KOLUMNE BIBIMBAP*

«Mitkommen bitte»

Sportreporter Claudio Zanini über die hilfsbereiten Volunteers und Gastgeber in Pyeongchang.
09.02.2018 | 05:02

Zuvorkommende Leute seien die Südkoreaner, hiess es. Freundlich, hilfsbereit, präzise, emsige Arbeiter. Am Flughafen Incheon, im Grossraum Seoul, beginnt deren Auftritt. Als das Flugzeug die Schweizer Athleten, Betreuer und Medienleute aus seinem Bauch entlässt, sind die Laminiergeräte für die Akkreditierungen bereits warmgelaufen. Eine Vielzahl von Helfern händigt die überdimensionalen olympischen Zutrittsberechtigungen unmittelbar nach der Ankunft aus – alles läuft wie am Schnürchen.

Nach der Gepäckabgabe überlegte ich wohl eine Millisekunde zu viel, wo es weitergeht. Aus dem Nichts stand eine Frau in der Volunteer-Kleidung vor mir. «Wo müssen Sie hin?» Ich streckte ihr die Adresse meiner Unterkunft entgegen. «Mitkommen bitte.» Sie führte mich zu einer Theke, wo nun zwei andere Helfer übernahmen. Einer löste mir das Zugticket, der andere schrieb die Adresse meines Zimmers in Koreanisch auf einen Zettel. Für den Taxifahrer, der wahrscheinlich nicht Englisch sprechen würde, so der Volunteer. Zwei Stockwerke tiefer sei das Gleis, dort der Lift. Auf Wiedersehen.

Unten angekommen, stieg ich nicht selbstständig in den Zug ein. Natürlich nicht. Eine nächste Helferin kam zum Einsatz. Die zierliche Frau wollte den Koffer selbst in den Zug hieven, mein Angebot, ihr wenigstens dabei zu helfen, schlug sie aus. «Hier sind Ihre beiden Sitze. Einer für Sie, einer für das Gepäck.» Sie sagte mir noch, wo ich auszusteigen habe.

Im Zug sitzend, erhalte ich die Nachricht der Gastfamilie. «Wann kommen Sie an?» Ich: «Um 19.01. Ich werde ein Taxi nehmen.» Die Antwort. «Nicht nötig, wir holen Sie ab.» Im Bahnhof angekommen, konnte ich ein Volunteer-Duo davon überzeugen, dass ich keinen Shuttle benötige, ich hätte bereits eine Fahrgelegenheit.

Das Handy vibriert: «Wo sind Sie?» Wenig später stand ich vor der Gastgeberin. Sie zückte ihr Telefon, sprudelte etwas Koreanisches, während ihre Mutter mit dem Auto vorfuhr. Wieder wurde ich nicht für das Verladen meines Gepäcks benötigt. 20 Minuten später stand ich in einem Studio, alles sorgfältig geputzt, die Ausstattung besser als im Beschrieb. «Brauchen Sie noch etwas zu trinken? Möchten Sie einen zusätzlichen Ofen? Soll ich mit Ihnen einkaufen gehen?» Ich lehnte ausgesprochen dankend ab. «Ich werde nun ein wenig schlafen.» Das sollte ohne Hilfe funktionieren.

* beliebtestes Fast-Food-Gericht in Südkorea.

 

Claudio Zanini, Pyeongchang

claudio.zanini@luzernerzeitung.ch

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