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SOCIAL MEDIA

Wie halten Sie es mit Facebook?

Der Facebook-Skandal beschäftigt auch in der Zentralschweiz. Manche User überlegen sich sogar den Ausstieg. Bei institutionellen Nutzern der Plattform scheint das aber vorerst kein Thema zu sein.
23.03.2018 | 07:12

Seit Tagen ist der Vorfall Thema in den Medien: Das britisch-amerikanische Datenanalyse-Unternehmen Cambridge Analytica hat vor vier Jahren mehrere Millionen Profildaten von Facebook-Nutzern illegal beschafft, um dar­auf basierend Wähler im Vorfeld der US-Präsidentenwahl gezielt politischen Botschaften auszusetzen. Unter anderen Whatsapp-Mitgründer Brian Acton rief die Facebook-Nutzer in der Folge dazu auf, ihr Konto zu löschen.

Manche hiesige User der Social-Media-Plattform ziehen eine solche Kontolöschung durchaus in Erwägung, wie eine spontane Strassenumfrage in Luzern zeigt. Das Thema habe ihn schon vor dem massenhaften Datendiebstahl beschäftigt, sagt etwa der 40-jährige Wahlluzerner Frank Kühn: «Man gibt dort zu viel preis.» Die Plattform habe für ihn in den vergangenen Jahren aber auch sonst an Reiz verloren. «Ich teile den Leuten Dinge lieber persönlich mit.» Aus beiden Gründen werde er sein Konto «irgendwann löschen».

Keine Partyfotos

Vom sozialen Netzwerk schon vor Jahren verabschiedet hat sich Désirée Schwegler. «Ich war früher sehr viel auf Facebook», sagt die 21 Jahre alte Horwerin. Sie habe sich mehr den Ereignissen widmen wollen, die im «echten Leben» geschehen. Potenzieller Da­tenmissbrauch habe bei ihrem Entscheid nur eine untergeordnete Rolle gespielt.

Andere werden das Sozialmedium trotz des Skandals weiterhin nutzen, wie beispielsweise Raymond Studer aus Luzern. «Man muss mit den Daten halt einfach sorgfältig umgehen», sagt der 33-Jährige. Er halte sich mit der Preisgabe von persönlichen Informationen zurück und poste zum Beispiel keine exzessiven Partyfotos. Seine Generation verfüge mittlerweile über eine gewisse Sensibilität hierfür, sagt er.

«Die Bequemlichkeit überwiegt»

Dass es angesichts des Datenklaus durch Cambridge Analytica zu einer Welle von Kontolöschungen kommt, bezweifelt indes Social-Media-Experte Konrad Weber. «Letztlich überwiegt dann doch die Bequemlichkeit.» Die Nutzer sollten sich jedoch im Klaren darüber sein, dass ihre Daten dem Risiko eines Missbrauchs ausgesetzt sind, so Weber. Daher solle man sich genau überlegen, welche Daten man auf dem Netzwerk teilen möchte.

Kaum einen Einfluss scheint der Datenskandal auf das Tun von Zentralschweizer Organisationen zu haben, die sich auf Facebook mit einer eigenen Seite präsentieren. Erna Blättler, Geschäftsleiterin von Nidwalden Tourismus, rechnet mit keinen direkten Folgen für ihre Tätigkeiten auf der sozialen Plattform. Von einem markanten Nutzerrückgang geht auch sie nicht aus. Facebook geniesse einen hohen Stellenwert innerhalb ihrer Kommunikationstätigkeiten, sagt Blättler. «Wir können hier mit wenig finanziellen Mitteln viele Personen er­reichen.» Insbesondere, wenn gezeigte Fotografien nidwaldne­rischer Landschaften von ihren Seitenabonnenten weitergeteilt werden, würden diese manchmal bis zu 100 000 Facebook-User erreichen, so Erna Blättler.

Dem weltumfassenden Netzwerk wird auch der Ebikoner Lifthersteller Schindler weiterhin treu bleiben. Der global agierende Aufzug- und Rolltreppenbauer nutzt seine in Englisch gehaltene Facebook-Seiten insbesondere dafür, um seine Mitarbeiter mit Informationen zu versorgen. Der Datenskandal habe darauf momentan keinen Einfluss, so Schindler-Kommunikations-Manager Florian Meier.

Lucien Rahm

lucien.rahm@luzernerzeitung.ch

Video: Social-Media-Experte: «Vor Datenmissbrauch ist man fast nirgends mehr geschützt»

Social-Media-Experte Konrad Weber sagt, ob Facebook-User nach dem Cambridge-Analytica-Datendiebstahl massenhaft ihre Profile löschen werden. (lur, 22.3.2018)



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