FEUERWERK

Schweizer Furioso zum Start

Mit Beat Feuz und Dario Cologna starten morgen zwei der aussichtsreichsten Schweizer zum ersten Mal an den 23. Olympischen Winterspielen. Die früheren Medaillengewinner Simon Ammann und Selina Gasparin sind schon heute am Start.
10.02.2018 | 07:56

Daniel Good

Gestern ging in Südkorea die Eröffnungsfeier über die Bühne, nun folgen die ersten sportlichen Höhepunkte. Zwölf Entscheidungen fallen an den 23. Olympischen Winterspielen heute und morgen. In der Abfahrt morgen ab 3 Uhr Schweizer Zeit ist Beat Feuz der Mann mit den grössten Vorschusslorbeeren. Fast noch höher sind die Erwartungen an den schon dreifachen Olympiasieger Dario Cologna, der gut vier Stunden nach Feuz zum ersten Mal Mass an den Loipen von Pyeongchang nimmt.

Colognas Ziel kann nur der Sieg sein

Der Skiathlon ist die Paradedisziplin des Bündner Ausnahmelangläufers Dario Cologna. Nach 15 Kilometern im klassischen Stil folgt die gleiche Distanz Skating. Cologna ist Titelverteidiger, im Skiathlon holte er seinen einzigen WM-Titel. Er ist in Form und Favorit. Der Bündner rechnet im morgigen Rennen, das um 7.15 Uhr Schweizer Zeit beginnt, mit einer Medaille. Die Streckenführung sagt ihm zu. Cologna wird alles riskieren. Nachher hat der 31-Jährige fünf Tage Pause. Die Entscheidung fällt wohl im finalen Anstieg kurz vor dem Ziel. «Dort kann man die Differenz schaffen», sagt Cologna.

Wer als Erster auf die Zielgerade einbiegt, dem dürfte der Olympiasieg so gut wie sicher sein. Sollte Cologna Gold holen, wäre er vierfacher Olympiasieger. Das hat von den Schweizern erst Simon Ammann geschafft. Eine Einschätzung von Colognas Rivalen ist schwierig. Der Weltcup-Dominator Johannes Klaebo aus Norwegen ist erst 21-jährig. Dessen Landsmann Martin Johnsrud Sundby hat zwar schon 29 Weltcup-Rennen gewonnen, blieb an Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften bislang aber ohne Sieg. Die Russen Maxim Wylegschanin und Sergej Ustjugow, die Weltmeister von 2015 und 2017, dürfen wegen des Staatsdopings nicht starten.

Weltmeister Feuz in der Favoritenrolle

WM-Gold in der Abfahrt hat er schon, nun soll der Olympiasieg her. Beat Feuz, der morgen 31-jährig wird, kann mit der Favoritenrolle umgehen. Das hat er vor einem Jahr an der Heim-WM in St. Moritz bewiesen. «Für mich ist es das kleinste Problem, als Favorit angesehen zu werden», sagt Feuz. Seine Gelassenheit ist beeindruckend. Dieser Saison hat er mit drei Siegen und zwei zweiten Plätzen den Stempel aufgedrückt. Die Piste ist für Feuz wie geschaffen. Es braucht auf dem kurvenreichen Parcours viel Fahrgefühl, wie Feuz es in ausserordentlichem Mass aufbringt. Und mit dem Material war der Emmentaler immer sehr gut bedient.

Die Abfahrt beginnt morgen um 3 Uhr Schweizer Zeit. Allerdings muss Feuz einen Fluch loswerden, um als vierter Schweizer nach Bernhard Russi 1972, Pirmin Zurbriggen 1988 und Didier Défago 2010 Abfahrtsolympiasieger zu werden. Nie mehr seit Zurbriggen vor 30 Jahren im kanadischen Calgary gelang es einem der Favoriten, die alpine Königsdisziplin zu gewinnen. Zu den Medaillenkandidaten im morgigen Rennen gehören neben Feuz die Norweger Aksel Lund Svindal und Kjetil Jansrud, der Sieger der olympischen Hauptprobe. Die Hoffnungen der Österreicher ruhen auf Titelverteidiger Matthias Mayer und Hannes Reichelt. Die Italiener zählen auf Dominik Paris und Christof Innerhofer. Mayer winkt die Chance, als erster Rennfahrer zweimal Olympiasieger in der Abfahrt zu werden.

Ammann Anwärter auf ein Diplom

Es wäre nach dem Gewinn der beiden Goldmedaillen 2010 in Vancouver eigentlich wieder ein olympisches Ammann-Jahr. Seit 2002 ist der mittlerweile 36-jährige Simon Ammann an Olympischen Spielen alle acht Jahre das Mass aller Dinge. Auf seine sechsten Spiele hin ist er wieder ordentlich in Form gekommen. Die Landungen und damit die Stilnoten sind wieder besser geworden. Aber im heutigen Skispringen von der Normalschanze ab 13.35 Uhr ist Ammann «bloss» ein Anwärter auf ein Diplom, das es für die ersten acht gibt.

Einen Materialvorteil wie vor acht Jahren haben die Schweizer mit Leader Ammann nicht mehr. Es ist dem Toggenburger mit Wohnsitz in der Zentralschweiz freilich hoch anzurechnen, dass er immer noch zur Weltelite zählt. Favorit ist der polnische Titelverteidiger Kamil Stoch. Spielverderber könnte der Wind sein. Das Springen auf der Grossschanze findet heute in einer Woche statt.

Die Biathlon-Pionierin hat nichts zu verlieren

Als Selina Gasparin vor vier Jahren in Sotschi als erste Schweizerin eine Medaille im Biathlon gewann, war sie mit zwei Weltcup-Siegen angereist. In dieser Weltcup-Saison steht die 33-jährige Bündnerin mit einem vierten Platz als bestem Resultat zu Buche. Gelingen ihr im Schiessstand auf Anhieb zehn Treffer, kann Gasparin im heutigen Sprint ab 12.15 Uhr wieder an Edelmetall schnuppern.

Aber zu einer Medaille wie Silber 2014 wird es der Schweizerin kaum reichen. Die Spitze im Frauen-Biathlon ist ausserordentlich breit. Diese Konstellation macht das Rennen unberechenbar und ist eine Chance für die zweite Garde. Selbst die Deutsche Laura Dahlmeier, die fünffache Weltmeisterin, wäre wohl mit Bronze zufrieden.

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  • (© Mediainjector)

    Pyeongchang: Was macht Beat Feuz vor dem Rennen?

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