Nidwalden
15.11.2017 05:00

Oscar J. Schwenk spricht zur Abstimmung über den Flugplatz Buochs

  • «Solange ich da bin, gehen wir nicht an die Börse und kann es auch keine unfreundliche Übernahme geben», sagt Oscar J. Schwenk, Verwaltungsratspräsident der Pilatuswerke
    «Solange ich da bin, gehen wir nicht an die Börse und kann es auch keine unfreundliche Übernahme geben», sagt Oscar J. Schwenk, Verwaltungsratspräsident der Pilatuswerke | Bild: Nadia Schärli (Stans, 27. Juni 2017)
NIDWALDEN ⋅ Oscar J. Schwenk bestätigt Aussagen aus dem Abstimmungskampf, wonach die Pilatuswerke den Flugplatz selber betreiben könnten. Er betont aber gleichzeitig, dass er das nicht wolle und dies gegenüber dem Kanton nicht fair wäre.

Interview: Markus von Rotz

markus.vonrotz@nidwaldnerzeitung.ch

Sie haben seit 2013 einen CEO bei Pilatus und können als Verwaltungsratspräsident mehr strategisch arbeiten. War das ein richtiger Schritt?

Ja, ich könnte das alleine nicht mehr stemmen, nur mache ich aktuell immer noch zu viel Operatives. Ich bin Oberprojektleiter für den PC-24 und habe noch zu wenig Zeit für strategische Überlungen. Aber im Moment dominieren die Arbeiten für die Zertifizierung dieses Flugzeugs. Das ist ein schwieriges Jahr.

In Ihrem Alter (73) sind andere längst pensioniert. Keine Aussicht auf mehr Freizeit also?

Nein, im Moment habe ich eher mehr zu tun als früher. Die Firma wächst, ein Gebäude nach dem anderen entsteht, und das Oberdominierende ist der PC-24. Wir haben darin über eine halbe Milliarde investiert, nach der Zertifizierung kommen die ersten substanziellen Anzahlungen. Es war aber damals beim PC-12 genau gleich. Die Zertifizierung ist sehr aufwendig.

Wann soll sie fertig sein?

Ich habe vor drei Jahren gesagt, Ende 2017 sollten wir es haben. Was wir versprechen, möchten wir einhalten. Wir sollten es trotz aller Hektik mit dem Glück des Tüchtigen schaffen, auch wenn das nicht nur von uns abhängt.

Aber der Einsatz für das «Kind» Pilatus lohnt sich, gerade haben Sie Neubaupläne für 45 Millionen Franken bekanntgegeben. Macht Ihnen das Wachstum zuweilen Sorgen, weil nach einem Aufstieg auch ein Fall kommen kann?

Ja, das kann es schon geben. Aber wir haben bereits 84 bestellte Flugzeuge, obwohl noch niemand in einen PC-24 hineinsitzen konnte. Das brachte noch kaum ein Flugzeughersteller fertig und sichert uns vorerst die Produktion von Anfang 2018 bis Mitte 2020. Natürlich haben wir alles gemacht, um sicher zu sein, dass es sich rechnet. Ich bin auch überzeugt, es gibt ein unglaublich gutes Flugzeug, ähnlich wie mit dem PC-12 damals haben wir eine Nische gefunden. Im Moment ist alles auf Kurs. Pilatus wird die nächsten 40 Jahre davon leben können.

Ihre Firma ist der wichtigste Player auf dem Arbeitsmarkt Nidwalden. Die Leute schauen gespannt auf Sie, und wie gespannt sehen Sie der Flugplatz-Abstimmung vom 26. November entgegen?

Relativ locker, ich vertraue darauf, dass die Nidwaldner Ja sagen. Ich kann mir schlecht vorstellen, dass man nicht honoriert, was wir in den vergangenen Jahren mit dem Flugplatz richtig gemacht haben. Der Kanton will im Leitbild einen Flugplatz und eine internationale Anbindung. Darum bin ich höchst erstaunt und erschrocken über die Zwängerei, die nun abläuft. Ich wollte mich nach Gesprächen vor den Landräten und dem Entscheid des Parlaments ausklinken, verstehe nun aber nicht, warum man plötzlich die seit 20 Jahren bewährte Abag (Airport Buochs AG) kritisieren kann. Nun müssen beide Seiten in den Flugplatz investieren wegen Umwelt- und Sicherheitsauflagen. Da ist es doch richtig, dass beide Partner je 50 Prozent des Geldes einbringen. Wenn jetzt immer gesagt wird, uns als Pilatus gehe das Ganze nichts an, ist das fast etwas perfide, weil man damit uns und den Kanton auseinanderzudividieren versucht.

