Nidwalden
16.04.2017 08:40

Er wohnt mit 150 Flugtauben zusammen

  • Hobbyzüchter Franco Visonà mit einigen seiner rund 150 Flugtauben bei sich zu Hause.
    Hobbyzüchter Franco Visonà mit einigen seiner rund 150 Flugtauben bei sich zu Hause. | Bild: Corinne Glanzmann (Ennetbürgen, 4. April 2017)
ENNETBÜRGEN ⋅ Andere halten sich einen Hund oder eine Katze. Franco Visonà züchtet fast schon sein ganzes Leben lang Tauben. Sein Hobby bringt ihn um die halbe Welt – und beachtliche Erfolge ein.

Ein Gurren vernimmt man an der Stationsstrasse in Ennetbürgen. Es kommt von oben, von der Terrasse von Franco Visonà. Der 44-Jährige züchtet bei sich zu Hause Tauben – und zwar nicht wenige. Rund 150 sogenannte Flugtauben wohnen im grosszügig angelegten Taubenschlag. Sie sind ein wichtiger Teil in seinem Alltag. Wenn er am Abend nach Hause kommt, ist er eine bis zwei Stunden im Garten bei seinen Tieren.

Einen wichtigen Teil nimmt dabei die «Dressur» ein. Franco Visonà demonstriert das Prozedere: Er öffnet das Türchen und lockt die Tauben heraus. Auf sein Kommando heben sie ab und drehen hoch über Ennetbürgen, am Ufer des Vierwaldstättersees, ihre Runden. Manchmal dauere dieses Prozedere bis zu einer Viertelstunde, sagt Visonà. Auf sein Kommando fliegen seine gefiederten Freunde wieder zurück in ihren Schlag. Er hat seine Tiere im Griff, wurde an Wettbewerben schon zweimal Europameister. Auch in anderen Jahren war er vorne dabei. «Zweit- und Drittplatzierte hatten auch schon Tauben aus meiner Zucht.»

Schon über 30 Jahre hat er Erfahrung mit dem Taubenzüchten. Er stiess beim Blättern einer Zeitschrift auf dieses Hobby. «Ich mochte schon immer Tiere», sagt Visonà. Die Leidenschaft für das Taubenzüchten war bei ihm geweckt. Doch was fasziniert ihn daran? «Die Frage habe ich mir auch schon oft gestellt», gesteht er ein. «Ich arbeite gerne mit den Tauben, jede davon hat einen eigenen Wesenszug. Auch muss ich nicht wie mit einem Hund morgens um 6 Uhr Gassi gehen, sondern kann sie nach dem Feierabend geniessen, wenn ich sie rauslasse und auf dem Balkon sitze.» Visonà hat sich auf die türkische Rasse Kelebek spezialisiert (auf Deutsch: Schmetterling). Im Gegensatz zu Brieftauben fliegen sie nicht im Kreis um den Schlag, sondern kreuz und quer im Schwarm in die Höhe, ähnlich wie Schmetterlinge im Flug. Gibt der Taubenzüchter ein Zeichen, dass es Futter gibt, stürzt der Schwarm mit Drehungen und Schraubenflug herunter. Rund 200 Tauben kommen jährlich in seiner Zucht auf die Welt – dabei wird möglichst wenig dem Zufall überlassen. Die Zucht folgt einer strengen Vererbungslehre, um so die idealsten von über 160 möglichen Eigenschaftskombinationen hervorzubringen. In all den Jahren hat Visonà in der «Tauben-Szene» einen Bekanntheitsgrad erlangt. «Ich bekomme oft Telefonanrufe von jemandem, der eine verirrte Taube aufgegriffen hat.»

Freundschaften bis nach Istanbul

Sein aussergewöhnliches Hobby ist zugleich etwas Rares: Visonà schätzt, dass es in der Schweiz nur etwa 80 Flugtaubenzüchter gibt. Wohl auch darum führt ihn sein Hobby um die halbe Welt – wegen seiner Lieblingsart Kelebek aber häufig in die Türkei, insbesondere nach Istanbul. Dort trafen er und seine Frau zufällig auf einen einheimischen Taubenzüchter, der ihn von der Schweiz her kannte. Eine Freundschaft entstand. Der Empfang vor Ort sei immer äusserst herzlich. «Man lernt die Türkei von einer ganz anderen Seite kennen.»

Der nächste Termin führt Visonà allerdings nicht ganz so weit, sondern ins zürcherische Rorbas an die internationale Flugkastenmeisterschaft vom 13. bis 15. Juli. Die Tauben reisen in einem transportablen Kleinschlag an und vollführen vor Ort vor einem internationalen Publikum ihre einstudierten Figuren.

Matthias Piazza

matthias.piazza@nidwaldnerzeitung.ch

Kommentare

Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!

Meist gelesene Artikel

Spielte knapp zwei Stunden ein sehr solides Konzert: Xavier Naidoo (45).
LUZERN

Start des Blue Balls: Spektakulär Unspektakulär

Das Bundesgericht hat entschieden, dass der Kanton den Fall nochmals prüfen muss.
GERICHTSURTEIL

Droht Kriminaltourist Blutrache?

Wieder hat es nicht gereicht: FCL-Spieler Pascal Schürpf (Mitte) verwirft die Hände.
FUSSBALL

Für Europa will es einfach nicht reichen

Markus Huwiler unterstützt «seinen» Klub, wann immer er kann.
ROTKREUZ

Er fiebert seit 40 Jahren mit

Die Anhänger aus Osijek werden von der Luzerner Polizei am Abend vor dem Match gegen den FC Luzern von einem Wasserwerfer nass gespritzt.
FUSSBALL

Fussball-Chaoten liefern sich Strassenschlacht in Luzern – sechs Festnahmen

Der Interregio von Zürich nach Luzern hält im Bahnhof Zug. (Symbolbild)
SBB

Kanton Luzern gegen Viertelstundentakt nach Zürich ohne Tiefbahnhof

Marcel Hug (Mitte) behält im Wiederholungsrennen die Nerven und fährt dem Sieg entgegen.
BEHINDERTENSPORT

Marcel Hug ist Doppel-Weltmeister

Philipp Amrein, Fachleiter Jagd und Fischerei, mit toten Fischen.
RUSWIL

Gewässerverschmutzung im Bielbach – tausende Fische sterben

Rund 20 Pferde und Ponys sind bei einem Feuer in Gebäuden des Institut Equestre National d'Avenches (IENA) in Avenches VD umgekommen.
BRAND

Mutmasslicher Brandstifter gefasst

In Uri hat die Regierung bereits 2016 einen Wolf zum Abschuss freigegeben.
GURTNELLEN

Schaf fiel wohl dem Wolf zum Opfer

Zur klassischen Ansicht wechseln