Uri
17.05.2017 07:54

«Jetzt ist höchste Alarmstufe»

  • Felicitas Schweizer, Präsidentin der Evangelisch-reformierten Landeskirche Uri, warnt vor einer Beschlussunfähigkeit des Kirchenrats.
    Felicitas Schweizer, Präsidentin der Evangelisch-reformierten Landeskirche Uri, warnt vor einer Beschlussunfähigkeit des Kirchenrats. | Bild: Urs Hanhart (Erstfeld, 15. Mai 2017)
EV.-REF. LANDESKIRCHE URI ⋅ Der personelle Engpass im wichtigsten Gremium der Evangelisch-reformierten Landeskirche Uri wird immer bedrohlicher. Nun soll eine Personalfindungskommission eingesetzt worden.

Urs Hanhart

urs.hanhart@urnerzeitung.ch

An der Frühjahrsversammlung der Evangelisch-reformierten Landeskirche Uri, die am Montag in Erstfeld über Bühne ging, wurde kurzfristig das Zusatztraktandum «Anpassungen/Ergänzungen zum Organisationsstatut (OS)» in die Traktandenliste aufgenommen. Dazu sagte Präsidentin Felicitas Schweizer: «Etwa ein Dutzend Punkte braucht kleinere Korrekturen oder Anpassungen. Neu justiert werden muss in diesem Zusammenhang auch die Kirchenordnung.»

Anpassungen oder Ergänzungen wurden in Erstfeld jedoch keine verabschiedet. Dies, weil im Vorfeld der Versammlung keine schriftlichen Unterlagen abgegeben worden waren. Stattdessen fasste man den Beschluss, eine Kommission einzusetzen, die sich das OS nochmals genauer anschaut. Sie soll an der Herbstversammlung konkrete Anpassungs- und Ergänzungsvorschläge präsentieren.

«Ich bin erschüttert über diese Botschaft»

Dieses Zusatztraktandum diente lediglich als Vehikel, um auf das eigentliche Problem aufmerksam zu machen. Schweizer wartete nämlich mit einer unerfreulichen Mitteilung auf, die wie folgt lautete: «Leider wird Heinz Schneebeli auf Ende Jahr aus dem Kirchenrat ausscheiden. Seinen Rücktritt bedauern wir sehr.» Damit wird der ohnehin schon unterbesetzte Kirchenrat – inklusive Präsidentin – auf drei Mitglieder zusammenschrumpfen. Laut OS müsste er jedoch fünf bis sieben Mitglieder umfassen. Um Beschlüsse fassen zu können, ist die Anwesenheit von mindestens drei Kirchenräten erforderlich. Man wird sich also besetzungsmässig schon bald am untersten Limit bewegen. «Falls ein Mitglied aus irgendwelchen Gründen ausfallen sollte, wird unsere Handlungsfähigkeit eingeschränkt, oder wir werden schlimmstenfalls sogar beschlussunfähig», warnte Schweizer.

Dieser Wink mit dem Zaunpfahl verfehlte seine Wirkung nicht. Mehrere Redner aus der Versammlungsmitte zeigten sich besorgt über die Situation. Hans-Ulrich Dätwyler, ein ehemaliger Kirchenrat, brachte es wohl auf den Punkt, indem er sagte: «Ich bin erschüttert über die Botschaft, dass Heinz Schneebeli zurücktreten wird. Jetzt ist höchste Alarmstufe.» Dätwyler stellte schliesslich den Antrag, den ­Kirchenrat zu beauftragen, schnellstmöglich eine zwei- bis dreiköpfige Personalfindungskommission einzusetzen. Diesem wurde grossmehrheitlich zugestimmt. Eigentlich wären erst im Frühjahr 2018 wieder Wahlen angesagt. Nun hofft man, bereits im Herbst ein neues Kirchenratsmitglied präsentieren zu können.

