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EXIL-URNER

Für Zigerkrapfen fährt er in die alte Heimat

Obwohl Erwin Indergand nicht weit weg von seiner Heimat wohnt, gibt es einiges, das ihm in Brunnen fehlt. Für Zigerkrapfen fährt er regelmässig ins Urnerland – mit dem Uristier-Kleber am Autoheck.
10.01.2018 | 04:39

Seine Kindheit und Jugend verbrachte Erwin Indergand in Erstfeld. Dort besuchte er die Primarschule und engagierte sich in der Pfadi, bevor er nach Altdorf ins Kollegi wechselte und für den FC Schattdorf Fussball spielte. Mit dem Abschluss der Matura kam auch der Abschied von Uri: Indergand hatte ein Studium ins Auge gefasst und zog mit 21 Jahren aus seinem Heimatkanton weg.

Das war 1979. Zehn Jahre später heiratete er Cäcilia Schilter, ebenfalls eine Urnerin, die ihm zwei Söhne und eine Tochter schenkte. Heute wohnt der 59-jährige Bankangestellte mit seiner Familie in Brunnen.

Das «Urner Feeling» und die Zigerkrapfen fehlen ihm

Obwohl er seit fast 40 Jahren nicht mehr in Uri wohnt, plagt ihn noch heute manchmal das Heimweh. Auf die Frage, was ihm denn fehle, sagt Indergand: «Einiges. Dies in Worte zu fassen, ist nicht so einfach.» Es sei wahrscheinlich das Heimatgefühl, das «Urner Feeling», das er ab und an vermisse. Sinnbildlich dafür nennt er eine Gegebenheit aus seiner Jugend: «Mein Grossvater fragte immer, wenn ihn eines seiner zahlreichen Grosskinder besuchte: ‹So, bisch äui wider im globtä Land?›»

Auch kulinarisch mache sich das Heimweh manchmal bemerkbar. Die Schwyzer hätten zwar ihre «Kösi-Krapfen» und ihren «Hafä-Chabis». Aber mit den Urner Zigerkrapfen und dem «Chabis und Schaffleisch» würden die Schwyzer Spezialitäten nicht mithalten können, so das Urteil des Exil-Urners. Vor allem die Zigerkrapfen vermissen er und seine Familie in Brunnen. «Es gibt keine Fahrt in den Kanton Uri ohne den Kauf von einem Dutzend Urner Zigerkrapfen.»

Die Zigerkrapfen sind jedoch nicht der einzige Grund für Indergand, den Kontakt zu seiner Heimat zu pflegen. Durchschnittlich einmal pro Woche ist er im Kanton Uri, um Familie, Freunde oder Kollegen zu treffen. Seine Mutter lebt in Altdorf und entstammt einer grossen Familie. «So habe ich rund 30 Cousinen und Cousins, von denen einige noch im Kanton Uri wohnen», sagt Indergand. Auf diese Weise ergeben sich immer wieder Gelegenheiten, Kontakte zur Heimat zu pflegen oder aufleben zu lassen. Ausserdem gehöre es zur Tradition seiner Familie, jedes Jahr gemeinsam das Ein- und Austrommeln der Altdorfer Katzenmusik zu besuchen.

Das vierte Auto mit Uristier-Aufkleber

Trotz des regelmässigen Kontakts sei eine Rückkehr nach Uri als Wohnkanton derzeit kein Thema. Dies zum einen, weil Indergands Kinder in Brunnen Wurzeln geschlagen haben. Zum anderen, weil seine Heimat ja bloss 15 Autominuten von seinem Wohnort entfernt ist.

Seine Liebe zu Uri bringt Erwin Indergand auch an seinem Auto zum Ausdruck. Bereits das vierte Auto der Familie trägt einen Uristier-Aufkleber am Heck. «Wir sind einfach stolz, Urner zu sein, und zeigen das auch gerne.» Durch den Aufkleber würde er ab und zu von anderen Heimweh-Urnern erkannt, woraus sich interessante Gespräche «unter Landsleuten» ergeben. Im Strassenverkehr stellt er keine Reaktionen fest, weder positive noch negative. «Jedenfalls verschont der Uristier-Aufkleber nicht vor Bussen», scherzt Indergand.

 

Carmen Epp

carmen.epp@urnerzeitung.ch

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