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Kollision zweier Güterzüge in Erstfeld: Lokführer fuhr zu früh ab

Die Ursache einer Kollision von zwei Güterzügen 2015 in Erstfeld ist geklärt: Ein Lokführer hatte sich durch die Anordnung der Signale zu einer zu frühen Abfahrt verleiten lassen. Die Situation ist nach dem Unfall entschärft worden.
13.01.2018 | 11:05

Am 13. Mai 2015 kurz nach Mitternacht war in Erstfeld ein abfahrender Güterzug seitlich mit einem durchfahrenden Güterzug kollidiert. Zwei Loks, vier Güterwagen sowie die Gleisanlagen wurden stark beschädigt. Verletzt wurde niemand. Die Gotthardstrecke war fast den ganzen Tag lang unterbrochen.

Die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) hat am Samstag ihren summarischen Bericht zum Unfall veröffentlicht. Der Unfall passierte zwischen zwei Güterzügen, die Richtung Süden unterwegs waren.

Der Lokomotivführer eines wartenden, aber abfahrbereiten Güterzuges beschleunigte, obwohl er keine Fahrberechtigung hatte. Grund dafür war, dass ein Signal auf seinem Gleis auf Fahrt gestellt war. Dies galt aber einem durchfahrenden Güterzug, der wenige Meter vor dem wartenden Zug über eine Weiche auf dessen Gleis wechselte.

Tatsächlich regelt das Signal Fahrten über beide Gleise. Ein Zwergsignal hätte aber den Lokomotivführer darauf hingewiesen, dass er nicht abfahren durfte. Weil in Erstfeld aber für die Bergfahrt eine zweite Lok beigestellt worden war, war der Führerstand sehr nahe am Zwergsignal, so dass dieses nur erschwert gesehen werden konnte. Zudem war ein anderer wartender Güterzug eben abgefahren, so dass der Lokomotivführer die Abfahrt erwartete.

Nach Einschätzung der Sust hat die Anordnung der Signale und die Linienführung der Gleisanlage die Fehlhandlung durch den Lokomotivführer begünstigt. Bei der Instandstellung der durch den Unfall beschädigten Gleisanlagen wurde die Situation entschärft, indem die Weichenverbindung zwischen den beiden Gleisen aufgehoben wurde. Ein systemisches Sicherheitsdefizit sei nicht mehr zu erkennen, schreibt die Sust. (sda)

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