zurück
ZWISCHENBILANZ

Sie leistet erfolgreiche Nachbarschaftshilfe 2.0

Die Facebook-Gruppe «Zuger helfen Zugern» ist eine Erfolgsgeschichte. Am Freitag wurde die Zahl von 10000 Mitgliedern erreicht. Gründerin Rosa Kolm freut sich vor allem über die Spenden. Sie ermöglichen Soforthilfe.
19.06.2017 | 07:38

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

Jemand fragt danach, wie man am besten ein Wespennest entfernt, jemand anderes hat Bananenschachteln zu verschenken, wieder jemand anderes hat Setzlinge abzugeben oder sucht nach Babyspielsachen. Täglich ist einiges los auf der Facebook-Seite «Zuger helfen Zugern». Das hat auch mit der gestiegenen Mitgliederzahl zu tun. Etwa drei Jahre nach Gründung kann die Seite bereits 10'000 Mitglieder vorweisen, wie am Freitag bekanntgegeben wurde.

Von dieser Erfolgsgeschichte ist selbst die Gründerin Rosa Kolm überrascht. «Ich glaube, die Nutzer schätzen einfach sehr, dass die Wege kurz sind, weil die Mitglieder meist im Kanton Zug leben und dass man sich durch die Grösse des Kantons doch irgendwie über drei Ecken kennt und damit ein gewisses Vertrauen zueinander hat», sagt die 51-Jährige. Die zufriedenen Mitglieder hätten dann andere auf die Seite aufmerksam gemacht, und so hätte sich die Nutzerzahl eben sukzessive erhöht.

Drei Stunden Aufwand am Tag

Doch mit der Mitgliederzahl ist auch der Aufwand gestiegen. «Wir sind ein Team aus jetzt schon vier Frauen, welches die verschiedenen Angebote, wie die Facebook-Seite, die Homepage und den Bus, den ein Mitglied für kleine Umzüge zur Verfügung stellt, betreut. Ich beispielsweise setze pro Tag etwa drei Stunden für das Projekt ein.» Dies macht sie jedoch nicht an einem Stück. «Ich bin noch zu 80 Prozent im Pflegebereich angestellt. Das Projekt betreue ich also zwischendurch, und dies mit dem Handy, so kann ich auch während einer Busfahrt mal wieder einen Beitrag freischalten.» Denn jeder Beitrag wird, bevor er aufgeschaltet wird, erst durch eine der Administratorinnen kontrolliert. «Eine Regel ist, dass alles, was angeboten wird, gratis sein muss, falls also etwas verkauft werden soll, schalten wir das nicht auf. Auch wenn jemand etwas sammelt, wird dies nicht mehr aufgeschaltet, da es dafür spezialisiertere Seiten gibt.»

Zu tun gibt ihr aber auch vermehrt die Kontrolle der Kommentarspalten. «Es gibt immer wieder Kommentare, die ich ­lösche. Mir wurde deshalb auch teilweise schon Zensur vorgeworfen.» Das geschriebene Wort könne schnell missverstanden werden, und wenn jemand etwas schreibe, was er vielleicht gar nicht so meine, es jedoch auch sehr gut anders verstanden werden könne, könne auch mal ein Streit entbrennen. «Das will ich vermeiden, denn dafür ist die Kommentarspalte der falsche Ort.» Falls man mit etwas nicht einverstanden sei, könnte man sich ja direkt an die Administratoren wenden. Zeitgleich würde in der Kommentarspalte auch ­immer wieder Werbung von dubioser Seite gepostet, auch diese müsse sie entfernen.

Die Persönlichkeitsrechte nicht verletzen

Auch ein anderes eher neues Phänomen bereitet ihr Arbeit. Immer wieder wird die Seite von Mitgliedern benutzt, um eine Information in Umlauf zu bringen, sei dies über einen gefunden Gegenstand oder wie zuletzt über einen vermeintlichen Spanner. «Das stellt uns als Administratoren vor gewisse Herausforderungen betreffend der Frage, was gepostet werden kann und was nicht. Ich habe mich deshalb bei der Polizei erkundigt, was bei einem gefundenen Gegenstand beispielsweise für Informationen angegeben werden dürfen und welche nicht.» Bei einem Portemonnaie müsse etwa der Persönlichkeitsschutz des Inhabers gewahrt werden. Doch trotz des gestiegenen Aufwands ist sie sehr zufrieden mit dem Verlauf des Projekts. «Das Ziel ist, die Nachbarschaftshilfe populär zu machen, dass also Menschen, wenn sie etwas brauchen, sich als Erstes einmal fragen, ob es vielleicht jemand in der Nähe haben könnte und nicht mehr braucht. Im Gegenzug benötigt die andere Person dann vielleicht etwas, wofür man selbst keine Verwendung mehr hat.»

Lebensmittelgutscheine als Soforthilfe

Immer wieder kommt es auch vor, dass Menschen auf der Facebook-Seite mitteilen, dass sie finanziell gerade in einer Notlage sind und es etwa für den Lebensmitteleinkauf nicht mehr reicht. Die Hilfsbereitschaft ist dann gross. Wer es aber möglicherweise aus Scham nicht im Forum kommunizieren möchte, kann sich auch direkt an die Administratoren wenden. «Wir haben dann Lebensmittelgutscheine, mit denen wir unbürokratisch unterstützen können.» Ginge das Bedürfnis der Hilfesuchenden darüber hinaus, würde man sich auch gerne Zeit nehmen, sie über geeignete Stellen zu informieren, die ihnen vielleicht weiterhelfen könnten. Gekauft werden könnten die Gutscheine durch Spendengelder. Um diese zu generieren, sind sie an verschiedenen Anlässen vertreten. So mit einer Tombola an der Gluscht. «Das ist eigentlich für mich das Befrie­digende an meinem Einsatz für ‹Zuger helfen Zugern›, Menschen direkt und schnell helfen zu können», sagt Rosa Kolm.

Leserkommentare
Weitere Artikel