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ZUG

Rauhfusshühner sollen unbeobachtet balzen

Die Jagdverordnung muss total revidiert werden. Neu sollen Wildvögel vor Störungen geschützt werden. Und Brotresten und andere Nahrungsabfälle sollen sie aber nicht mehr bekommen können.
23.03.2018 | 04:40

Leinenpflicht für Hunde am Waldrand, Fütterungsverbot für Wildtiere und Wildvögel sowie ein Beobachtungsverbot der Rauhfusshühner-Balz: Dies sieht die totalrevidierte Zuger Jagdverordnung zum besseren Schutz der Tiere vor.

Der Regierungsrat des Kantons Zug hat die Verordnung «über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel» in die Vernehmlassung geschickt. Bis 13. Juni können Parteien, Gemeinden sowie Verbände und Vereine Stellung nehmen. Neu in die Verordnung soll unter anderem ein Abschnitt mit dem Titel «Schutz vor Störung» aufgenommen werden. Dieser richtet sich einerseits an die Jägerschaft – so wird ihr etwa verboten, vor der Hirschjagd die Tiere mit Scheinwerfern zu beleuchten.

Anderseits betrifft die Verordnung auch die Allgemeinheit. Neu wird es im Kanton Zug verboten sein, gezielt die Rauhfusshühner-Balz zu beobachten. Wenn eine Person zufällig an einem Balzplatz vorbeikommt, darf sie aber weiterhin zuschauen, heisst es in den Vernehmlassungsunterlagen. «Ziel der Bestimmung ist es, eigentliche Tagesfahrten und Exkursionen zu unterbinden und die störungs­anfälligen, bedrohten Tiere zu schützen.»

Kein Brot für Schwäne und Enten

Das bislang explizit nur für das Schalenwild geltende Fütterungsverbot wird gemäss der totalrevidierten Jagdverordnung auf alle Wildtiere und Wildvögel ausgedehnt. Vom Verbot erfasst ist auch das Füttern von Schwänen und Enten am See. Für Singvögel dürfen aber im Winter weiterhin Körner bereitgestellt werden. Das Zufüttern sei zwar gut gemeint, doch habe es negative Folgen, schreibt die Regierung. Im Weiteren wird eine Leinenpflicht für Hunde im Wald und an Waldrändern eingeführt. Diese soll während der Aufzucht- und Setzzeit der Wildtiere in den Monaten April bis Juli gelten. In umliegenden Kantonen hätten sich derartige Regelungen etabliert, hält die Regierung fest und verweist auf Luzern (seit 2014) und Aargau (seit 2010).

Mehr Parkplätze für die Jäger

Wie die Regierung schreibt, sind in der Verordnung auch verschiedene Anliegen der Jägerschaft aufgenommen worden. Dem Wunsch einzelner Jäger nach einer generellen Fahrerlaubnis entsprach sie aber nicht. «Die uneingeschränkte Verwendung von Motorfahrzeugen während der Jagdzeit ist nicht sinnvoll.» Dies würde zu mehr Störungen und damit zu einem geringeren Erfolg im Jagdgebiet führen. Autos im Wald würden aber auch bei der Bevölkerung wenig Zuspruch finden. Die Zuger Wälder seien kleinstrukturiert und gut erschlossen, die erlegten Tiere könnten schnell zu Fuss geborgen werden, glaubt die Regierung. Sie will aber mehr Parkplätze für Jäger schaffen: «Mit zusätzlichen, gut erreichbaren Parkplätzen kann den gesteigerten Anforderungen betreffend Wildbrethygiene besser Rechnung getragen werden als mit einer generellen Fahrerlaubnis.»

Selbsthilfe ist weiterhin erlaubt

Erlaubt ist die Selbsthilfe gegen Schwarzwild, Füchse, Dachse, Steinmarder oder Rabenkrähen mit Hilfe von Lebendfallen. Dazu ist jedoch eine Bewilligung der Direktion des Innern erforderlich, welche die Einhaltung der Tierschutzvorschriften sicherstellt. Die Selbsthilfe bezieht sich auf die Abwehr oder das Erlegen jagdbarer Tiere. Bewirtschafterinnen und Bewirtschafter müssen dem Kanton erlegte Säugetiere melden. So wird kontrolliert, dass die Selbsthilfe nicht missbräuchlich angewendet wird. (sda/red)

www.

Die Vernehmlassungsunterlagen zur Jagdverordnung gibt es auf: zugerzeitung.ch/bonus

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