eingliederung», wie Manuela Jost sagt. Demgegenüber steht das Interesse der Bauherren, mit dem Neubau ein möglichst grosses Volumen zu erzielen. Das Problem dabei: Die Obergrund-Villen befinden sich in der Ortsbildschutzzone B. Dort gibt es keine klaren Vorgaben, wie gross und wie hoch ein neues Gebäude werden darf. Entscheidend ist einfach, dass es sich möglichst harmonisch in die Umgebung einfügt. Um das Ziel eines qualitativ hochstehenden Bauprojekts zu erreichen, hat die Stadt einen Architekturwettbewerb gefordert. Doch auch damit ist die Bodum offenbar nicht einverstanden. Manuela Jost sagt dazu: «Ein Wettbewerb ist keine Schikane, sondern erhöht die Qualität eines Bauprojekts, was letztlich auch zur Zufriedenheit der Bauherren selbst geschieht.»

In der Nachbarvilla starten bald die Bauarbeiten

Wie es weitergeht mit der Villa, die im vergangenen Jahr von Hausbesetzern in Beschlag genommen worden war, ist zurzeit völlig offen. Klar sind die Verhältnisse hingegen bei der Nachbarvilla an der Obergrundstrasse 101, die im April 2017 ebenfalls vorübergehend besetzt wurde. Das Gebäude gehört ebenfalls der Bodum AG, die dort einen umfassenden Umbau plant. Die Bodum möchte das Haus künftig als Bürogebäude nutzen. Die Baubewilligung ist bereits erteilt. Gemäss dem Anwalt der Bodum starten die Bauarbeiten «in absehbarer Zeit».

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