Zug
15.11.2017 07:01

Sie sind viel mehr als nur Geschwister im Geiste

  • Das Original (© PD)
    Das Original | PD
  • Die Neuinterpretation: Der Grafiker Angelo Gwerder hat das Unterägerer Wappen humorvoll uminterpretiert und schreibt dazu: «Die Umweltverschmutzung verseucht die Meere. Der Hai bekommt eine grosse Portion davon ab.» (© PD)
    Die Neuinterpretation: Der Grafiker Angelo Gwerder hat das Unterägerer Wappen humorvoll uminterpretiert und schreibt dazu: «Die Umweltverschmutzung verseucht die Meere. Der Hai bekommt eine grosse Portion davon ab.» | PD
ZUGER WAPPEN (10/11) ⋅ Das Wappen der Gemeinde Unterägeri zeigt einen Mann, der ein Segelschiff lenkt. Der Fährmann ist aber erst später ins Wappen gerutscht und ist kein Heiliger, wenn es auch andere Darstellungen gibt.

Schiffe in Schweizer Gemeindewappen sind gar nicht so häufig. Deshalb ist es speziell, dass im Kanton Zug gleich zwei davon in Gebrauch sind. In der heutigen Sprechweise würde der Ausdruck «Spin-off» wohl am besten passen. Denn Oberägeri wie auch Unterägeri haben ein Schiff im Wappen. Es wird einzig anders ausgestaltet. Deren Ursprung offenbart ein Siegel, der alten Talgemeinde Ägeri aus dem 18. Jahrhundert. Es zeigt zwei Segelschiffe auf dem Wasser.

Die heute getrennten Körperschaften sind denn auch lange Zeit gemeinsam durch die Zeit gesegelt. Eine eigenständige Gemeinde ist Unterägeri erst im ­Jahre 1798 geworden. Eine Jah­reszahl, die in der Schweizer ­Geschichte von sehr grosser Bedeutung ist, ging doch in diesem Jahr die Alte Eidgenossenschaft durch den Einmarsch der Franzosen sang- und klanglos unter. Napoleon formte die Schweiz temporär zu einer Republik nach französischem Muster um. Der Helvetik war zwar nur ein kurzes Leben beschieden, aber einige durch sie ausgelöste Veränderungen hatten Bestand, wie die Trennung von Ägeri in Oberägeri und Unterägeri.

Französische Einfluss offensichtlich

Der französische Einfluss ist auch gut im ersten Wappen der neu gebildeten Gemeine Unterägeri aus dem Jahre 1798 zu sehen. Es zeigt ein Segelschiff mit einem Ruder auf einer blauen Fläche. Die Ähnlichkeit mit dem Zuger Wappen – ein blauer Balken auf weissem Grund – ist sicher gewollt. Ungewöhnlich ist einzig die Bezeichnung «Commune d'Unteraegeri» – der Schriftzug umrahmt das Wappen. Dabei ist zu erwähnen, dass es 1798 den Kanton Zug in seiner heute bekannten Form gar nicht mehr gegeben hat. Vielmehr hatte Napoleon die Innerschweiz und Zug zum Kanton Waldstätten vermengt. So ist auch die französische Bezeichnung auf dem besagten Unterägerer Wappen nachvollziehbar. Doch der Zauber der Helvetik hat sich schnell verflüchtigt. Nur fünf Jahre später ist auch die Helvetische Republik Geschichte. Im Nachgang der stürmischen Jahre hat sich das Unterägerer Hoheitszeichen nur unmerklich gewandelt. Ein Unterägerer Gemeindestempel aus den 1830er-Jahren zeigt nun eindeutiger das Zuger Kantonswappen. Das Segelschiff ist geblieben, nur das Ruder ist ­etwas anders dargestellt. Diese Wappenform ist im 19. Jahrhundert häufig. Das zeigt sich auch im Kantonsratssaal im Regierungsgebäude. Dort sind viele Gemeindesiegel zu sehen, bei denen zum Beispiel für Baar einfach auf einem Zuger Kantonswappen ein B drapiert worden ist. Wann genau der Steuermann im Unterägerer Gemeindewappen «gelandet» ist, darüber schweigt sich das Zuger Wappenbuch von Albert Iten aus dem Jahre 1974 allerdings aus.

Auch nicht belegt ist, dass der Steuermann der heilige Petrus sein soll. Er ist zwar auf Unterägerer Wappenscheiben zu finden. Aber in einem von der Stiftung Schweizer Wappen und Fahnen herausgegebenen Band wird das Gemeindewappen beschrieben. Ein Heiliger wird dabei nicht genannt. Diese sind ja gleich im Doppelpack im Oberägerer Wappen zu finden. Notfalls geben die Oberägerer sicher einen solchen ab. Dem Unterägerer Wappen wird in diesem Fachmagazin aber attestiert, heraldisch in Ordnung zu sein. Das ist doch das Einzige, was wirklich zählt.

 

Marco Morosoli

marco.morosoli@zugerzeitung.ch

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