Zug
16.07.2017 05:00

Zuger Polizei sucht neue Psychologen

AUSSCHREIBUNG ⋅ In Zug hat die Polizei selber keine Psychologen angestellt. Eine externe Firma übernimmt deren Aufgaben. Das hat nicht nur finanzielle Vorteile.

Livio Brandenberg

livio.brandenberg@zugerzeitung.ch

Die Ausschreibung kommt für das ungeübte Auge unübersichtlich daher. Dabei geht es um etwas ziemlich Simples: Die Zuger Polizei sucht per Anfang 2018 einen Anbieter für den polizeipsychologischen Dienst. Die Ausschreibung wurde Ende Juni im kantonalen Amtsblatt und online im Informationssystem über das öffentliche Beschaffungswesen in der Schweiz publiziert. Vergeben wird der Auftrag von der Sicherheitsdirektion, als Organisatorin ist die Zuger Polizei aufgeführt.

Bis am 30. August können nun Firmen – grundsätzlich jedermann, der die Anforderungen erfüllt – Angebote einreichen. Der Vertrag läuft dann bis Ende 2022, also fünf Jahre. Die Kriterien sind anspruchsvoll: Die Psychologinnen und Psychologen haben etwa die Aufgabe, die Beamten auf Situationen vorzubereiten, in denen diese als Erste auf Tote, Verletzte oder suizidgefährdete Personen treffen. Sie sind aber auch für Einsätze und die Einsatznachbereitung zuständig oder wirken bei der Anstellung von Polizisten mit.

Da die Einsätze für die Krisenintervention laut Ausschreibung «nicht planbar, jedoch immer dringlich» sind, müssen die Polizeipsychologen «rund um die Uhr während 365 Tagen im Jahr erreichbar und innert einer Stunde am Einsatzort innerhalb des Kantons Zug sein». Weiter müssen sie «vertrauenswürdig» und «gut ausgebildet» sein. «Die polizeipsychologischen Aufgaben hat bisher eine Firma übernommen», sagt Gregor Bättig, Chef Kommandobereiche bei der Zuger Polizei. Er ist für die Ausschreibung zuständig.

Kosten sparen dank Teilzeitmandaten

Man sei mit der aktuellen Lösung äusserst zufrieden. Das Submissionsgesetz des Kantons verlange aber eine öffentliche Ausschreibung, sagt Bättig. Die Firma, die den Dienst bis heute abdeckt, heisst Humanfocus – Moos HR Consulting. Sie gehört dem Zuger Wolfgang Moos und hat ihren Sitz in Baar. Moos ist Chef Ausbildung der Stadtpolizei Zürich und selber Polizeipsychologe. In Absprache mit den Kommandanten der Korps der Stadt Zürich und der Zuger Polizei stellt er mit der Firma im Nebenerwerb ein Netzwerk von Psychologen bereit. Die Zuger Polizei nimmt zurzeit die Dienste von sechs Leuten in verschiedenen Teilzeitmandaten in Anspruch. «Mit dieser Aufstellung sind auch Spezialisierungen möglich. So decken etwa zwei Psychologen schwergewichtig den Bereich der Einsatzvorbereitung ab, zwei eher die Ausbildung», sagt Bättig. Auch finanziell sei die jetzige Lösung für Zug attraktiv: «Wir können mit deutlich weniger Kosten, als uns eine Vollzeitstelle kosten würde, die ganze Breite der psychologischen Arbeit abdecken. Denn: Wir zahlen nur, wenn wir den Dienst auch brauchen. Das ist der klare Mehrwert der momentanen Lösung.»

In den letzten fünf Jahren habe der psychologische Dienst die Zuger Polizei im Durchschnitt jährlich rund 95 000 Franken gekostet, sagt Bättig. Wobei die Kosten Schwankungen unterliegen würden, «mal gibt es mehr Einsätze, mal weniger». Das Budget für die aktuell ausgeschriebenen Leistungen beläuft sich laut Bättig ebenfalls auf 95 000 Franken. Sollte es aber einen grösseren Einsatz geben oder sollten gros- se Schulungsaufwände anfallen, müsste notfalls das Jahresbudget überschritten werden. Doch das sei bisher noch nie vorgekommen.

«Für uns ist das ein sehr guter Vertrag. Vor allem auch, weil diese Psychologen aufgrund ihrer Einsätze in grösseren Polizeikorps mehr Erfahrungen sammeln können, als sie es in einem kleineren Kanton wie Zug wohl könnten», so Bättig. Man hoffe, dass andere Anbieter nun gleich gute Angebote bezüglich Qualität und Breite einreichen werden. Obwohl man zufrieden sei mit dem momentanen Anbieter, sei «keinesfalls gesagt, dass der Auftrag wieder an diese Firma geht», sagt Bättig. Humanfocus habe von der Erfahrung her wohl einen kleinen Vorteil. «Doch das ist kein gemachtes Spiel.» Ob er überhaupt eine Offerte einreicht, wisse er noch nicht, sagt Wolfgang Moos. «Zurzeit sind die meisten von uns in den Ferien.» Er werde die Angelegenheit mit den Psychologen besprechen, sobald alle zurück seien. «Klar ist: Es müssten alle mitmachen.» Sollte ein anderer Anbieter ein besseres Angebot einreichen als die aktuelle Lösung, dann sei das «kein Problem», sagt Moos. Man stehe hinter dem Ausschreibungsverfahren. Die Zuger Polizei wird bis spätestens 31. Oktober kommunizieren, wer den Zuschlag erhält.

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