Obwalden
17.07.2017 07:34

Politische Stimme am «Tatort Umwelt»

  • Cover des neuen Buchs. (© Bild: PD)
    Cover des neuen Buchs. | Bild: PD
OB-/NIDWALDEN ⋅ Der WWF Zentralschweiz hat sich zu seinem 40. Geburtstag ein Buch mit dem Titel «Tatort Umwelt» geschenkt. Aus Unterwaldner Sicht spielt darin der frühere DN-Politiker Josef Blättler die Rolle des Kommissars.

Romano Cuonz

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

«Zum WWF Unterwalden wurde ich 2003 als politische Stimme geholt», erinnert sich Josef Blättler im eben erschienenen Jubi­läumsbuch des WWF Zentralschweiz. Der charismatische Umweltpolitiker und Mitbegründer der «Grünen» in Nidwalden steht der Unterwaldner WWF-Sektion seit 2004 als Co-Präsident und Präsident vor. Nun blickt er zurück.

Anfang 2000 – so Blättler – habe der WWF in Ob- und Nidwalden keine allzu gute Anbindung an die Politik gehabt. Das weiss keiner besser als dieser Mann, der ganze zwölf Jahre im Nidwaldner Landrat politisierte: «Für unsere Institution macht Naturschutz nur Sinn, wenn man sich entschieden politisch äussert, Naturschutz und Politik gehören zusammen!» Allerdings wisse er nach seiner langjährigen Tätigkeit nur zu gut: «Wenn man Natur schützen will, gibt es sofort auch politische Reaktionen, weil man teilweise in Eigentums- oder Gewohnheitsrecht eingreift.» Dies zeige, um nur ein Beispiel zu nennen, der mittlerweile auch schon 50-jährige Protest vieler ­Jäger gegen die Rückkehr des Luchses. Etwas, das dem Schreinermeister und Pragmatiker Blättler immer schon wichtig war: Dass sich die Leute nicht nur für «s Blüemli» interessieren, sondern auch für die Mechanismen. «So müssen wir uns fragen, was wir tun können, damit ­‹s Blüemli› auch in hundert Jahren noch da ist», fordert Blättler. Anders gesagt: Selbst wenn Widerstand programmiert sei, gelte es, Farbe zu bekennen. «Ein altes Schweizer Recht», davon ist Blättler überzeugt.

Weder polemisch noch aggressiv

Das weltweite Engagement des WWF – etwa für den Amazonas oder die Serengeti –, sagt Josef Blättler, sei auch vielen Leuten ein Anliegen, die nicht dem links-grünen Lager angehören. «Wir treten nicht aggressiv oder polemisch auf, und dies trägt dazu bei, dass wir positiv wahrgenommen werden.» Im Verlauf der vier Jahrzehnte habe der WWF an weit mehr Orten zu besseren Lösungen beigetragen als Projekte verhindert. «Im Obwaldnerland haben wir da und dort Einspra­che erhoben, etwa gegen Alp­erschliessungen oder zu Gunsten der Auen in Giswil», räumt Blättler ein. Gerne kommt der Umweltpolitiker nochmals auf die grossen Themen seiner Zeit zu sprechen. Von 1985 bis 2015 habe er im Komitee für eine Mitsprache des Nidwaldner Volkes bei Atomanlagen (MNA) gegen das geplante Atommülllager im Nidwaldner Wellenberg gekämpft. «Schliesslich bekamen wir in ­allen Punkten Recht. Ja, sogar die Regierung, die uns zu Beginn stark anfeindete, hat unseren Standpunkt als offizielles Dogma übernommen», bilanziert Blättler.

In Obwalden aber sei die Bevölkerung bis heute froh, dass «Grüne» – im Gefolge seines Sachsler Kollegen Bruno Santini – eine offene Linienführung der Autobahn A8 in Sachseln, Giswil und Lungern verhindert hatten. In neuerer Zeit allerdings habe der WWF am Sarnersee und an der Sarneraa bei Hochwasserschutz und Biodiversität einen Tiefschlag hinnehmen müssen. «Wir sind sogar aus der Arbeitsgruppe ausgetreten, weil von den Behörden nichts von dem, was wir eingebracht haben, aufgenommen worden ist», moniert Blättler. Am wichtigsten aber ist wohl die Erkenntnis, die Blättler aus einigen Siegen und wohl ebenso vielen Niederlagen für sich zieht: «Man muss dran bleiben, es hört nie auf, man muss versuchen, Allianzen zu schmieden.»

Ein überaus spannender «Tatort»

Wenn immer der Begriff «Tatort» fällt, erwartet das Publikum Spannung. Und spannend ist denn auch das WWF-Jubiläumsbuch unter diesem Titel. Nochmals werden dem Leser grosse Kämpfe der Umweltschützer vor Augen geführt: etwa der Kraftakt zum Moorschutz in Rothenthurm mit einem eindrücklichen Sieg bei der Volksabstimmung von 1987 gegen eine militärisch politische Übermacht. Auch eine «atomare Zentralschweiz» mit Plänen für ein AKW in Inwil oder mit mehreren möglichen Standorten für Atommülllager wurde erfolgreich bekämpft. Das Buch beschreibt aber auch Tatorte, an denen man nichts zu bekämpfen, viel mehr etwas zu unterstützen hatte: Da scheint denn vor allem das «Wilde Obwalden» auf, wo 1971 erstmals wieder ein Luchs­paar und 2015 die ersten Bartgeier der Innerschweiz wieder eine Heimat fanden. Josef Blättler durfte sogar einen WWF-Bartgeier auf den Namen Trudi taufen. «Servus und viel Glück», wünschte er damals dem Vogel bei seinem ersten Flug. Und ­genau dies gilt wohl auch für das erste Buch des WWF Zentralschweiz ...

Hinweis

Die Publikation «Tatort Umwelt» des WWF Zentralschweiz der Sektionen LU, UR, UW und ZG ist in allen Zentralschweizer Buchhandlungen erhältlich – u. a. bei Dillier in Sarnen und bei Stocker und von Matt in Stans.

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