Eishockey
21.04.2017 07:34

Tore schiessen und schweigen

  • Damien Brunner im Training der Schweizer Nationalmannschaft.
    Damien Brunner im Training der Schweizer Nationalmannschaft. | Bild: Andy Mueller/Freshfocus (Biel, 19. April 2017)
EISHOCKEY ⋅ Zugs ehemaliger NLA-Topskorer Damien Brunner steht mit der Schweizer Nationalmannschaft am Anfang einer heiklen WM-Mission.

Klaus Zaugg

sport@luzernerzeitung.ch

Stell dir vor, es ist ein Tag vor einem Länderspiel gegen Russland, und niemand interessiert sich für Damien Brunner (31). Schon erstaunlich. Noch vor zwei Jahren wäre das Medieninteresse so gross gewesen, dass Verbandsmedienfeldweibel Kick Janos den Nachrichtenzug zu einem sogenannten Scrum hätte antreten lassen. Wenn es bei reger Nachfrage nicht mehr möglich ist, Einzelgespräche zu führen, stehen die Chronistinnen und Chronisten in einem Haufen (Scrum) um den Spieler herum.

Das ist wahrlich nicht nötig. Kick Janos läuft umher und fragt, wo der Brunner sei. Schliesslich stöbert er ihn auf. Der Stürmer hat sich im verzweigten Fuchsbau des Bieler Eisstadions verkrochen. Um in aller Ruhe mit Zugs Verteidiger Rafael Diaz zu telefonieren, den er als «Cam» (für Cameron Diaz) im Handy gespeichert hat. Die Zuger sind bei den zwei Länderspielen gegen Russland noch nicht dabei. Die Finalisten rücken erst am Mittwoch ein, und mit den Zugern hat Damien Brunner immer wieder mal was zu besprechen. Er wohnt ja im Sommer im Zugerland (wo er eine Wohnung hat und wo seine Freundin herkommt) und absolviert das Sommertraining in Zug. Er präzisiert: «Ja, in Zug, aber nicht mit dem EV Zug.»

Brunners Tore wären für die Schweiz wichtig

Das mediale Desinteresse zeigt uns die Dramatik seiner Karriere. Dabei müsste die Offensive im Zentrum des Interesses stehen. Berns WM-Silberheld Simon Moser ist blessiert (Knochen im Fuss gebrochen), sein WM-Einsatz ist fraglich. Auch die NHL-Stürmer Sven Bärtschi (Vancouver, Kopf) und Sven Andrighetto (Colorado) sind nicht fit, auch ihr WM-Einsatz ist ungewiss. Wer soll dann die Tore schiessen? Denis Malgin ist da, und vielleicht kommt auch Nico Hischier, das Jahrhundert­talent, das noch bei der U18-WM engagiert ist. Aber eine NHL-Schwalbe und ein Junior machen noch keinen WM-Sommer.

Die Tore von Damien Brunner werden wichtig sein wie noch nie. Kann er diese Tore erzielen? Seit er im November 2014 aus der NHL zurückgekehrt ist, haben wir nie mehr den wahren Damien Brunner, den Zuger Liga-Topskorer von 2012, gesehen. Und er hat sich für Lugano nicht als «Königstransfer» erwiesen.

Der ehemalige NHL-Stürmer (135 Spiele/67 Punkte) hat sein Selbstvertrauen und seine gute Laune bewahrt – die zwei wichtigsten «weichen Erfolgsfaktoren» eines Skorers. Er sagt: «So? Bin ich das nicht? Seit ich in Lugano bin, sind wir immerhin einmal in den Final und einmal in den Halbfinal gekommen.» Und er ergänzt: «Seit meiner Rückkehr in die Schweiz habe ich nie viel mehr als zehn Partien hintereinander beschwerdefrei spielen können.» Tatsächlich hat er in der letzten und der vorletzten Saison in Lugano mehr als 40 Spiele verpasst. Gerne wären wir noch ein wenig beim Thema Lugano verweilt. Aber er mag nicht. Hinterher wird der Chronist aufgeklärt, warum das so ist. Luganos Sportchef Roland Habisreutinger habe seinen Nationalspielern strengstens verboten, in nationalen Diensten über etwas anderes als die Nationalmannschaft zu plaudern. Und so ist Brunners Mission: Skoren für die Schweiz und schweigen über Lugano.

Das Thema ist sowieso die Nationalmannschaft. Damien Brunner sagt, er sei fit. Er hofft auf WM-Ruhm, der in seiner Karriere noch fehlt. Bei vier Weltmeisterschaftsteilnahmen hat es erst einmal für den Viertelfinal gereicht. Trainer Patrick Fischer probiert ihn in einer Linie mit Andres Ambühl und Fabrice Herzog, und Damien Brunner sagt, das habe gut funktioniert. Gut möglich, dass die WM auf eine Formel hinausläuft: Sage mir, ob Damien Brunner trifft, und ich sage dir, ob die Schweizer den Viertelfinal erreichen.

Eishockey. Testspiele. Heute, 20.15 Uhr, Freiburg: Schweiz – Russland. Morgen, 17.45 Uhr, Biel: Schweiz – Russland.

Das Schweizer Aufgebot für die beiden Spiele. Torhüter (3): Lukas Flüeler (ZSC Lions), Jonas Hiller (Biel), Niklas Schlegel (ZSC Lions). – Verteidiger (8): Philippe Furrer (Lugano), Patrick Geering (ZSC Lions), Joël Genazzi (Lausanne), Fabian Heldner (Davos), Romain Loeffel (Genève), Christian Marti (ZSC Lions), Claude Paschoud (Davos), Dave Sutter (Biel). – Stürmer (13): Cody Almond (Genève), Andres Ambühl (Davos), Chris Baltisberger (ZSC Lions), Damien Brunner (Lugano), Gaëtan Haas (Biel), Fabrice Herzog (ZSC Lions), Denis Hollenstein (Kloten), Denis Malgin (Florida Panthers), Vincent Praplan (Kloten), Damien Riat (Genève), Kevin Romy (Genève), Reto Schäppi (ZSC Lions), Pius Suter (ZSC Lions). – Trainer: Patrick Fischer. – Assistenten: Tommy Albelin, Christian Wohlwend.

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