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FUSSBALL

Zum 70. Geburtstag wünscht sich Stierli neue FCL-Idole

Der frühere FCL-Präsident Walter Stierli gibt zu seinem heutigen 70. Geburtstag nach längerer Zeit wieder ein Interview. Er lobt den Klub, auf junge Spieler zu setzen. Gleichzeitig fehlen ihm Persönlichkeiten.
13.02.2018 | 07:56

Interview: Daniel Wyrsch

daniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch

Walter Stierli war von 2005 bis 2012 Präsident des FC Luzern. In seiner Ära ist der Verein in die Super League zurückgekehrt, das neue Stadion und die Akademie konnten gebaut und bezogen werden. Der heutige Ehrenpräsident gründete zudem die FCL Holding AG. Sein 25-Prozent-Aktienpaket ist noch immer treuhänderisch hinterlegt und bislang nicht an neue Investoren verkauft worden.

 

Walter Stierli, wie fühlen Sie sich mit 70 Jahren?

Danke, ich bin sehr zufrieden. Ich habe das Glück, gesund zu sein. Aber klar, man wird nicht jünger.

Mit wem und wo feiern Sie das runde Wiegenfest?

Mit meiner Lebenspartnerin und unseren Familien im Ausland.

Man weiss, dass Sie oft auf Kreuzfahrten sind. Was fasziniert Sie daran?

Bequemes Reisen, mit einem gewissen Luxus fremde Länder und Sitten kennen zu lernen.

Besuchen Sie noch oft die Heimspiele des FC Luzern?

Wenn ich in Luzern bin, dann ist das für mich ein Muss. Ich habe schon früher gesagt: «Einmal Blau-Weiss, immer Blau-Weiss.»

Die Vorrunde der laufenden Saison verlief aus FCL-Sicht enttäuschend. Was erwarten Sie vom zweiten Saisonteil?

Mit Ausnahme von Basel und YB sind die Mannschaften näher zusammengerückt. Für die Zuschauer ist das spannend, für die beteiligten Klubs weniger. Ich denke, dass die letzten drei Saisonrunden zu Zitterpartien werden. Allerdings hat der FC Sion in dieser Saison wieder zu viele Spieler gewechselt. Mag gar sein, dass es zu spät sein könnte, wenn sich die Mannschaft gefunden hat.

Der FC Luzern will gemäss der Vision 2021 Fussballfeste feiern und Pokale gewinnen. Wird der Verein, wie zuletzt 2012 mit Ihnen als Präsident, nochmals eine Saison spielen, die er als Zweiter der Liga und als Cupfinalist beendet?

Ich finde es richtig, dass jetzt auf die eigene Jugend gesetzt wird. Das braucht grossen Mut. Mit den Investoren, der Swisspor-Arena, dem Campus und den hervorragenden Trainingsbedingungen ist nun eine Basis vorhanden, auf der aufgebaut werden kann. Meiner Meinung nach fehlt es der Mannschaft aber noch an ein bis zwei Persönlichkeiten. Wir haben, das ist meine persönliche Meinung, zu viele Spieler in der Breite und zu wenige in der Spitze. Wäre das anders, würde der FCL vorne dabei sein.

Wie meinen Sie das?

Schon in der Ära von Romano Simioni spielten herausragende Leistungsträger beim FCL. Ich denke dabei an Roger Wehrli, Jürgen Mohr, Adrian Knup, Semir Tuce, Mac Tanner und noch früher David Fairclough oder Charly Elsener. Das waren Idole, das waren Kracher. In meiner Präsidentenzeit spielte Hakan Yakin, der wohl perfekteste Spieler, der je beim FCL unter Vertrag stand. Oder Daniel Gygax, Cristian Ianu, der in einer Saison 21 Tore schoss, und Abwehrchef Tomi Puljic, der viele entscheidende Treffer erzielte. Diese Spieler haben damals die ganze Region elektrisiert und die Zuschauer mobilisiert.

Wollen Sie damit sagen, solche Spieler fehlen heute?

So ist es, die jungen Spieler brauchen Vorbilder, Profis, die sie in schwierigen Situationen führen. Um noch einmal auf eine vorherige Frage einzugehen: Ich glaube nicht, dass man nur mit eigenen Spielern Pokale gewinnen kann. Wenn sich selbst der FC Lugano den Basler Goalgetter der letzten zwei Jahre, Marc Janko, leistet, sieht man, dass die Konkurrenz nicht schläft. Der FC Luzern ist eine Marke, und die Region hat eine hervorragende Lebensqualität zu bieten, da muss es doch möglich sein, etwas zu bewegen.

Trotz des optimalen Starts ins Kalenderjahr 2018 mit zwei Siegen: Was meinen Sie, welche Folgen hätte ein Abstieg für den FCL?

Daran mag ich gar nicht denken, auf alle Fälle verheerende – vor allem im Finanz- und Sponsorenbereich. Aber ich bin überzeugt, dieses Szenario wird nicht eintreten. Gerardo Seoane macht einen realistisch guten Job, so kenne ich ihn auch. Gerry hat schon als Spieler wie ein Trainer funktioniert, und er kennt die besonderen Verhältnisse in Luzern.

Was waren die schönsten Erlebnisse als FCL-Präsident?

Die beiden Cupfinals 2007 und 2012. Ein solches Ereignis im Vorfeld und am Spieltag zu erleben, ist unbeschreiblich. An einem Cupfinal fiebert die ganze Innerschweiz mit. Aber auch die Eröffnung der Swisspor-Arena wird mich mein Leben lang begleiten, weil bei mir damals eine grosse Belastung abgefallen ist.

Was war der schwierigste Moment in den sieben Jahren als Klubchef?

Im letzten Spiel im alten Allmendstadion – es war der entscheidende Abstiegsmatch in der Barrage gegen Lugano – verletzte eine Petarde den Linienrichter, und die Partie stand kurz vor dem Abbruch. Hätte der Schiedsrichter das Spiel abgebrochen, wäre der FCL zwangsrelegiert worden – ein Horrorszenario!

Unvergessen ist, wie Sie damals einschritten, mit dem Megafon an die Vernunft der Fans appellierten. Das Team mit Captain Gerardo Seoane feierte am Ende einen 5:0- Kantersieg. Zum Schluss die Frage: Was wünschen Sie sich zum 70. Geburtstag?

Gesund zu bleiben und zu hoffen, dass der FCL auch in den kommenden Jahren wieder erfolgreich sein wird – eben um Pokale zu gewinnen.

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