Das Bekenntnis zum Flugplatz und zu Pilatus insbesondere aber ist omnipräsent. Das Piece de résistance sind die 10 Millionen Franken aus der Kantonskasse. Wie sehr ist Pilatus auf diese angewiesen?

Pilatus kann das selber machen und den Flugplatz allein betreiben, ohne uns gäbe es ihn ohnehin nicht, wir betreiben ihn auch mit Sachverstand. Ich wurde mehrfach von Landräten gefragt, warum ich den Kanton und die Regierung mit drin haben will. Meine Antwort war immer: Pilatus hat aus Existenzgründen Interesse am Flugplatz und der Kanton aus Gründen der Wirtschaftsförderung und der Mitsprache. Und dank dem Einsitz in der Abag kommt der Kanton zu direkten Informationen über das Unternehmen. Das ist eine gute Lösung. Es ist wichtig, dass die Regierung so frühzeitig erfährt, wenn bei uns mal was nicht optimal läuft. Wenn unser Unternehmen mit rund 2000 Angestellten Fieber hat, hustet der ganze Kanton. Trotz unserer im harten Konkurrenzkampf dominanten Rolle wollen wir nichts vom Kanton ausser einem guten Einvernehmen. Wir kämpfen, um den Standort zu halten und auszubauen. Ich möchte darum, dass der Flugplatz vom Kanton und uns als Hauptbenutzer getragen wird.

Sie haben vor Landräten gesagt, Sie könnten den Flugplatz selber betreiben und die 10 Million Franken selber stemmen. Was hiesse das dann?

Dann würde er anders betrieben, wie genau, weiss ich noch nicht, ich habe mich noch mit keinem Plan B befasst. Ich will die Abstimmung abwarten, zumal wir ja nicht unter Zeitdruck stehen. Diese Zusage habe ich eigentlich nur gemacht, weil mich Gegner herausforderten, die von mir wissen wollten, ob wir das allein könnten. Aber sie wollten offenbar uns gegen die Regierung ausspielen. Wir aber legen uns sicher nicht mit der Regierung an, die ist wie der Landrat vom Volk demokratisch gewählt. Deshalb geht es nicht, dass nun ein paar «täubeln», die mit 18:40 Stimmen unterlegen sind. Wenn es so wäre, dass wir selber handeln und alles bezahlen müssten, müsste es ein Werkflugplatz plus sein. Dann würden wir bestimmen, wer fliegen kann.

Möchten Sie das?

Nein, das will ich nicht, das soll die Regierung tun. Wir haben viele international tätige, hier ansässige Firmen, die auf diesen Flugplatz angewiesen sind. Der Kanton hat Steuereinnahmen dank ihnen, also hat er auch ein Interesse, mitzureden, wer den Flugplatz benützen kann. Ich kann nicht begreifen, dass sich ein paar wenige so aufspielen mit teilweise unwahren und tendenziösen Behauptungen aufwarten, obwohl alles demokratisch ablief. Da wird etwa behauptet, man fliege künftig immer von 6 bis 22 Uhr. Das ist falsch, und das bestimmt im Übrigen der Bund. Von 6 bis 21.30 Uhr ist es nur im Juni und Juli. Generell gilt: von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang.

Der Kanton muss also ein Interesse haben, dass es keinen solchen reinen Werkflugplatz gibt?

Auf jeden Fall. Wir nutzen aktuell 8000 Flugbewegungen, den Rest zu den erlaubten 20000 können andere nutzen. Wir sind die grösste Unternehmung mit der grössten Wertschöpfung, werden aber selber nie mehr als 10000 Bewegungen brauchen. Wer kümmert sich nun um die andere Hälfte? Das muss der Kanton politisch regeln. Er muss sagen, ob es kommerzielle Heliflüge oder Schulungsflüge geben soll. Das Wichtigste für uns ist die Sicherheit. Je mehr Flugbewegungen von unqualifizierten Leuten und Hängegleitern, desto mehr wird uns das Leben schwer gemacht.

Der Flugplatz rentiert nicht. Die Taxen müssten fast versechsfacht werden, sagt die Eidgenössische Finanzkontrolle. Und die Bundessubventionen könnten irgendwann wegfallen. Die Regierung spricht aber von einer «realistischen Aussicht auf einen selbsttragenden Flugplatzbetrieb». Darf das der Stimmbürger glauben?

