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ERSTFELD

Schüler versuchen sich als Säumer

Geschichte hautnah erleben: Das wird in den nächsten vier Jahren rund hundert Schulklassen aus den Kantonen Luzern, Schwyz, Uri sowie Ob- und Nidwalden ermöglicht. Der Andrang ist riesig.
16.04.2018 | 19:13

Urs Hanhart

urs.hanhart@xurnerzeitung.ch

Die vierte Primarklasse von Lehrerin Gabi Degen aus Schattdorf begab sich am Montag auf eine ganz spezielle zweitägige Exkursion mit einem Erlebnisprogramm im Urner Reusstal. Es startete am Bahnhof in Erstfeld und endet heute Dienstag beim Turm und der Sust in Silenen. Übernachtet wurde passend zum Thema «Unterwegs zum Gotthard» auf einem Bauernhof, dem Bielenhof in Erstfeld.

Von ihrem Guide Madlen Arnold auf dem Perron in Erstfeld empfangen, lernten die Schüler im Historischen Lokdepot von SBB-Historic die Vorzüge der Eisenbahn kennen. Danach war eigene Muskelkraft gefragt, galt es doch einen schwer beladenen Leiterwagen talaufwärts in Richtung Süden zu ziehen. Auf dem Bielenhof angekommen, richtete die Schulklasse im Massenschlag ihr Nachtlager ein.

Schüler befassen sich praxisnah mit dem Thema

In der auf dem Hof eigens für das Schulprojekt inszenierten Sust übten sich die Schüler in den vielfältigen Funktionen eines Warenumschlagplatzes. Sie setzten sich in Workshops mit Wertigkeiten von Handelsgütern aus verschiedenen Zeitepochen, darunter beispielsweise Zinnbarren, Tierfelle oder Getreide, auseinander und ordneten Transportmittel zeitlich ein. Die übergeordnete Aufgabe bestand darin, den Saumzug für den nächsten Tag vorzubereiten. Abgerundet wurde das Programm mit einer Führung durch den Bauernhof und dem gemeinsamen Zubereiten des Abendessens.

Am zweiten Tag mussten die Schüler frühmorgens aus den Federn. Zusammen mit dem erfahrenen Säumerguide Hansueli Weber und zwei beladenen Maultieren ging es weiter Richtung Gotthard. Die Strecke führte vom Bielenhof bis zum Turm und der Sust von Silenen. Unterbrochen von Zwischenhalten führten die Kinder die Maultiere über Stock und Stein sowie durch historische Gassen und Wege. Letzter Programmpunkt war dann das Entladen der Fracht.

Die Primarklässler aus Schattdorf hatten die Ehre, als Erste das von der Albert-Köchlin-Stiftung initiierte und finanzierte Schulprojekt «Unterwegs zum Gotthard. Handel und Verkehr» beziehungsweise die entsprechende Exkursion zu absolvieren. Die Teilnehmer zeigten sich begeistert. Der zehnjährige Laurien Bissig etwa meinte nach der Ankunft auf dem Bielenhof: «Diese Exkursion ist sehr spannend. Super finde ich, dass wir viel über das Leben auf einem Bauernhof erfahren sowie zusammen kochen und Workshops machen dürfen.» Seine Klassenkameradin Jael Planzer meinte: «Das ist eine schöne Abwechslung zum normalen Schulprogramm. Draussen zu sein und trotzdem viel zu lernen ist wirklich ideal. Am meisten freue ich mich auf das Beladen und den Saumzug mit den Maultieren.»

Von Anmeldungen überschwemmt

«Handel und Verkehr waren und sind prägend für das Urner Reusstal. Über Generationen veränderten sich die Transportmittel, -geschwindigkeiten und –volumen, was noch heute in der Kulturlandschaft nachvollzogen werden kann», erklärte Projektleiter Martino Froelicher am Montag an einer Medienorientierung auf dem Bielenhof. Deshalb biete sich das Urner Reusstal als Spielwiese für dieses Schulprojekt in idealer Weise an. Froelicher wies darauf hin, dass das auf den Lehrplan 21 abgestimmte Projekt mit drei Pilotklassen im Herbst auf Herz und Nieren geprüft und auf begeisterte Zustimmung gestossen sei. Man habe nur eine geringfügige Feinjustierung vornehmen müssen.

Am Montag hat die regelmässige Durchführung begonnen. Nun kommen in den nächsten vier Jahren, in den Schulzeiten nach den Oster- bis zu den Herbstferien, jeweils Montag/Dienstag und Donnerstag/Freitag, insgesamt hundert Schulklassen aus den Kantonen Luzern, Schwyz, Uri, Nid- und Obwalden kostenlos in den Genuss dieser lehr- und erlebnisreichen Exkursion. Berücksichtigt werden ausschliesslich Schulklassen der vierten Primarstufe. Fröhlichers Begründung: «Wir haben die Erfahrung gemacht, dass bei Viertklässlern die Neugier und Begeisterung für ein solches Schulprojekt extrem hoch ist.» Auch von Seiten der Lehrpersonen sei das Interesse sehr gross. «Auf die bisherigen Ausschreibungen für die Schuljahre 2017/18 und 2018/19 gingen jeweils viermal mehr Anmeldungen ein, als Durchführungen möglich sind», verriet der Projektleiter.

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