Zug
15.11.2017 05:00

Sorge über Trumps Steuerreform

  • Die Steuerreform von Donald Trump bereitet auch in Zug Sorgen.
    Die Steuerreform von Donald Trump bereitet auch in Zug Sorgen. | Bild: Aaron Favila / EPA (Manila, 13. November 2017)
ZUG ⋅ Kürzlich haben die Republikaner ihre Steuerreformpläne vorgestellt. Sollten sie umgesetzt werden, würde die Steuerrate in den USA deutlich sinken. Was bedeutet das für den Kanton Zug? Das Abwanderungsrisiko ist nicht zu unterschätzen, sagt der Finanzdirektor.

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

Durch die Erfüllung von Wahlkampfversprechen hat sich der amerikanische Präsident Donald Trump bisher nicht gerade ausgezeichnet. Nun kommt er objektiv gesehen jedoch bei einem Projekt vorwärts, bei seiner geplanten Steurerreform. Ende Oktober hat auch der Senat den Weg für diese freigemacht. Unter anderem soll die Körperschaftssteuer von 35 auf 20 Prozent sinken. Zudem soll im Ausland versteuertes Vermögen mit Hilfe von entsprechenden Anreizen zurück in die USA geholt werden.

Unlängst hat nun der Chef der US-Handelskammer in der Schweiz, Martin Naville, der «Handelszeitung» ein Interview zu den potenziellen Folgen dieser Steuerreform gegeben. Er warnt davor, dass diese den Steuerwettbewerb verschärfen werde. Denn derzeit habe die Schweiz eine starke Position, dies könne sich aber ändern. «Steuern sind im Prinzip Kosten. Im Moment stimmt das Angebot der Schweiz noch. Aber jetzt ändern sich die Rahmenbedingungen», so Naville. In diesem Zusammenhang warnt er vor allem vor einem Scheitern der Schweizer Steuerreform, der Steuervorlage 17. Sollte diese scheitern, werde es ein Erdbeben geben, so Naville.

Bei massiver Steuersenkung ein Risiko

Im Kanton Zug gibt es etliche Unternehmen mit US-amerikanischem Bezug oder Hintergrund. Besteht also Grund zur Sorge, dass einige davon im Falle einer erfolgreichen Steuerreform, Zug den Rücken zukehren werden? Dies sei schwierig zu beantworten, sagt der Zuger Finanzdirektor Heinz Tännler. Weil es einerseits davon abhängig sei, wie stark die Amerikaner ihre Steuern senken würden und andererseits von der Attraktivität der übrigen Standortqualitäten abhänge. «Zug hat mit der guten verkehrstechnischen Anbindung, einem grossen Pool an qualifizierten Arbeitskräften, stabilen politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen, hoher Sicherheit und Lebensqualität, doch einiges zu bieten», so Tännler. Das Risiko der Abwanderung sei aber nicht zu unterschätzen. Sollte die amerikanische Steuersenkung zu massiv ausfallen, wäre dies sicher ein Kriterium, dass das Risiko auf einen Wegzug erhöhen würde. «Ein weiterer nicht zu unterschätzender Aspekt ist aber eine allfällige Rechtsunsicherheit bezüglich der zukünftigen Schweizer Steuerpolitik», so Tännler.

Diesbezüglich ist er einer Meinung mit dem Chef der US-Handelskammer. Denn nicht nur amerikanische Unternehmen würden Verlässlichkeit und Berechenbarkeit schätzen, so Tännler. Auch gebe es eigentlich keine Definition für ein amerikanisches Unternehmen. Gehe man nämlich beispielsweise nach der Mehrheit des Aktionariats, wäre Novartis keine Schweizer Unternehmung mehr. Die amerikanische Steuerreform richte sich dementsprechend auch nicht nur an sogenannt amerikanische Unternehmen, sondern generell an international agierende Firmen. «Deshalb ist es eminent wichtig, dass mit der Steuervorlage 17 schnellstmöglich klare und wettbewerbsfähige Verhältnisse geschaffen werden», so Tännler. «Analog dazu werden wir die kantonale Umsetzung zügig vorantreiben.»

Denn mit Rechtssicherheit, wettbewerbsfähigen Steuern und Regelungen sowie den Standortvorteilen sollte der Kanton Zug nach Tännlers Einschätzung auch weiterhin für amerikanische Unternehmen attraktiv bleiben. Zudem sei die Steuerbelastung allein ja nicht das ausschlaggebende Kriterium. Vorausgesetzt, die Differenz zwischen den Steuersätzen sei nicht allzu gross. «Grundsätzlich ist es die Kombination der verschiedenen Faktoren, die für einen Standortentscheid relevant ist.» Unsicherheit sei aber per se immer ein negativer Faktor.

Schnellstmöglich klare Verhältnisse schaffen

Ein Scheitern der Steuervorlage 17 würde genau diese Unsicherheit schaffen und dies exakt in jenem Zeitraum, in welchem sich viele Unternehmungen – nicht nur amerikanische – aufgrund der amerikanischen Steuerreform die Standortfrage erneut stellen, so Tännler. Für Zug und die Schweiz sei es deshalb wichtig, schnellstmöglich klare Verhältnisse zu schaffen, um weiterhin im internationalen Standortwettbewerb gut aufgestellt zu sein.

Auch Stefan Kuhn, Leiter Unternehmenssteuern beim Steuer-Beratungsunternehmen KPMG, hat sich mit möglichen Auswirkungen der US-Steuerreform befasst. Er beruhigt: «Ich glaube nicht, dass eine Reduktion des Steuersatzes auf 20 Prozent, was auch erst einmal politisch durchgebracht werden muss, allzu grosse Auswirkungen auf den Standort Schweiz hat; bei 15 Prozent eher ja, bei 20 nicht», so Kuhn. Auch unter den Klienten des Unternehmens sei eine potenzielle Rückkehr in die USA derzeit kein grosses Thema.

Was vielleicht passieren könnte, sei aber, dass als Resultat der geplanten Anreize, insbesondere die steuerlich begünstigte Rückführung von Dividenden, vereinzelt flüssige Mittel zukünftig über den Standort in den USA statt über jenen in der Schweiz verwaltet werden beziehungsweise damit in den USA Schulden abgebaut werden, so Kuhn. Produktionsmittel betreffe diese Rückführung im Fall der Schweiz kaum, da sich hier eher die Europa-Hauptquartiere der Unternehmen oder eben gewisse Fachabteillungen befinden. Falls dann etwa die Steuervorlage 17 scheitere, sei die Abwanderungsgefahr in ein anderes europäisches Land höher als jene in die USA.

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