Ja, das darf er. Das reine Flugplatzgeschäft mit Landetaxen und Anfluggebühren wird nie rentieren. Das schafft kein Regionalflugplatz in der Schweiz. Hier aber werden noch Hangarplätze vermietet. Mit den zwei Standbeinen können wir eine schwarze Null erreichen, ein goldiges Geschäft aber wird es nie werden. Man könnte noch Unterhalt reinnehmen, ein Restaurant erstellen oder Artikel verkaufen, aber das wollen wir nicht. Wir wollen das Minimum. Wir könnten auch sagen, die Wirtschaftsförderung soll uns wie auf ähnlichen Flugplätzen unterstützen, wir kümmern uns um den Flugplatz. Aber wäre das fairer? Ist es nicht besser, wenn der Kanton für sein Geld auch ein Mitspracherecht und Aktien hat? Sollte es einmal so sein, dass der Kanton austreten müsste, würde Pilatus die Aktien zum Buchwert zurückkaufen, und der Kanton erhielte das Geld zurück, das er eingeschossen hat. Dafür lege ich die Hand ins Feuer, das haben wir auch geregelt. Wenn der Kanton uns aber über Subventionen hilft, ist das Geld weg. Ohne Mitsprache.

Wie wichtig ist Ihnen die 50-50-Partnerschaft mit dem Kanton in der Airport Buochs AG?

Die ist uns wichtig, aber nicht des Geldes wegen, sondern weil es nicht zwei gleichberechtigte Aktionäre geben kann, bei denen einer gleich viel zu sagen hat, ohne Aktien zu kaufen.

Im Landrat wurde von FDP-Seite gesagt, der Kanton müsse an der Abag beteiligt bleiben, damit er verhindern könne, dass «bald ausländische Investoren» das Sagen hätten. Besteht diese Gefahr?

Diese Gefahr gibt es nicht. Solange ich da bin, gehen wir nicht an die Börse und kann es auch keine unfreundliche Übernahme geben. Darin sind sich unsere Aktionäre auch einig. Aber man darf einer Firma das Korsett nicht zu eng machen, sonst muss man eine Notlösung finden. Ich könnte den Flugplatz problemlos beispielsweise ennet die französische Grenze verlegen. Den Platz bekämen wir gratis und dazu grosse Steuererleichterungen. Dann würde Pilatus aber das Herz hier in Nidwalden verlieren mit all den Leuten, die entwickeln, testen und fliegen und mit der Zeit auch die Entwicklung und andere Abteilungen abziehen. Ist man an einem neuen Ort mal etabliert, ist die Versuchung schnell gross, immer mehr Teile zu verlegen. Aber wir wollen in Nidwalden bleiben.

Das hört sich wie ein klares Bekenntnis zum Werkplatz Schweiz und Nidwalden an.

Auf jeden Fall. Wir bauen auch die neue 45-Millionen-Halle bewusst hier. Das gab schon Diskussionen im Verwaltungsrat. Der Werkplatz Schweiz ist eine Herausforderung, aber wenn wir, wie in der neuen Halle geplant, automatisieren können, können wir mit dem Werkplatz Schweiz konkurrenzfähig sein. Aber der Kanton muss in solche Diskussionen eingebunden sein, sonst fliegen wir denen davon. Wir sind stark genug dafür.

Wären Sie Regierungsrat und nicht Unternehmer, hätten Sie die gleiche Vorlage vors Volk gebracht, wie sie jetzt zur Diskussion steht?

Ich wäre auf jeden Fall ein unternehmerischer Regierungsrat ... Unter der Prämisse, dass Pilatus über so viele Jahre ein zuverlässiger Partner war, würde ich das auch so machen. Wäre Pilatus an der Börse oder in einer ausländischen Kapitalgesellschaft, würde ich mir das zweimal überlegen. Oder einen ganz klugen Vertrag mit ihnen machen. Darum haben wir vereinbart, dass Pilatus dem Kanton die Aktien zum Buchwert, ohne Gewinn, verkaufen muss, falls es zu einem mehrheitlich ausländischen Besitz kommen sollte. Das ist mir ein grosses Anliegen. Ich würde mich einmal im Grab umdrehen, wenn es falsch herauskäme.

Apropos Regierung: Hat sie ihren Job richtig gemacht?

Ich bin nicht immer mit ihr einverstanden, aber die aktuelle Regierung wird unter ihrem Wert geschlagen. Sie hat in diesem Dossier grosse Arbeit geleistet, obwohl Landräte teilweise anderes behaupten. Etwa, dass künftig auch A320 hier landen würden. Von der Pistenlänge wäre es zwar möglich, aber da bräuchte es viel neue Infrastruktur samt Terminal, und man müsste das Flugfeld zu einem Regionalflugplatz ändern. Für kommerziellen Betrieb ist das absolut undenkbar.

Sie hoffen auf ein Ja. Sollte das Volk dennoch Nein sagen, was würden Sie daraus lesen?

Dass das Volk dem Landrat und der Regierung eins auswischen will, dass das aber nicht mit Pilatus zu tun hat und das Volk uns vertraut, dass wir das auch selber könnten. Ich hoffe aber nicht, dass es so weit kommt, weil wir das nicht wollen. Wenn trotzdem, wären wir natürlich auch künftig gesprächsbereit.

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