PYEONGCHANG

Serafin Wiestner im Biathlon-Sprint Neunter, Benjamin Weger 15.

Serafin Wiestner verpasst beim Sprint mit einem unerwartet starken 9. Rang das Diplom nur um 1,4 Skunden. Auch Benjamin Weger zeigt eine solide Leistung. Dennoch sind sie nicht ganz zufrieden.
11.02.2018 | 13:29

Hans Leuenberger (SDA), Pyeongchang

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Die beiden Schweizer absolvierten den Parcours durch den labyrinthartig angelegten Gang bei den Medienschaffenden leicht verärgert. Weniger wegen der bissigen Kälte als vielmehr wegen der Gedanken an den einen Fehlschuss, der sie aus dem Kampf um die Medaillen warf. «Ich ärgere mich, dass ich es einfach nicht hinkriege, eine Null zu schiessen», sagte Serafin Wiestner, der in diesem Winter zuvor noch nicht viel auf die Reihe gebracht hatte. Bei einem durch den Wind beeinträchtigten Wettkampf fand er am Schiessstand überraschend ruhige Bedingungen vor. «Ich wusste, dass ich dies ausnützen muss», betonte der Bündner. Mit der zweitbesten Zeit im Schiessstand aller Athleten ging er ein hohes Risiko ein. Stehend traf eine Kugel nicht ins Schwarze.

Benjamin Wegers Fehlschuss im Stehend-Anschlag prallte auf den Scheibenrand. Zu seinem Pech spritzte zu wenig Blei auf die Scheibe, um noch einen Treffer auszulösen. «Ich schaue diesem Wettkampf etwas wehmütig nach», gab der Walliser mit Eiszapfen am Bart unumwunden zu. «Ich sah den einen Schuss bei der Abgabe als Treffer. Als ich die nächste Scheibe ins Visier nahm, bemerkte ich, dass da noch eine zu viel steht.» Der Weltcup-Neunte büsste als 15. 36,7 Sekunden auf den deutschen Sieger Arnd Peiffer ein, Wiestner bloss deren 23,5 – eine Strafrunde kostet knapp 25 Sekunden.

Geschlagene Topfavoriten

Aber im Biathlon gibt es keinen Konjunktiv. Der kleine Trost: Immerhin ist die Ausgangslage für die Verfolgung (siehe Box) vielversprechend. Die beiden weiteren Swiss-Ski-Starter Jeremy Finello (63.) und Mario Dolder (64.) verpassten die Top 60 und damit auch die Zulassung für die 12,5 km von heute.

Peiffer düpierte die komplette Weltspitze. Einen Tag nach dem Erfolg von Landsfrau Laura Dahlmeier setzte sich der 30-Jährige mit null Fehlern vor dem Tschechen Michal Krcmar (ebenfalls ohne Strafrunde) und Dominik Windisch (ein Fehler) aus Italien durch. Peiffers beste Saisonplatzierung war zuvor im Januar ein 3. Platz im Sprint von Antholz gewesen. Der Routinier weiss aber, was siegen heisst. 2011 hatte er bereits den WM-Titel im Sprint gewonnen, ausserdem ist er schon dreimal mit den Staffeln Weltmeister geworden. Völlig überraschend patzten dagegen die Topfavoriten Johannes Thingnes Bö (4 Fehler) aus Norwegen und Martin Fourcade (3) aus Frankreich. Die Dominatoren hatten im Kampf um die Medaillen keine Chance. Fourcade hatte zuvor in allen Saisonrennen auf dem Podest gestanden und sechs Siege gefeiert, Bö sogar deren acht. Nun liessen sie im 16. Rennen des Winters erst zum zweiten Mal die Konkurrenten zum Zug kommen. Insbesondere für Bö ist mit 1:12 Minuten Rückstand das Gold in der Verfolgung nur noch schwer zu holen.

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