Zug
15.07.2017 07:50

«Üse Buurehof»: Eine Frohnatur stürzt sich ins Fernsehabenteuer

  • Heidi Spichtig in ihrer gewohnten Umgebung: dem Atelier der Zuwebe.
    Heidi Spichtig in ihrer gewohnten Umgebung: dem Atelier der Zuwebe. | Bild: Werner Schelbert (Baar, 14. Juli 2017)
BAAR ⋅ Heidi Spichtig (49) wohnt und arbeitet in der Zuwebe. In den letzten Wochen hat sie ihren Platz im Atelier gegen die Gummistiefel eingetauscht: Sie ist Teil der TV-Sendung «Üse Buurehof». Dort verbreitet sie gute Stimmung – sorgt aber auch für Wirbel.

Heidi Spichtig ist eine Frohnatur. Sie plaudert gerne, wie ihr der Schnabel gewachsen ist, und Regenwetter kann sie nicht aus­stehen. Die 49-Jährige spricht Schweizerdeutsch mit amerikanischem Akzent und zählt Puzzlen und Nintendo spielen zu ihren Hobbys. Geheimnisse kann sie nicht für sich behalten. Und wenn sie anderen befiehlt, was diese zu tun haben, kann sie damit ihre Mitmenschen auch mal vor den Kopf stossen.

Wie die quirlige Heidi so tickt, wissen seit dem 3. Juli etwa eine halbe Million Schweize­rinnen und Schweizer. Nämlich alle, die sich die Sendung «Üse Buurehof» im Fernsehen anschauen. SRF knüpft damit an die Projekte «Üse Zoo» und «Üsi Badi» an und begleitet sechs Menschen mit einer geistigen Behinderung bei ihrem Arbeitseinsatz auf einem Bauernhof in Winikon bei Triengen (LU).

Entspannungsübungen gegen die Nervosität

Wenn sie nicht auf dem Maisfeld oder im Stall vor der Kamera steht, trifft man Heidi in der Zuwebe in Inwil an. Hier lebt und arbeitet sie seit rund zwei Jahren. Die Dreharbeiten von SRF auf dem Hof von Tony und Anita Kaufmann-Rohrer sind inzwischen abgeschlossen – und Heidi ist erschöpft, aber zufrieden. «Ich würde es wieder machen», sagt sie. Am meisten Freude habe sie an der Geburt des kleinen Munis «Koni» gehabt – genauso wie am Alpaufzug und am feinen Essen der Bäuerin. Doch auf dem Hof warteten auch Herausforderungen auf die Protagonisten. «Das Misten hat mir gar nicht gepasst», erzählt Heidi. «Ausserdem haben mich die Fernseh­kameras nervös gemacht.» Doch für solche Situationen weiss Heidi ein Rezept: Entspannungsübungen. Tief durchatmen, und weiter geht es. So löst sie auch Konflikte mit den anderen temporären Hofbewohnern. «Es kam vor, dass ich die andern bemuttert habe, was sie gar nicht mochten. Ich entschuldigte mich danach, und wir verstanden uns wieder. Ich kann mich jeweils schnell wieder beruhigen.»

Auf dem Bauernhof mit anzupacken, war für die aufgestellte Zugerin kein Problem – hat sie doch lange Zeit auf einer Farm in den USA gelebt und dort auch gearbeitet. Heute hat Heidi in der Schweiz keine Familie mehr – ihr Vater lebt bereits seit längerem nicht mehr, die Mutter verstarb vor kurzem. Wenn sie traurig ist, trösten Heidi ihre zwei Stoff­hasen – selbstverständlich kamen diese mit, als sie ihren Koffer für das Abenteuer auf dem Bauernhof packte. Die Stimmungsmacherin kann nämlich auch nachdenklich sein. Zum Beispiel, wenn Jana – eines der sieben Kinder auf dem Hof – von ihrem Hirnschlag erzählt, den sie vor drei Jahren erlitt. Danach musste das siebenjährige Mädchen von neuem zu sprechen und sich zu bewegen lernen, da sie zunächst halbseitig gelähmt war. «Ich bekam richtig Hühnerhaut, als sie diese Geschichte erzählte», erinnert sich Heidi. Sie sei während der Zeit auf dem Bauernhof «fast ein Ersatzgrosi» für Jana und ihren Zwillingsbruder Joris geworden. «Die ganze Familie ist sehr lieb. Ich freue mich schon, wenn wir sie bald besuchen werden.»

