Zug
19.06.2017 11:30

Die Tangente nimmt Gestalt an

  • Zwei Bauarbeiter auf der Baustelle am Knoten Rigistrasse in Inwil studieren die nächsten Bauaktivitäten für die Tangente Zug/Baar.
    Zwei Bauarbeiter auf der Baustelle am Knoten Rigistrasse in Inwil studieren die nächsten Bauaktivitäten für die Tangente Zug/Baar. | Bild: Stefan Kaiser/ZZ
  • Die Tangente Zug-Baar wird Siedlungsgebiete von Zug und Baar von Verkehr entlasten.
    Die Tangente Zug-Baar wird Siedlungsgebiete von Zug und Baar von Verkehr entlasten. | PD
  • Rot eingezeichnet ist der Verlauf der Tangente Zug/Baar mit den vier Knoten Zugerstrasse, Industriestrasse, Inwilerriedstrasse und Rigistrasse (von links nach rechts). Die gestrichelte Linie zeigt den Geissbüel-Tunnel.
    Rot eingezeichnet ist der Verlauf der Tangente Zug/Baar mit den vier Knoten Zugerstrasse, Industriestrasse, Inwilerriedstrasse und Rigistrasse (von links nach rechts). Die gestrichelte Linie zeigt den Geissbüel-Tunnel. | Visualisierug Baudirektion
ZUG/BAAR ⋅ Gut vier Jahre soll es gehen, bis die Tangente Zug-Baar den Weg von den Berggemeinden ins Tal vereinfacht. Am Montag wurde über den Fortschritt beim Grossprojekt informiert. Baudirektor Urs Hürlimann spricht von einem denkwürdigen Augenblick.

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

Der Gemeindepräsident von Unterägeri, Josef Ribary, der als Vertreter der Berggemeinden sprach, nutzte seine Redezeit, um noch einmal zurückzuschauen. Vor 20 Jahren seien die Vertreter der Berggemeinden, auch er, mit dem damaligen Baudirektor Paul Twerenbold zusammengestanden, um mit ihm über eine bessere Anbindung der Berggemeinden zu sprechen. Dieser sei aber der Meinung gewesen, dass die Entwicklung im Tal Vorrang habe. «Wir wollten aber nicht das Heidiland des Kantons Zug werden», so Ribary. Schlussendlich hätte Twerenbold ihnen zugesagt, sich darum zu bemühen. «Was lange währt, wird endlich gut», resümierte Ribary an der Orientierung zum Baufortschritt bei der Tangente Zug/Baar. Man merkte ihm die Erleichterung über den Baustart des Projektes an.

Der Ort der Präsentation war passend gewählt. Von der Baustelle Knoten Rigistrasse in Inwil hat man einen guten Blick auf die verschiedenen jetzigen Bauaktivitäten am Berg und im Tal. Am Mittwoch wird dort auch die neue Stahlbrücke montiert, unter welcher die Tangente dann durchführt, und welche die ehemalige Unterführung für die Velofahrer und Fussgänger ersetzen soll. Die Brücke soll schon im Oktober eröffnet werden und es so ermöglichen, dass die Schülerinnen und Schüler, die diesen Weg häufig nutzen müssen, von den laufenden Bauarbeiten nicht tangiert werden.

Eingliederung der Strasse in die Natur als Schwerpunkt

«Es ist ein denkwürdiger Anlass», begann Baudirektor Urs Hürlimann seine Rede. Die Tangente sei, nach dem Ausbau zur sechsspurigen Autobahn, ein wichtiger Pfeiler des Zuger Gesamtverkehrskonzeptes. «Wir gehen davon aus, dass wenn die Tangente funktioniert –selbstverständlich in Ergänzung zu den Projekten Margel/Nidfuren und Nidfuren/Schmittli –, 35 Prozent des Verkehrs vom Berg direkt auf die Autobahn geht und 55 Prozent in die grossen Zentren Zug, Baar und Ennetsee.» Hürlimann verwies noch einmal darauf, dass die Eingliederung der neuen Strasse in das Naherholungs- und Landwirtschaftsgebiet sowie der ökologische Ausgleich und die Schutzmassnahmen für die Umgebung ein Schwerpunkt sei. «Die neuen Strassen werden von zahlreichen landschaftspflegerischen Massnahmen wie Bachrenaturierungen, der Gestaltung von naturnahen Flächen und Bepflanzungen sowie kleinen und grösseren Dammschüttungen begleitet.»

