Luzern
13.07.2017 07:53

Gross, spektakulär und teuer: der Schlund-Kreisel in Kriens

  • Blick von Michael Töngis Hof «Understrick» auf den Schlund-Kreisel. (© Bild: Dominik Wunderli (Kriens, 7. Juli 2017))
    Blick von Michael Töngis Hof «Understrick» auf den Schlund-Kreisel. | Bild: Dominik Wunderli (Kriens, 7. Juli 2017)
SERIE ⋅ Der Kreisel beim Pilatusmarkt wirkt mit seinen gewaltigen Ausmassen wie eine Riesenkrake aus Beton. In seiner unmittelbaren Umgebung trifft man aber Leute, die man dort nicht vermuten würde.

Stefan Dähler

stefan.daehler@luzernerzeitung.ch

Im Krienser Schlund steht der Kreisel der Superlative: Er war Teil eines 666 Millionen Franken teuren Ausbaus der Autobahn A2 – das kostspieligste Strassenprojekt im Kanton Luzern. Mit einem Durchmesser von über 40 Metern ist er auch der grösste – abgesehen vom Seetalplatz, wobei es sich dort nicht um einen baulichen Kreisel, sondern nur um sich im Kreis drehenden Verkehr handelt.

Entsprechend wurde das Bauwerk im Schlund mit grossem Drumherum eröffnet. Bundesrat Moritz Leuenberger war am 14. Mai 2004 beim Festakt anwesend. Schliesslich handelt es sich bei diesem Abschnitt der A2 – ein weiterer Superlativ – um die älteste Autobahn der Schweiz, erstellt im Jahr 1955.

Gegner des Projekts ist heute Nachbar des Kreisels

Der Schlund-Kreisel ist Bestandteil des damals neu errichteten Autobahnanschlusses Horw. Da er auf Pfählen steht, führt unter ihm ebenfalls eine Strasse durch. Er steht auf Krienser Boden, der Betrachter wähnt sich aufgrund der Ausmasse aber fast in einer amerikanischen Grossstadt.

Den Kontrast dazu bildet das Bauernhaus «Understrick», das am Hang direkt über dem Kreisel thront und von jemandem bewohnt wird, der das Bauprojekt einst bekämpft hat – dem grünen Kantonsrat Michael Töngi (50). «Der Ausbau der A2 war das ­­erste grosse Thema der 1987 gegründeten Grünen Partei Kriens.» Heute erinnert sich Töngi leicht amüsiert daran, wie er einst als Jungspund bei einer Protestaktion im Krienser Einwohnerrat Transparente enthüllt hat. Dass die alte Autobahn sicherheitstechnisch nicht mehr auf dem aktuellen Stand war, sei klar gewesen. «Gestört hat uns jedoch der Kapazitätsausbau.»

Das Projekt wurde trotzdem realisiert – quasi direkt vor Töngis Nase. Der Strassenlärm sei teils schon störend, zumal der Verkehr in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat. Doch: «Letztendlich muss man die Situation akzeptieren oder sonst wegziehen.» Er vergleiche seinen Bauernhof «gerne mit dem gallischen Asterix-Dorf», sagt er und spricht damit auch die rasante Entwicklung des Gebiets Luzern Süd an. «Überall wird gebaut, doch dieser Hof im abschüssigen Hang wird sicher nie eingezont.»

Federführend beim 666-Millionen-Franken-Projekt war das Bundesamt für Strassen (Astra).Vor dem Umbau habe sich die Autobahn auf einem Damm befunden, die Fahrbahn sei in schlechtem Zustand gewesen, teilt das Astra auf Anfrage mit. Die Brems- und Beschleunigungswege bei den inzwischen aufgehobenen Halbanschlüssen Horwerstrasse und Ennethorw seien zu kurz gewesen.

Das Wichtigste war der Lärmschutz

Den Anstoss zu dem Umbau habe aber ein Lärmschutzprojekt aus dem Jahr 1981 gegeben. Die Pläne wurden bis zum Baustart im Jahr 2000 mehrmals abgeändert. So war ursprünglich gar kein Kreisel geplant. Diese Idee eingebracht hatte das Büro Senn + Partner AG von Martin Senn, ehe­maliger liberaler Grossrat (der heutige Kantonsrat) und Vater des Krienser Gemeinderats Matthias Senn (FDP). In der Schweiz seien Kreisel damals noch nicht etabliert gewesen. Ein Mitarbeiter habe darum die nötigen Unterlagen in England und Frankreich beschafft, erinnert sich Senn.

Letztendlich resultierten ein Ausbau der A2 von zwei auf drei Spuren, eine teilweise Überdachung und eben der Schlund-Kreisel. Dieser fungiert als Autobahnanschluss, lenkt aber auch die Besucher des Pilatusmarkts in dessen Parkhaus. Weiter ermöglicht er die Umfahrung des Horwer Zentrums, wodurch dort Tempo 30 eingeführt werden konnte.

Gescheiterte Hochhaus-Vision

Nie realisiert dagegen wurde das abenteuerliche Vorhaben, in der Mitte des Kreisels ein Bürohochhaus zu errichten. Mit dem Zonenplan aus dem Jahr 2000 schaffte die Gemeinde Kriens die Möglichkeit, ein solches zu errichten. Allerdings resultierte daraus nie ein konkretes Projekt. Mit der letzten Ortsplanungsrevision 2014 wurde der Hochhausstandort wieder gestrichen.

Wie hat sich der Kreisel inzwischen bewährt? Obwohl er mit seinen zwei Spuren bei manchem Fahrschüler Angstschweiss auslöst, gibt es im Vergleich zu anderen Kreiseln wenig Unfälle. Der Verkehr rolle grösstenteils flüssig, heisst es auf Anfrage bei der Luzerner Polizei. Wie die Verkehrssituation angesichts des Baubooms in Luzern Süd in Zukunft aussehen wird, ist noch offen. Der Kanton Luzern erarbeitet ein Verkehrskonzept für das Gebiet, dieses soll Ende Jahr vorliegen. Von 2005 bis 2016 hat die Zahl der Fahrzeuge bereits um 35 Prozent auf 28 300 pro Tag zugenommen.

Hundeschule im Schatten des Grosskreisels

28 300 Fahrzeuge – das klingt nicht nach einer lebensfreundlichen Umgebung. Und doch kann es beim Kreisel sehr lebhaft zu- und hergehen. So tollen Woche für Woche junge Hunde auf einem Platz direkt unter dem Kreisel herum. Maria Sanden betreibt dort – neben abgestellten Fahrzeugen und gelagertem Baumaterial – seit rund drei Jahren eine kleine Hundeschule.

«Der Platz ist mir schon früher aufgefallen. Ich habe lange nach einem Standort für die Hundeschule gesucht», sagt Sanden. «In der Nähe von Wohnungen ist dies schwierig, da die Leute befürchten, dass die Hunde Lärm machen.» Apropos Lärm: Unter dem Kreisel sei es gar nicht besonders laut – ausser wenn bei Regen die nasse Fahrbahn die Geräusche der Fahrzeuge verstärkt. «Dafür bleiben wir trocken», sagt sie mit einem Augenzwinkern. Auch vor Hitze sei man gut geschützt. Ihr gefalle es gut unter dem Kreisel. Sie könne die Fläche zu einem günstigen Preis mieten. «Sonst kann man den Platz ja nicht brauchen. Nicht mal als Lager, da es keine Zufahrt gibt. Es wäre eine tote Ecke.»

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