Zug
19.05.2017 05:01

Kommentar

Fehlendes Interesse in der Zuger Politik: Wo ist der Polit-Kopf mit dem nötigen Gespür?

Redaktor Andreas Faessler über das fehlende kulturelle Interesse in der Zuger Politik.

Wer von Eduard Gaertner hört, denkt automatisch an Berlin. Liest er von Hans Makart, so fällt ihm sofort Wien ein. Ein Robert Zünd oder Max von Moos – klar: Luzern. Cuno Amiet – Solothurn. François Diday – Genf ... Die Aufzählung liesse sich ins Endlose fortsetzen. Aber wer denkt beim Namen Emil Dill schon an Zug? Angesichts seiner Schaffenskraft, seiner Qualität, seines breiten stilistischen Spektrums und somit seiner enormen Bedeutung für die Entwicklung der Schweizer Kunst ist es ein eklatantes Manko, dass Dills Werk der Öffentlichkeit so lange vorenthalten geblieben und sein Name folglich vollständig in Vergessenheit geraten ist. Die Stadt Zug hätte, seit sie im Besitz des Dill-Fundus ist, eine einzigartige Chance, sich im Kontext mit der Schweizer Kunstgeschichte auf einer anderen Ebene einen Namen zu machen, wenn nicht gar ein Denkmal zu setzen. Die grosse Anerkennung, die das Werk Dills und somit der Maler selbst verdienen würde, könnte sich als neuer identitätsstiftender Faktor auf den Standort Zug niederschlagen – für einmal nicht im Zusammenhang mit Wirtschaft, Steuern und Geld.

Wo hapert’s? Der Verein IG Kultur hat an seiner Forumsveranstaltung im vergangenen September – wohl zu Recht – festgestellt, dass das Kulturgeschehen Zugs in der hiesigen Politik zu wenig wahrgenommen wird und dass die kulturellen Interessen im Rat besser vertreten sein sollten. Und genau da liegt wohl auch die Ursache für das von politischer Seite scheinbar inexistente Interesse am wertvollen Erbe Emil Dills. Es fehlt in der (Stadt-)Zuger Politik schlicht und ergreifend die entsprechende Vertretung, die fähig ist, zu erkennen, was die Stadt mit diesen Werken für einen kostbaren Kunstschatz seit Jahrzehnten in ihren Lagern hortet. Es ist ein bedeutendes und vor allem für die Stadt Zug hochrepräsentatives Vermächtnis, das eine gebührende Wertschätzung verdient und der kunstinteressierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden muss. Und zwar dauerhaft. Das geht jedoch nicht ohne das aktive Engagement der Verwalterin, der Stadt Zug!

 

Andreas Faessler

andreas.faessler@zugerzeitung.ch

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