SRF

Adrian Lustenberger berichtet während Olympia über Land und Leute

Der Luzerner Adrian Lustenberger zeigt während Olympia TV-Reportagen über Land und Leute. Angefangen hat seine Laufbahn mit einem Inserat im EVZ-Fan-Forum.
09.02.2018 | 07:40

Wer die lange Reise nicht auf sich nehmen kann, wird Olympia und das grosse Drumherum zumeist durch eine Journalistenbrille sehen. Einer, der während gut zwei Wochen einem grösseren Schweizer Publikum die koreanische Kultur näherbringt, ist Adrian Lustenberger (Bild). Der 32-jährige Adligenswiler arbeitet bei SRF. Er wird ab Samstag unter anderem im Magazin «Pyeongchang aktuell» (18.30 Uhr/SRF zwei) in einer eigenen Rubrik über Land und Leute berichten (siehe Box). In Südkorea kennt sich Lustenberger aus. An der Yonsei University in der Hauptstadt Seoul hat er ein Jahr lang studiert, er spricht sogar ein wenig Koreanisch. Alles sei grundsätzlich anders in Südkorea, sagt er und führt Beispiele an. «Am Tisch die Nase zu putzen, ist etwas vom Unanständigsten, was man überhaupt machen kann.»

Auch bezüglich Augenkontakt ist Vorsicht angebracht, sofern das Gegenüber nicht im selben Alter ist. «Wenn ich mit jemandem etwas trinke, der älter ist, schaue ich ihm nicht in die Augen», erklärt Lustenberger. Und wenn man Dinge entgegennimmt – wie Flugticket, Rückgeld, Visitenkarte –, dann mit beiden Händen, einhändig wäre unhöflich.

Die koreanische Kultur den Schweizern näherbringen

Dass er nun für viele Schweizer gewissermassen ein Türöffner zur koreanischen Kultur sein wird, dessen ist Lustenberger sich bewusst. «Es ist eine grosse Chance, den Leuten verschiedene Facetten dieses Landes zu zeigen.» Er wird mit einem Kameramann und einem Dolmetscher unterwegs sein. Allerdings nicht in der Olympiaregion, er konzentriert sich auf andere Schauplätze. Die Themenpalette seiner Reportagen ist vielfältig. Von Eindrücken der Metropolregion Seoul mit fast 24 Millionen Einwohnern über einen Besuch beim Schweizer Militär an der Grenze zu Nordkorea und einen Tag in einer koreanischen Skischule bis hin zur Erholung in einem Jimjillbang – einer typischen 24-Stunden-Sauna.

Für Lustenberger kommen in diesen Tagen zwei seiner grössten Interessen zusammen: ein Lieblingsland einerseits, der Sport andererseits. Seine Journalistenkarriere begann er 2005 bei der «Zuger Presse», nachdem er im Fan-Forum des EV Zug ein Stelleninserat entdeckt und sich beworben hatte und Eishockey­reporter geworden war. Danach arbeitete er für die «Luzerner Zeitung», später für die NZZ – 2013 landete er beim Schweizer Fernsehen. Lustenberger hat seinen Traumberuf gefunden. Und registriert das immer wieder. Wie jüngst beim alpinen Ski-Weltcup der Frauen in Cortina, als er die Interviews mit den Athletinnen im Zielraum führte. «Wenn ich frage, ob ich Lindsey Vonn für ein Interview haben kann, macht es zack! Und plötzlich steht sie vor mir. Es ist ein absolutes Privileg, diesen Job machen zu dürfen.»

Biathlonkenntnisse büffeln wie vor einer Uni-Prüfung

Doch es gibt halt auch die weniger schönen Dinge wie überall. Sei es eine sechsstündige Heimreise im Auto zum Abschluss eines langen Arbeitstages beim Weltcup in Kronplatz. Oder generell für einen SRF-Angestellten in diesen Monaten die flächen­deckend diskutierte No-Billag-Initiative – ein Thema, das Lustenberger höchstens streift während des Gesprächs, bei dem er sich aber nicht aufs Glatteis lässt.

Seit Dezember ist Lustenberger auch Livekommentator. Erstmals zum Einsatz kam er Anfang Dezember beim Biathlon-Weltcup im österreichischen Hoch­filzen. Im Biathlon waren seine Kenntnisse bis vor kurzem eher bescheiden. Die grossen Figuren wie Johannes Thingnes Bö oder Martin Four­cade kannte er zwar schon, die Regeln auch, für den Kommentatorenposten fehlte aber noch einiges. «Ich musste sehr vieles lernen über Biathlon, das war wie vor einer Uni-Prüfung.»

In Südkorea wird Lusten­berger die Rennen nicht kommentieren. Dafür zeigt er die Vielseitigkeit dieses Landes. Es dürfte wohl nicht minder spannend sein.

«Annyeong Adi» – «hallo Adi»

Adrian Lustenberger wird im Schweizer Radio und Fernsehen auf drei Kanälen von seinen Erlebnissen in Südkorea berichten. Seine Rubrik «Annyeong Adi» ist in der Sendung «Pyeongchang aktuell» auf SRF zwei (Samstag und Sonntag jeweils um 18.30 Uhr, Montag bis Freitag um 20 Uhr) zu sehen.

Auf Radio SRF 1 beschreibt Lustenberger seine Eindrücke in einem täglichen Morgengespräch. Online ergänzt er die Berichterstattung durch ein Fotoalbum auf der Facebook-Seite von SRF Sport.

(cza)

 

Claudio Zanini, Pyeongchang

claudio.zanini@luzernerzeitung.ch

Leserkommentare
Weitere Artikel