Zug
14.07.2017 05:00

Einstieg in die Berufswelt: «Es ist wichtig, dass sie wollen»

  • Markus Schönenberger (rechts) zeigt Thanakorn Sirithom (links) und Filip Jovcic, wie man eine Holzplatte gleichmässig streicht.
    Markus Schönenberger (rechts) zeigt Thanakorn Sirithom (links) und Filip Jovcic, wie man eine Holzplatte gleichmässig streicht. | Bild: Maria Schmid (Baar, 8. Juni 2017)
BAAR ⋅ Einstieg in die Berufswelt feiert heuer das 20-jährige Bestehen. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt, wie wichtig das Arbeits- und Bildungsprogramm für Jugendliche ohne berufliche Grundausbildung ist und was es zur Integration beiträgt.

Einstieg in die Berufswelt (EiB) heisst ein Arbeits- und Bildungsprogramm für Jugendliche ohne berufliche Grundausbildung im Kanton Zug. In diesem Jahr feiert EiB das 20-jährige Bestehen.

Ein Blick in die Zahlen zeigt: Das Programm wird rege genutzt und ist ausserdem äusserst erfolgreich. So liegt die Vermittlungsquote aller Teilnehmer zwischen 70 und 80 Prozent, im vergangenen Jahr lag sie gar bei 88 Prozent. «Es ist für die jungen Leute, die in unserem Programm sind, natürlich von allergrösster Bedeutung, dass sie eine Stelle finden», sagt EiB-Leiter Bernhard Bächinger. Denn in dieser Phase des Lebens entscheide sich mit einer guten Ausbildung enorm viel. «Hier werden die Weichen für die Zukunft gestellt.»

Zuweisung durch den VAM

Die jungen Leute werden zum grössten Teil durch den Verein für Arbeitsmarktmassnahmen Zug (VAM) zugewiesen. Die Zielgruppe des EiB sind Jugendliche, die ihre obligatorische Schulzeit abgeschlossen haben. Sie sind darum in der Regel zwischen 15 und 20 Jahre alt. Zusätzlich handelt es sich dabei auch um junge Erwachsene, die die Lehre abgebrochen haben. Um Teil des EiB zu werden, müssen sie über eine Grundmotivation zur Veränderung ihrer beruflichen Situation verfügen. «Es ist wichtig, dass die Teilnehmer wollen und nicht müssen», betont Bächinger und spricht den unbedingt nötigen Willen an, sich beruflich zu verändern oder im Beruf Fuss zu fassen. Das EiB bietet in erster Linie eine Tagesstruktur und eine sinnvolle Beschäftigung, erklärt Bächinger. «Die spezifische Arbeit erleben die jungen Leute bei den Schnupperlehren, die sie mit Hilfe der Coachs selber finden müssen.»

Das will auch der 19-jährige Thailänder Thanakorn Sirithom, der seit fünf Jahren in Zug wohnt und im Schulhaus Loreto die Oberstufenschulbank gedrückt hat. Gemalt habe er noch nie, aber die Arbeit im EiB gefalle ihm, gibt er bereitwillig Auskunft. «Und ich tue es gerne.» Schreiner, Metallbauer oder sonst ein Beruf auf dem Bau – das will Sirithom lernen. «Und ganz sicher keinen Job, bei dem man im Büro sitzen muss.» Im Integrations-Brücken-Angebot (IBA) war Filip Jovcic, der einen Schweizer Pass besitzt und aus Serbien stammt. Er will seine Chance in der Schweiz unbedingt packen, lobt Bächinger den 18-Jährigen, der in Zug wohnt. Jovcic habe auf eigene Kosten einen Migros-Klubschule-Deutschkurs gebucht und absolviert, sagt er. «Ich bin mir sicher, dass Filip seinen Weg machen wird.» Informatik oder Logistik interessieren Jovcic am meisten. «Ich mache aber gerne auch zu Beginn einen anderen Job, um mir meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Denn ich bin froh, dass ich hier in der Schweiz bin und die Chance bekomme, hier zu leben.» Jovcic hat dank dem EiB einen Ausbildungsplatz im Detailhandel gefunden und will danach seine Träume verwirklichen.

Wichtige Integrationsmassnahme

Zwei Teilnehmer und zwei mit einem Migrationshintergrund. «Das ist kein Zufall», sagt Bächinger. Denn junge Ausländer oder Junge mit Migrationshintergrund hätten schlechtere Chancen und Möglichkeiten, weshalb deren Anteil im EiB überwiegend sei. 876 Jugendliche hätten in den 20 Jahren das Programm durchlaufen, sagt Bächinger und betont: «Wir haben damit einen grossen Beitrag an die Integration vieler junger Leute geleistet.» Und was ist das Ziel des EiB für die nächsten 20 Jahre? «Die Zukunft bringt sicherlich grosse Umwälzungen in der Arbeitswelt, unter anderem auch eine Ausweitung der Digitalisierung», antwortet Bächinger. Die Dienstleistung und die Produktion seien davon wohl besonders stark betroffen. Was das für diejenigen mit einer schlechteren Ausbildung heisse, sei schwer abzuschätzen. «Wir wissen nicht, was auf uns zukommt. Wir sind aber wachsam, stehen im Kontakt mit der Wirtschaft und beobachten den Trend.» Die Digitalisierung betreffe zwar alle, aber die Schwächsten doch am meisten. Und wo sieht Bächinger die grösste Herausforderung? «Wir haben eine Zunahme von Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen.» Da gebe es Probleme bei der Sprache, der allgemeinen Bildung und der Kultur. Umso mehr hätten sie sich im EiB gefreut, dass sie beim Jubiläumsanlass von Regierungsrat Matthias Michel beehrt und für ihre Arbeit gelobt worden seien, die nicht ganz einfach ist. «Es ist alltägliche Knochenarbeit, die wir aber gerne machen.»

 

Charly Keiser

charly.keiser@zugerzeitung.ch

Hinweis

Infos unter: www.eib-zug.ch

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