zurück
EISHOCKEY

Captain Diaz: «Das geht nicht»

Bis zur Spielmitte hält der EV Zug in Fribourg wacker mit. Dann sammelt er Strafen und Gegentore. Am Ende gehen die Zentralschweizer mit 0:6 unter.
14.01.2018 | 07:26

Daniel Gerber, Fribourg

sport@luzernerzeitung.ch

Früh geriet der EV Zug in Fribourg unter Druck – aber nicht aus dem Konzept. Hoch kochten die Emotionen, als der Puck in der 15. Minute irgendwo hinter EVZ-Keeper Tobias Stephan einschlug. Umgehend zeigten die Referees an, dass die Szene beim nächsten Unterbruch per Video studiert würde. Ein Gewitter an Pfiffen ergoss sich über die Unparteiischen. Insbesondere als a) das nächste Break rund zwei Minuten auf sich warten liess, b) Zug-Verteidiger Timo Helbling direkt vor der Gottéron-Fankurve entschlossen gegen Fribourgs John Fritsche aufräumte und c) Zug zuletzt mit einem Icing klärte. Erhellend waren die Bilder jedoch nicht, und so dürfte die Frage, ob Tor oder Torumrandung, nicht zuletzt mit der Shirt-Farbe zusammenhängen; für die Refs war es kein Tor. Und in der Endabrechnung sollte es auch schlicht keine Rolle spielen.

Dass der Tabellenzweite EV Zug auch im Mitteldrittel nicht Oberhand gewinnen konnte, lag unter anderem daran, dass die Mannschaft gleich mehrere Strafen kassierte. Eine davon nutzte Fribourg-Verteidiger Yannick Rathgeb zur 1:0-Führung für das Heimteam.

EVZ weiterhin am längsten in Unterzahl

Zwar konnte das Team von Trainer Harold Kreis 56 Sekunden in doppelter Unterzahl überstehen. Doch im Schlussdrittel folgte mit dem 3:0 von Andrey Bykov der zweite Gegentreffer im Boxplay. Die Frage stellt sich, was gewesen wäre, wenn zur Spielmitte keine Strafe (wegen übertriebener Härte) erfolgt wäre und das Heimteam dem launischen Publikum weiterhin ein 0:0 serviert hätte. Wäre Zug auch dann mit einem 0:6 pulverisiert worden? Oder wäre das Heimteam ausgepfiffen und mit flatternden Nerven in eine Niederlage geschickt worden? EVZ-Captain Raphael Diaz redete nach dem verlorenen ­Duell Klartext: «Wir haben zu viele Strafen genommen, irgendwann nutzten sie dies aus. Nach fast einer Woche Pause waren sie spritziger und frischer als wir. Bis zur Spielmitte konnten wir gut dagegenhalten, das war positiv.» Doch dann habe es mit den Strafen und Gegentoren begonnen.

Nach einer starken Phase von neun Siegen innerhalb von zehn Matches kassierte Zug eine heftige Klatsche, nicht zuletzt wegen der angesprochenen Strafenflut. 11:12 Minuten stand der EVZ mit einem bis zwei Mann weniger auf dem Eis (verteilt auf sieben kleine Bankstrafen; wovon sich David McIntyre und Johan Morant je eine 2 plus 2 Strafe leisteten). Somit bleibt Zug weiterhin die Mannschaft, die mit Abstand am längsten in dieser Saison in Unterzahl antritt. Vor dem Spiel waren es 287:26 Minuten (7:22 Minuten im Schnitt). «Das muss sich jetzt ändern», so Diaz. «Während ein paar Spielen haben wir das gutgemacht. Nun hat es uns wieder den Rhythmus gebrochen und dem Gegner das Momentum gegeben.

EVZ dennoch (fast) in den Playoffs

Schwacher Trost: Niemand übte das Boxplay so konsequent wie der EVZ, was in den Playoffs helfen könnte. Gleichzeitig darf die Frage gestellt werden, wo das Team stehen würde, wenn es nur ähnlich wenige Strafen wie der Vorjahresfinalgegner SC Bern gesammelt hätte (mit 164:17 Minuten ist der SCB das Team mit der kürzesten Unterzahlzeit). Dies nämlich würde bedeuten, dass die Innerschweizer zusammengerechnet zwei volle Spiele weniger lang Boxplay hätten spielen müssen.

Das Playoff-Rechnen dürfte für Zug im Grunde vorbei sein, auch wenn die neuntklassierten SCL Tigers noch 82 Punkte erreichen können, 13 mehr als der EV Zug aktuell mit seinen 69 Zählern. Noch lange nicht im Trockenen ist dagegen ein Rang, der Heimrecht garantiert, Davos liegt mit nur fünf Punkten Rückstand auf Rang fünf. Und die ZSC Lions sind mit sieben Zählern Rückstand auf den EVZ ebenfalls nicht sonderlich weit weg.

Das erste Kräftemessen in Fribourg in dieser Saison hatte Zug mit 3:0 für sich entschieden, auf eigenem Eis jedoch musste sich der EVZ mit 4:6 geschlagen geben, nun folgte die 0:6-Niederlage. Bereits am Dienstag gibt es das «Rückspiel» in Zug. «Wir müssen eine Reaktion zeigen», blickt Diaz nach vorn. «0:6 verlieren geht nicht. Jetzt müssen wir uns gut ausruhen, am Montag wieder ran an die Säcke und am Dienstag während 60 Minuten unser Spiel spielen und weniger Strafen nehmen.»

Fribourg-Gottéron – Zug 6:0 (0:0, 2:0, 4:0)

6014 Zuschauer. – SR Dipietro/Koch, Bürgi/Kovacs. – Tore: 35. Rathgeb (Holos, Mottet/Ausschluss Leeger) 1:0. 37. Cervenka (Bykow, Holos) 2:0. 42. Bykow (Slater/Ausschluss McIntyre) 3:0. 45. Rossi (Cervenka, Bykow) 4:0. 48. (47:38) Maret (Marchon, Schmutz) 5:0. 48. (47:48) Rossi (Bykow, Rathgeb) 6:0. – Strafen: 3-mal 2 Minuten gegen Fribourg-Gottéron, 8-mal 2 Minuten gegen Zug. 
Fribourg-Gottéron: Brust; Rathgeb, Chavaillaz; Holos, Stalder; Maret, Abplanalp; Kühni; Rossi, Bykow, Cervenka; Fritsche, Slater, Mottet; Neuenschwander, Meunier, Chiquet; Privet, Schmutz, Marchon.
Zug: Stephan; Diaz, Morant; Alatalo, Schmutz; Thiry, Leeger; Helbling, Geisser; Klingberg, McIntyre, Suri; Martschini, Roe, Stalberg; Schnyder, Zehnder, Lammer; Haberstich, Kast, Senteler.
Bemerkung: Zug ohne Diem (gesperrt) und Grossmann (verletzt). – 48. Time-out Zug.

Artikel zum Thema
Leserkommentare
Weitere Artikel