Nidwalden
12.07.2017 08:51

Zu viele Bilder wandern ins Internet

NID-/OBWALDEN ⋅ Bilder von Schülern auf den Internetseiten von Schulen können aus Sicht des Datenschutzbeauftragten problematisch werden. Er empfiehlt darum einen restriktiven Umgang damit.

Matthias Piazza

matthias.piazza@nidwaldnerzeitung.ch

Der Abschlussball der Oberstufe, ein Gruppenfoto von Schülern am Ende ihrer Schulkarriere, die Schulreise, das Klassenlager oder auch Klassenfotos: Vieles, was im Laufe eines Schuljahres fotografisch festgehalten wurde, ist für die ganze Welt einsehbar. Viele Schulen stellen sehr viele Fotos auf ihre Internetseite. Dort sind sie dann für jedermann zugänglich – und dies teilweise während vieler Jahre.

«Wir stellten im Rahmen unserer letzten Datenschutz­reviews fest, dass auf den Websites gewisser Schulen zu viele und teilweise auch veraltete Bilder von Schülern sowie Lehrpersonen publiziert sind», sagt Philipp Studer, gemeinsamer Datenschutzbeauftragter der Kantone Schwyz, Obwalden und Nidwalden. Er bemängelt zudem, dass viele Bilder per Mausklick heruntergeladen und danach frei (und für die Schule nicht kontrollierbar) weiterverwendet werden können. «Mit den heutigen technischen Möglichkeiten kann jemand mit böswilliger Absicht fototechnisch den Kopf eines Schülers auf den Körperteil einer anderen Person einfügen. Das kann in der heutigen Zeit mit Tools, welche Gesichter erkennen, verheerend sein. Und ist ein Foto einmal im Netz, ist es unmöglich, dieses wieder zu entfernen.» Er empfiehlt den Schulen darum, zu verunmöglichen, dass Fotos einfach so per Mausklick von ihrer Internetseite heruntergeladen werden können. Besonders problematisch sei beispielsweise, wenn Schulen Bilder auf die Fotoplattform Picasa stellen. «In diesem Fall tritt man die Rechte des Bildes an das Unternehmen Google ab. Bilder können so anderweitig verwendet werden, ohne dass die dafür verantwortliche Schule die Kontrolle darüber hat.»

Über zehnjährige Bilder gehören nicht mehr ins Netz

«Es ist meiner Ansicht nach unverhältnismässig, über zehnjährige Bilder im Internet frei zugänglich zu belassen. Wir empfehlen, ältere Bilder zu löschen oder den betroffenen Personen wie Schülern, Eltern und Lehrpersonen zur Aufbewahrung anzubieten», sagt er zur Dauer. Was die Anzahl der Fotos betrifft, erachtet er das Aufschalten vieler Galerien mit jeweils mehreren Dutzend Fotos als unverhältnismässig (und somit nicht angebracht). Auch rät er etwa, Klassenfotos nicht ins Netz zu stellen.

Besorgte Eltern hätten sich wegen solcher Punkte schon bei ihm gemeldet. «Sie hatten etwa Bedenken, weil ihr Kind mit Foto und Name auf der Website der Schule zu identifizieren war.» Glücklicherweise sei es seines Wissens bisher noch nie zu gravierenden Vorfällen gekommen. «Doch wir wollen die Schulen frühzeitig sensibilisieren, im präventiven Sinne, um solche Vor­fälle möglichst verhindern zu können.» Zudem hält Philipp Studer fest, dass die Schulleitung bei nicht volljährigen Schülern für eine Publikation im Internet die Einwilligung der Eltern einholen muss.

Im schlimmsten Fall drohen rechtliche Schritte

Das Datenschutzgesetz schreibe zwar nicht im Detail vor, wie mit Bildern im Internet umzugehen sei. Der Datenschutzbeauftragte kann vor allem beraten, aber auch Empfehlungen erlassen. Dennoch könnte man im schlimmsten Fall rechtlich gegen Schulen vorgehen. «Denn ein unverhältnismässiges Publizieren von Bildern auf der Website einer Schule kann durchaus eine Verletzung der Persönlichkeit der Betroffenen darstellen», hält Studer fest. Die betroffenen Schulen hätten den in den Datenschutzreviews aufgezeigten Handlungsbedarf erkannt und in den wichtigsten Fällen ihre Handhabung angepasst, lobt er.

Die Schule Kerns hatte im Juni 2016 ein Treffen mit dem Datenschutzbeauftragten. «Er hat uns darauf aufmerksam gemacht, dass die Möglichkeit, Bilder von der Website per Mausklick herunterzuladen, zu unterbinden ist. Das haben wir sofort umgesetzt», sagt Gesamtschulleiter Hugo Sigrist. Es sei geplant, auf den Schuljahreswechsel hin alle Beiträge mit älteren Bildern zu entfernen. Auch würden die Rechte auf die Publikation von persönlichen Bildern eingeholt.

Die Eltern von Kindern, welche in Stans die Schule besuchen, teilen zu Beginn des Eintritts in eine neue Schulstufe mit, ob sie mit der Veröffentlichung von Fotos ihrer Kinder generell einverstanden sind – oder ob keine Fotos hochgeladen werden dürfen. Jedes Foto wird angeschaut und kontrolliert, bevor es auf die Homepage kommt, wie Meinrad Leffin, Stanser Gesamtschulleiter, auf Anfrage mitteilt. Selbstverständlich sei es auch jederzeit möglich, eine gemachte Zustimmung seitens der Eltern zu widerrufen oder dass Kinder und Jugendliche konkrete Bilder entfernen lassen können. Diese Praxis, welche schon vor Jahren eingeführt worden sei, habe sich bewährt.

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