Voll des Lobes war auch André Wicki, Bauchef der Stadt Zug. Die Tangente sei ein Meilenstein, die den Ortskern von Zug deutlich entlaste und auch dem öffentlichen Verkehr zugutekomme. Und den Weg für diesen verkürze. Zudem würden Entwicklungsgebiete wie das V-Zug-Areal, wo noch einmal zusätzliche Arbeitsplätze entstünden, sehr von der Anbindung profitieren. Nebst lobenden auch mahnende Worte kamen vom Baarer Bauchef Paul Lan­gen­egger. Die Stimmbevölkerung in Baar hatte die Tangente ja bekanntlich 2009 als nur eine von zwei Gemeinden im Kanton abgelehnt. Er hoffe, dass die flankierenden Massnahmen auch wie besprochen umgesetzt werden und nicht vergessen gehen. Der Kanton hätte die Bevölkerung in Inwil zudem besser über die Bauschritte informieren sollen. Diese sei dann zu ihm gekommen und hätte gefragt, was jetzt da passiere. Es sei wichtig, dass regelmässiger informiert werde. Auch hoffe er, dass während der Bauzeit der Bauverkehr nicht durch die Gemeinde geführt werde, dies wäre für die öffentliche Stimmung zur Tangente nicht gut. Sonst zeigte sich Langenegger aber zuversichtlich, es gebe noch einige Wünsche, die müssten aber mit den Landbesitzern geklärt werden. Es gehe dabei zum Beispiel um den Bau eines Sichtschutzes, wie er später noch erläuterte.

Noch einen Zacken zulegen

Baudirektor Urs Hürlimann reagierte später noch auf Langeneggers Worte bezüglich der Kommunikation. Der Kanton sei sich bewusst, dass bei dieser noch einen Zacken zugelegt werden müsse. Er zeigte auf ein Journal, von dem jetzt die zweite Ausgabe veröffentlicht sei und dessen Ziel es sei, die Bevölkerung über den Bau auf dem Laufenden zu halten. Zudem sei geplant, ein Informationszentrum auf die Beine zu stellen. Da man davon ausgehe, dass die Bevölkerung Interesse habe, sich die Investitionen des Kantons genau anzusehen.

Die Aufgabe, die derzeitigen und zukünftigen Bauschritte zu erläutern, fiel Bruno Christen, dem Projektleiter der Tangente, zu. Der Bau der Tangente ist in die Abschnitte Berg und Tal aufgeteilt, die zeitgleich in den nächsten vier Jahren realisiert werden sollen. «Ab Mitte Juli bis Ende Jahr 2017 werden die Bauplätze, Baupisten und provisorischen Erschliessungen erstellt, und im Neufeld wird der Verkehrsknoten in mehreren Etappen nach Osten neben die bestehende Strasse verlegt», so Christen. Damit könne die neue Unterführung unter der Zugerstrasse realisiert werden. «Entlang der Südstrasse beginnen ab August 2017 die Spundwandarbeiten, welche tagsüber grössere Lärmemissionen verursachen werden und bis Ende Jahr 2017 andauern.» Die Sommermonate sollen vor allem für die umfangreichen Boden- und Erdarbeiten genutzt werden. Die Arbeiten am Tunnel Geissbüel beginnen Anfang 2018. Demnächst abgeschlossen werden gemäss Christen die Arbeiten an der neuen Brücke über den Margelbach. «Seit Mitte Mai rollt der Verkehr schon über diese.» Jetzt würde das Bachtobel ausgebaut und der Margelbach renaturiert. Der Fussweg zur Oberalmig soll dann ab Herbst 2017 neu unter der Brücke durchgeführt werden.

Drei Kilometer lange Strasse

Die Tangente Zug/Baar wird vom Knoten Süd-/Weststrasse, direkt beim Autobahnanschluss Baar, auf der bestehenden Südstrasse zum Knoten Zugerstrasse verlaufen. Dort beginnt die eigentliche Neubaustrecke. Sie führt über die Knoten Industriestrasse und Inwilerriedstrasse zum Knoten Rigistrasse. Die folgende Steigung überwindet die Tangente über den 370 Meter langen Tunnel Geissbüel. Dieses Bauwerk dient auch als Sicht- und Lärmschutz. Im Gebiet Margel schliesst die Tangente an die Ägeristrasse an. Die Neubaustrecke wird als zweispurige Kantonsstrasse ausgestaltet – die bestehende Südstrasse zwischen dem Autobahnanschluss Baar und dem Knoten Zugerstrasse wird auf drei Spuren ausgebaut. Die Strasse ist drei Kilometer lang. Ein weiterer Kilometer sind Erschliessungsstrecken zur Hauptachse. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 200 Millionen Franken. (red)

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