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KANTON

Kritische Fragen zu schulischen Heilpädagogen

GLP-Kantonsrat Daniel Stadlin (Zug) macht ein Fragezeichen hinter den Nutzen der integrativen Förderung in der Oberstufe. Vor allem für die Lehrer sei das System oft eine Mehrbelastung, stellt er in einem Vorstoss fest.
13.01.2018 | 08:12

Die integrative Förderung – also die Integration von Schülern mit besonderen Bedürfnissen in die Regelklassen – wirft immer wieder Fragen auf. Auch politisch findet das Thema nun erneut Niederschlag. Der Stadtzuger GLP-Kantonsrat Daniel Stadlin hat vor kurzem einen ganzen Strauss an Fragen im Rahmen einer Interpellation an den Regierungsrat eingereicht. Stadlins Thema: der Nutzen der integrativen Förderung auf Sekundarstufe I.

Die Integration von Lernenden mit besonderem Bildungsbedarf und deren individuelle Förderung stelle die Volksschulen vor grosse Herausforderungen, stellt Stadlin fest. Die Aufgaben der schulischen Heilpädagogen, die mit diesen Schülern arbeiten, bestehen einerseits darin, mit den Klassen- und Fachlehrpersonen den Unterricht so zu planen, dass er allen Schülern gerecht wird. Andererseits beraten sie Schüler und Lehrer. Gerade auf der Sekundarstufe I – also in den Schuljahren sieben bis neun – macht der Interpellant jedoch ein Fragezeichen dahinter, ob dies auch tatsächlich so funktioniert. Auf der Primarstufe, wo die Anzahl Lehrpersonen pro Klasse sehr klein sei, funktioniere die Zusammenarbeit und Koordination gut. «Die schulischen Heilpädagogen kommen da bei einem Vollpensum auf etwa vier bis fünf Lehrpersonen, mit denen sie den Unterricht und die individuelle Förderung koordinieren müssen», erklärt Stadlin. Etwas anders sehe dies jedoch auf der Sekundarstufe I aus. Dort werden die Schüler in mehr Fächern, auf unterschiedlichen Niveaus und damit teilweise von zehn oder mehr Lehrern unterrichtet. «Die Zusammenarbeit mit den Heilpädagogen gestaltet sich schwierig», so Stadlin. Aufgrund des unter anderem hohen Koordinationsaufwandes werde die Zusammenarbeit mit den Heilpädagogen auf dieser Stufe nicht selten von Lehrern als zusätzliche Belastung empfunden.

«Wie stellt der Kanton die Qualität sicher?»

Stadlin will darum wissen, mit wie vielen Lehrpersonen die schulischen Heilpädagogen auf der Sekundarstufe I im Durchschnitt zusammenarbeiten, den Unterricht vorbereiten und die Fördermassnahmen koordinieren. Weiter fragt er nach dem zusätzlichen personellen und finanziellen Mehraufwand, den die integrative Förderung verursacht. Stadlin will von der Regierung ausserdem Auskünfte zu Nutzen und Qualität. «Wie stellt der Kanton die Qualität der integrativen Förderung auf Sekundarstufe I sicher? Anhand welcher Indikatoren beurteilt der Kanton den Nutzen des integrativen Systems für die Lernenden?», fragt der GLP-Kantonsrat weiter.

Stadlin macht sich ausserdem für die Klassenlehrer auf dieser Stufe stark. Er erkundigt sich, ob der Kanton die Einschätzung teile, dass diese im Vergleich mit den Heilpädagogen einer wesentlich höheren Arbeitsbelastung ausgesetzt seien, da sie sowohl für den regulären Unterricht als auch für die schulische Integration die Hauptverantwortung tragen. «Wie sieht der Kanton die Zufriedenheit der Klassenlehrer mit dem integrativen System?» Und bezüglich Zukunft verlangt Stadlin von der Regierung Antworten. So fragt er nach möglichem Verbesserungspotenzial bei der integrativen Förderung und ob der Kanton plane, mit der Umsetzung des Lehrplans 21 die Aufgabenbeschreibung der Heilpädagogen anzupassen und ihre Verantwortlichkeiten zu konkretisieren.

 

Samantha Taylor

samantha.taylor@zugerzeitung.ch

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