Obwalden
15.03.2017 05:00

Vor 50 Jahren kamen die Titlisbahnen in Fahrt

  • Die Titlisbahn in ihren Anfangsjahren.
    Die Titlisbahn in ihren Anfangsjahren. | PD
  • Seit 1992 bringt die Rotair-Gondel die Touristen in die Höhe, seit 2014 in einem neuen Kleid.
    Seit 1992 bringt die Rotair-Gondel die Touristen in die Höhe, seit 2014 in einem neuen Kleid | Bilder: PD / Dominik Wunderli
ENGELBERG ⋅ Am 15. März 1967 fuhr das erste Mal eine Seilbahn auf den Titlis. Die neue Attraktion für Touristen aus aller Welt erlebte einen harzigen Start mit vielen Geburtswehen.

Matthias Piazza

matthias.piazza@obwaldnerzeitung.ch

Über eine Million Fahrgäste schwebten im abgelaufenen Geschäftsjahr 2015/16 dem Titlis entgegen – mit den neuen Rotair-Gondeln, die sich während der Fahrt einmal um die eigene Achse drehen. Wer heute die Fahrt antritt, hat, ohne es zu wissen, einen für die Titlisbahnen historischen Tag ausgesucht. Vor genau 50 Jahren, am 15. März 1967, transportierte die Luftseilbahn erstmals Gäste von der Station Stand bis zur Titlis-Bergstation auf 3020 Metern über Meer.

Doch die Ideen für die Erschliessung des Gletschergipfels reichen weiter zurück. Die Eröffnung der Stansstad–Engelberg-Bahn am 5. Oktober 1898 läutete für Engelberg ein neues Kapitel ein. Das Hochtal war nun erschlossen, und die moderne elektrische Bergbahn rief geradezu nach einer Fortsetzung. Pläne einer Zahnradbahn Engelberg–Jochpass–Meiringen kamen auf. Ein Engelberger Initiativkomitee kämpfte ab 1906 um eine Konzession.

«Speziell dabei war, dass in einem zusätzlichen Projekt auch eine Zweigbahn vom Trübsee bis auf den Titlis vorgesehen war», erzählt Mike Bacher. Der Historiker und Sekretär des Verwaltungsrates der Titlisbahnen hat sich intensiv mit deren Geschichte befasst. Von der geplanten Station Trübsee der Zahnradbahn Engelberg–Meiringen, etwa beim heutigen Alpstübli, wäre die Strecke flach bis unterhalb des Hotels Trübsee gestartet und von dort bis etwa zur heutigen Talstation der Sesselbahn auf dem Gletscher verlaufen. Von dort hätte eine Schlittenseilbahn die Passagiere direkt zum Titlisgipfel gezogen. Das Projekt scheiterte allerdings im Nidwaldner Landrat.

Ein nächster Versuch startete 1930, als ein Seilbahnunternehmen eine Fortsetzung vom Trübsee auf den Titlis plante. Auch diese Pläne zerschlugen sich, nicht zuletzt wegen der Wirtschaftskrise, erzählt Bacher. Im dritten Anlauf, in den 1950er-Jahren, schliesslich klappte es. Die Zeit war reif. «Dank des Wirtschaftsbooms wuchs in der Schweiz eine breite Mittelschicht heran, die sich Wintersport leisten konnte. Skifahren wurde in der Schweiz zum Breitensport.» Im ganzen Titlisgebiet entstanden Skilifte und Seilbahnen. Damit rückte auch der Gipfel wieder in den Fokus der Erschliessungspläne. In der Berner Seilbahnfirma von Roll fanden ein paar Engelberger Initianten ein Unternehmen, welches gewillt war, die Bahn zu bauen. «Das Tal stand hinter dem Vorhaben. Fast jeder Haushalt beteiligte sich. Noch heute sind die Aktien im Tal sehr breit gestreut», weiss Bacher. Und selbst Hotelgäste wurden für einen Beitrag angefragt.

Die Baukosten explodierten

Am 26. Juni 1965 wurde die erste Sektion von Trübsee bis zur Mittelstation Stand dem Betrieb übergeben, im März 1967 jene bis auf den Titlis. Der Bau dieser Seilbahn auf einem Gletscher in dieser wetterexponierten Umgebung erwies sich als anspruchsvoller als erwartet. Die Kosten explodierten. Aus den veranschlagten 7,8 wurden am Schluss 20 Millionen Franken, was heutigen Verhältnissen etwa 100 Millionen Franken entspräche. «Die ersten zehn Betriebsjahre waren harzig. Trotz guter Auslastung konnten die Kosten nicht gedeckt werden», weiss Bacher. «Vor allem im Sommer fehlten Touristen.» Man begann den asiatischen Markt zu bearbeiten. Heute sind die indischen und chinesischen Märke die wichtigsten nach dem europäischen Markt.

Die Titlisbahnen veränderten ein ganzes Tal. «In Engelberg kam eine starke Aufbruchstimmung auf, man hatte wieder Zukunftsperspektiven, nachdem die beiden Weltkriege den Tourismus in eine Krise gestürzt hatten.» 1992 schrieben die Titlisbahnen mit der Inbetriebnahme der ersten drehbaren Luftseilbahn der Welt Geschichte. Sie wurde 2014 durch moderne Nachfolger abgelöst. «Dank der Titlisbahnen und ihren Beherbergungsangeboten wie dem Hotel Terrace, dem Titlis-Resort und dem Berghotel Trübsee wurde der Titlis zu einem der wichtigsten Berge für Europareisende», sagt Bacher zur heutigen Bedeutung.

 

1969 besuchte der millionste Gast den Titlis

In den Jahren 1965 und 1966 stand erst die erste Sektion der Seilbahn in Betrieb. Im ersten Betriebsjahr sahen sich 26 859 und im zweiten bereits 128 168 Personen den Stand an. Mit der Inbetriebnahme der zweiten Sektion 1967 steigerte sich die Besucherzahl auf 375 708, und am 8. Februar 1969 konnte bereits der millionste Fahrgast der Titlisbahn begrüsst werden. 1980 überschritt die Jahresfrequenz die Millionengrenze. In den folgenden Jahren fielen die Frequenzen nur noch in den Jahren 1981 und 1986 unter die Millionenmarke. (map)

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  • 50 Jahre Titlisbahnen

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