Aus mehreren Kandidaten ausgewählt

Die Zuwebe wurde vom Schweizer Fernsehen angefragt, mögliche Teilnehmer für «Üse Buurehof» vorzuschlagen. Heidi Spichtig, die seit Geburt an einem Hirnschaden leidet, wurde schliesslich aus mehreren Kandidaten ausgewählt. Als sie sich die erste Episode mit ihren Kolleginnen und Kollegen in der Wohngruppe in Inwil angeschaut habe, sei sie «sehr nervös» gewesen. «Es war ein komisches Gefühl, mich selbst im TV zu sehen.» Nach der zweiten Folge ist die Aufregung etwas abgeflaut. Und falls sie doch wieder aufkommt, hat Heidi eine einfache Lösung: einfach einmal ruhig durch­atmen.

 

Rahel Hug

rahel.hug@zugerzeitung.ch

Hinweis

Die dritte Folge der Sendung «Üse Buurehof» läuft am Montagabend um 20.05 Uhr auf SRF 1.

Meist gelesene Artikel

Der tödliche Unfall ereignete sich im Sonnenbergtunnel in südlicher Fahrtrichtung.
STADT LUZERN

Cabriolet-Fahrer stirbt nach Unfall im Sonnenbergtunnel

Am Montag folgte die Replik von Walkers Verteidiger, Linus Jaeggi (links).
URI

Fall Walker: Verteidiger zieht Kronzeugin in Zweifel – Oberstaatsanwalt schiesst zurück

Stéphanie Berger, hier an einem letztjährigen Auftritt in Hergiswil, sagt ihre Show in Luzern aus gesundheitlichen Gründen ab.
LUZERN

Stéphanie Berger sagt Auftritt in Luzern ab

«Bei allem Respekt für die FDP» bedaure sie den Abbruch der Sondierungsgespräche durch die Liberalen, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Nacht auf gestern in einer Erklärung der Unionsparteien.
DEUTSCHLAND

Merkel gibt sich nicht geschlagen

Die Zuger Marisa Gnos und Oliver Müller in der Kategorie Sie und Er (links). Simon Stalder vom TV STV Rickenbach (oben) am Barren und Nicole Strässle vom BTV Luzern am Boden.
GERÄTETURNEN

Schweizer Meisterschaften: «Wahnsinnig, diese Innerschweizer»

Die ersten Pirouetten auf dem Eisfeld beim KKL können ab Samstag gedreht werden.
LUZERN

Vorweihnächtliches Angebot: Vier Märkte, ein Eisfeld und Besinnliches

Wegen Unfällen kam es am Montagabend zu Stau auf der Autobahn A4a.
ZUG

Innert wenigen Sekunden zwei Unfälle auf der Autobahn

Stau auf der Seebrücke in der Stadt Luzern.
VERKEHR

Luzern – eine unerreichbare Stadt?

Valerio Nesci, Pizzaiolo im caffè e più und Nadja Brunner, Geschäftsführerin vor dem Kolosseum.
ROM

Luzerner Pizzeria holt Bronze an der Pizza-Weltmeisterschaft

Die Zuger Strafverfolgungsbehörden kontrollierten mehrere Betriebe auf Schwarzarbeit. (Symbolbild)
ZUG

Kellnerin muss wegen Schwarzarbeit die Schweiz verlassen

Zur klassischen Ansicht wechseln