Nidwalden
16.04.2017 08:37

300'000 Franken bar auf den Tisch gelegt

  • Kaufen, renovieren, erfolgreich verkaufen. Die R.D.L. ist ein noch unbekannter, aber aktiver Player im Zentralschweizer Immobiliengeschäft.
    Kaufen, renovieren, erfolgreich verkaufen. Die R.D.L. ist ein noch unbekannter, aber aktiver Player im Zentralschweizer Immobiliengeschäft. | Symbolbild Stefan Kaiser / Zug, 24.06.2014
IMMOBILIEN ⋅ Ein wenig bekanntes Nidwaldner Immobilienkonglomerat hat sich zu einem bedeutenden Player in der Branche entwickelt. Zu den Geschäften geben die Eigentümer gegenüber den Medien keine Auskunft. Dafür spricht ihr Anwalt.

Thomas Heer

thomas.heer@luzernerzeitung.ch

Was haben die Bau- und Generalunternehmung Anliker und die Allgemeine Baugenossenschaft Luzern (ABL) gemeinsam? Natürlich sind beide Unternehmen nachhaltig im regionalen Immobilienmarkt involviert. Gemeinsam ist ihnen aber auch, dass sowohl Anliker wie auch die ABL im Zusammenhang mit einem Hauskauf gegenüber einer kleinen Firma aus dem Kanton Nidwalden bereits einmal das Nachsehen hatten. Ausgestochen wurden die beiden Grossen nämlich von einem Unternehmen namens R.D.L. Immobilien AG.

Domiziliert ist diese Firma in Hergiswil. Das Gesellschaftskapital beträgt 100'000 Franken. Gehören tut diese R.D.L. einer Frau, die als einzige Verwaltungsrätin auftritt. Ihr Gatte ist ebenfalls im Immobilienbusiness tätig. Dieser erscheint im Handelsregister einerseits als Geschäftsführer und Gesellschafter der Mondial Immobilien GmbH mit Sitz in der Stadt Luzern und andererseits in den gleichen Funktionen bei der World Immobilien GmbH mit Sitz an derselben Adresse, wo sich auch der R.D.L.-Sitz befindet.

ABL und Anliker hatten das Nachsehen

Zurück zu den beiden Immobiliengeschäften, bei denen zum einen Anliker, zum anderen die ABL involviert waren. Beim «Anliker-Deal» ging es um die Versteigerung eines Hotels in der Gemeinde Emmen. Anliker bot schriftlich 2,7 Millionen und stieg letztendlich bei 2,9 Millionen Franken aus. Noch etwas weiter ging der Elektrogerätehändler Ottiger & Ottiger, der schliesslich bei 3,06 Millionen Franken die Segel strich. Den Zuschlag erhielt die R.D.L. Immobilien AG für 3,1 Millionen Franken. Deren Besitzerin legte nach der Ver­steigerung «die Anzahlung von 300'000 Franken bar auf den Tisch», wie die «Neue Luzerner Zeitung» damals schrieb. R.D.L. hat das Hotel mittlerweile verkauft, und zwar an die Saweka AG aus dem Kanton St. Gallen. Ebenfalls an dieses Unternehmen veräusserte die R.D.L. letztes Jahr ein Haus, das sich am Stadtluzerner Zihlmattweg befindet.

Auch das bereits angetönte ABL-Geschäft fand Niederschlag in den Medien, nämlich in der «Sonntagszeitung». Dabei ging es um ein Mehrfamilienhaus in der Luzerner Neustadt. Konkret um zwölf 31/2-Zimmer- und zwei 51/2-Zimmer-Wohnungen. Die ABL liess die Liegenschaft schätzen. Die Expertise kam zum Ergebnis, dass die Immobilie 3,735 Millionen Franken wert sei. Es kann davon ausgegangen werden, dass die ABL bis zu diesem Preis und wahrscheinlich noch etwas darüber hinaus mitbot. Das genügte offenbar nicht. Das Rennen machte wiederum die R.D.L. Wie hoch der Kaufpreis schlussendlich war, wurde nie publik.

Nach der Handänderung in der Neustadt kam es zu Nebengeräuschen. Seitens der R.D.L. wurde den Mietern gemäss «Sonntagszeitung» eine sanfte Renovation der Wohnungen und danach der Wiedereinzug versprochen. Daraus wurde aber nichts. Denn die Wohnungen erschienen alsbald auf dem Immobilien-Internetportal Homegate, und zwar zum Verkauf.

Das erste Geld kam aus dem Automobilgeschäft

Wie viele Liegenschaften mittlerweile zu R.D.L. respektive den beiden GmbHs World respektive Mondial gehören, kann der von diesen Firmen mandatierte Aargauer Rechtsanwalt nicht sagen. Eine Konsultation bei einigen wenigen Grundbuchämtern ergibt folgendes, sicherlich unvollständiges Bild: So gehören zahlreiche Immobilien im Wirzboden in Stans dazu, aber auch Objekte an der Sonnhalden- respektive Seestrasse in Hergiswil, ein Haus an der Krienserstrasse in Horw sowie ein Mehrfamilienhaus an der Stadtluzerner Maihofstrasse. Dieses Gebäude kauf­te die R.D.L. letztes Jahr. Den Mieterinnen und Mietern wurde nach der Übernahme sofort gekündigt. Derzeit laufen Renovationsarbeiten. Im Herbst dann sollen die Wohnungen vermietet werden.

In der regionalen Immobilienszene taucht mitunter die Frage auf, woher R.D.L./Mondial und World all das Geld herhaben, mit dem sie im Markt auftreten. Deren Aargauer Rechtsanwalt sagt dazu: «Das Startkapital stammt aus dem Automobilgeschäft. Damit haben die Firmeninhaber um das Jahr 2010 herum die ersten Immobilien gekauft.» R.D.L. sei, so der Rechtsvertreter, darauf spezialisiert, ältere Liegenschaften zu erwerben, diese zu renovieren und später entweder zu verkaufen oder zu vermieten.

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