Stattlicher Gewinn trotz Mitgliederschwund

Erfreulicheres gab es von der Jahresrechnung 2016 zu berichten. Diese schliesst mit einem Mehrertrag von rund 51000 Franken ab. Budgetiert war ein Verlust von 960 Franken. Die Brutto-Steuereinnahmen fielen mit rund 989000 Franken um rund 134000 Franken höher aus als veranschlagt. Kostenseitig stehen effektive operative Kosten von 635 000 Franken einem Budgetetat von 718 000 Franken gegenüber. Somit wurden 83 000 Franken weniger ausgegeben als budgetiert. «Das unerwartet gute Jahresergebnis wurde dazu verwendet, die Rückstellung für Bau- und Infrastruktur zu bilden, um für anstehende Renovationsvorhaben gewappnet zu sein», erklärte Finanzchef Walter Scherz. Das gute Resultat ist insofern erstaunlich, als die Landeskirche einen Mitgliederschwund hinnehmen musste. 21 Mitglieder sind gestorben sowie 15 Erwachsene und zwei Kinder ausgetreten. Lediglich eine Person ist neu beigetreten. Aktuell zählt die Landeskirche Uri 1714 eingetragene Mitglieder. Damit ist sie die kleinste in der Schweiz.

Kirchenfest am Reformationssonntag

Das aktuelle Kirchenjahr steht ganz im Zeichen von «500 Jahre Revolution». Es gibt in der ganzen Schweiz diverse Events, mit denen diesem historischen Ereignis gedacht wird. Auch die Landeskirche Uri hat bereits einige Anlässe durchgeführt oder an ausserkantonalen Veranstaltungen teilgenommen. Demnächst starten die Vorbereitungen für ein dreitägiges Kirchenfest, das Anfang November über die Bühne gehen soll. «Geplant sind ein Theater, musikalische Events sowie Kindernachmittage und auch ein grosser Festgottesdienst am Reformationssonntag», erklärte die Vorsitzende. Ebenfalls im November organisiert Pfarrerin Rahel Eggenberger einen mehrtägigen Busausflug zum Thema «Reise zu Calvin und den Hugenotten». Einige Plätze für diesen Trip sind noch frei.

Kommentare

Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!

Meist gelesene Artikel

Via Steuern lässt sich nicht mehr Geld generieren; der Kanton ist auf andere Quellen und Möglichkeiten angewiesen.
LUZERN

Finanzdebakel: Gemeinden reichen dem Kanton die Hand

Ob beim Geschicklichkeitsfahren mit einem Lastwagen in Aplnach, beim Bewundern eines Oldtimer-Wohnmobils in Luzern oder beim Testen von Elektromobilen in Buochs: Wer sich für Autos begeistert, kommt dieses Wochenende voll auf seine Kosten.
REGION

Es dröhnt und brummt in der Zentralschweiz

KINDERSCHUTZ

Der Sturm über der Kesb verzieht sich

UNFALL

Motorradfahrer wurde bei Kollision mit einem Auto mittelschwer verletzt

Trotz hoher Temperaturen voller Einsatz für die Musik: Schüpfheim gestern am Luzerner Kantonal-Musiktag.
MUSIKTAG

Musikanten übernehmen Schüpfheim

ZUG

Brand in einer Wohnung

"Er wird Euch keine Fritten machen", heisst es in einem Werbespot von Burger King mit Blick auf den belgischen König. Das Königshaus reagierte verschnupft. (Archivbild)
BELGIEN

Belgisches Königshaus verschnupft

Die landwirtschaftliche Erschliessungsbahn mit Touristischer Nutzung: Die Spiess - Sinsgäu-Bahn in der Gemeinde Oberrickenbach.
NIDWALDEN

Die Kleinseilbahnen bekommen ihren Fanclub

Für einen Hitzetag braucht es mindestens 30 Grad. Am Samstagnachmittag wurde diese Marke auch im Norden der Schweiz geknackt. (Symbolbild)
WETTER

Norden der Schweiz erlebt ersten Hitzetag

Das Nadelöhr bei der Bahnhofzufahrt. Ein Tiefbahnhof soll Abhilfe schaffen.
VERKEHR

Tiefbahnhof Luzern: Bund erhöht Preis um 1 Milliarde Franken

Zur klassischen Ansicht wechseln