KOLUMNE BIBIMBAP

Ein Kompliment zuviel

Sportreporter Claudio Zanini probiert das beliebtestes Fast-Food-Gericht in Südkorea.
12.02.2018 | 15:35

Es klingt wie das Brabbeln eines Kleinkindes: Bibimbap. Als wäre es die fortgeschrittene Stufe nach Ma-Ma, Pa-Pa, Gu-Gu, Da-Da. Wortwörtlich bedeutet Bibimbap «Reis rühren» oder «gemischter Reis». Eines der beliebtesten Gerichte in Südkorea. Und deshalb auch an vielen Orten erhältlich. Aber ich will das echte, das authentische, das allerbeste Bibimbap probieren und frage mich im Olympia-Ort rum.

Ich kriege eine Adresse zugesteckt, die ich einem Taxifahrer zeige. Er fährt und fährt und fährt, der Taxometer steigt und steigt und steigt. Irgendwann sind wir bei 50 Franken, aber auch vor dem Restaurant. Es gibt zweierlei Tisch-Kategorien. Ganz tiefe, an denen der Gast am Boden sitzt. Und dann die Touristen-Höhe, bei denen man auf einer Bank Platz nimmt. Der Kellner setzt mich an einen der zweiten Kategorie und hält mir die Karte hin. Ich winke ab und frage ihn: «Bibimbap?»
Natürlich hat er verstanden. Wenig später wird aufgetischt. Für mich und meine imaginäre Reisegruppe. Zuerst acht quadratische Schälchen mit mariniertem Broccoli, Gurkenstücken, Kimchi (dem säuerlichen Kohl) sowie anderen Gemüsesorten. Danach folgt das Herzstück des Mahls. Reis in einer heissen Schale, Federkohl, Bohnensprossen, Karotten. Darauf thront ein Spiegelei mit Sesam.

Der Kellner macht eine Rühr-Geste, ich mische das ganze durcheinander, ergänze den Mix mit den Beilagen und probiere. Es schmeckt wunderbar. Eine unvergleichliche Frische, die Geschmäcker vielseitig, obwohl das Gericht an sich simpel ist. Ich mache dem Service-Personal zu verstehen, dass dieses Essen fabelhaft sei. Das war wohl ein Fehler. 

Wenig später steht ein grosser Topf Nudelsuppe mit einem hartgekochten Ei vor mir. Ich lächle und zupfte unter den Augen des Kellners die ersten paar Nudeln aus der Brühe. Doch es artet aus: Vier Teigtaschen gefüllt mit Poulet folgen. Auch das eine Gaumenfreude, doch eigentlich wäre ich satt. Zum Abschluss kommt eine Suppe mit Tofu-Würfeln und Gemüse. Ich bete innerlich, dass sich die Küchentür nicht mehr öffnet bis ich weg bin. Als ich nach der Rechnung frage, lächelt der Kellner und macht einen Fantasie-Preis. 10 Franken will er.
 

Claudio Zanini, Pyeongchang

claudio.zanini@luzernerzeitung.ch

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    Kimchi, Bibimbap, Tteok; Spezialitäten Südkoreas

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