Nidwalden
15.07.2017 05:00

Seine Wanderungen sind Highlights

  • Koni Lüönd leitet Wandertouren aus Leidenschaft. (© Bild: Matthias Piazza (Stans, 10. Juli 2017))
    Koni Lüönd leitet Wandertouren aus Leidenschaft. | Bild: Matthias Piazza (Stans, 10. Juli 2017)
STANS ⋅ Koni Lüönd engagiert sich seit rund 40 Jahren als Wanderleiter. Eine Bezahlung will er dafür nicht. Sein Lohn seien die strahlenden Gesichter der Teilnehmer.

Matthias Piazza

matthias.piazza@nidwaldnerzeitung.ch

 

Ein Treffen mit Koni Lüönd zu vereinbaren, ist gar nicht so einfach. Zwar ist der 72-Jährige schon seit neun Jahren pensioniert. Doch von Zurücklehnen keine Spur. Seine Passion ist es, Wandertouren zu leiten – so wie am vergangenen Samstagabend. Im Rahmen der schweizweiten Wandernacht führte er eine Gruppe Wanderfreudige aus der ganzen Schweiz in die Schönheiten der Landschaft auf Maria-­Rickenbach ein. «Das ist uns gelungen. Die Leute waren begeistert. Um 20 Uhr starteten wir mit unserer Wanderung durch die fantastische Landschaft, lauschten den Kuhglocken, später schaute gar noch der Mond in seiner ganzen Pracht hinter den Wolken hervor. Es war ein Stück heile Welt», schwärmt er im Gespräch mit unserer Zeitung.

Fast im Wochentakt leitet er eine Wandergruppe. So organisiert er im Auftrag der Luftseilbahn Dallenwil–Niederrickenbach und von Tourismus Maria-Rickenbach Wanderungen und Touren während des ganzen Jahres. Auf dem Programm standen die Schweizer Vollmondnacht auf Maria-Rickenbach sowie Sonnenauf- und Sonnenuntergangswanderungen auf der Musenalp. Zudem leitet er mit vier weiteren Kolleginnen und Kollegen bei Pro Senectute von Dezember bis Anfang März jeweils am Donnerstag eine Schneeschuhtour im Raum Zentralschweiz.

Sein Engagement beschränkt sich nicht auf die Wanderung selber. «Für eine Schneeschuhwanderung brauche ich rund vier Tage Vorbereitungszeit», erzählt er. So wird die Route bereits im Sommer rekognosziert und im Winter kurz vor dem Anlass abgelaufen. Eigentlich sei er geistig immer auf einer Wanderung. «Im Sommer bereite ich schon die Winterwanderungen vor, im Winter jene im Sommer», erzählt der rüstige Pensionär.

Der Puls schnellt auch heute noch in die Höhe

Für jede Tour entwickelt er ein Drehbuch. Auch nach rund 40 Jahren und unzähligen Wanderungen auf derselben Route sei es für ihn jedes Mal aufs Neue ein Abenteuer. «Ob mit drei oder mit 30 Teilnehmern: Auch heute schnellt der Puls in die Höhe, wenn eine Wanderung näher rückt.» Überhaupt seien die Vorbereitungen etwas vom Schönsten am ganzen Engagement. Trotz perfekter Vorbereitung: «Jede Tour kann noch so ausgeklügelt sein, am Tag selber kann alles anders kommen», weiss er aus Erfahrung. Er spielt damit auf das Wetter an. «Mutter Natur spielt die Hauptrolle. Sie kann wunderschön sein, aber auch brutal.» Diese meteorologischen Unsicherheiten machten eine Tour auch interessanter. Und meistens belohne einen die Natur – zum Beispiel mit traumhaften Sonnenauf- und Sonnenuntergängen.

Mit Geld wird Koni Lüönd nicht bezahlt. Er nimmt sein Engagement unentgeltlich wahr. Für ihn zählen andere Werte. «Ein herzliches Danke nach beendeter Tour oder die persönliche Bemerkung ‹Die Tour war grossartig› ist jeweils der schönste Dank und die beste Motivation für die nächste Tour.»

Es begann mit einer Betriebswandergruppe

Mit dem Virus angesteckt wurde er bei seinem Job bei der dama­ligen Luzern-Stans-Engelberg-Bahn. Dort war er von 1976 bis zu seiner Pensionierung 2008 Bahnhofsvorstand beziehungsweise Teamleiter des Bahnhofs Stans. Er gründete eine Art Betriebswandergruppe. «Ich dachte, man sollte seine Arbeitskollegen auch mal von einer privaten Seite kennen lernen.» Mit der Zeit weitete sich sein Engagement aus. «Als Auswärtiger merkte ich, welch schöne, unverwechselbare Fleckchen und Ecken Nidwalden zu bieten hat, das wollte ich anderen nicht vorenthalten», erzählt der gebürtige Rothenthurmer, der vor Jahren in Stans sesshaft wurde. «Die auswärtigen Teilnehmer sind immer wieder von unseren Wanderungen begeistert.» Geführte Wanderungen erfreuten sich in der heutigen Zeit gar zunehmender Beliebtheit. «Die Leute wollen nicht nur wandern, sie wollen etwas erleben, informiert werden, etwas lernen», erzählt er. Auf grosses Interesse stosse zum Beispiel jeweils die Geschichte rund um die Wallfahrtskapelle auf Maria-Rickenbach. «Viele Auswärtige hatten zuvor noch nie davon gehört.» Wer glaubt, nur Senioren würden an solchen Wanderungen teilnehmen, irrt. «Das Publikum ist altersmässig total durchmischt. Das geht von 25 bis 70 Jahre.»

Auch Fernwanderungen im Angebot

Einen Tag nach dem Interviewtermin zog es ihn bereits wieder auf Wanderschaft – diesmal aber nicht in die hiesige Bergwelt, sondern in die Ferne ins Virgental in Osttirol. Südtirol stand 2015, die Steiermark 2016, Berchtesgaden–Königssee 2017 auf dem Fernwanderprogramm. Denn Fernwanderungen sind seine zweite grosse Leidenschaft. Ans Aufhören will der 72-Jährige noch nicht denken. «Solange ich noch Lust habe und es die Gesundheit zulässt, mache ich weiter. Ich habe das Glück, dass meine Lebenspartnerin meine Leidenschaft teilt, die Natur liebt und mich unterstützt und begleitet», sagt er.

Hinweis

In unserer Sommerserie stellen wir in loser Folge Menschen vor, die sich in der Freiwilligenarbeit engagieren. Alle bisher erschienenen Beiträge finden Sie unter www.nidwaldnerzeitung.ch/dossier.

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