FC Luzern
12.08.2017 17:30

Die Hierarchie bleibt bestehen

  • Luzerns Pascal Schürpf (R) erzielt das 1:0 gegen Kriens Torwart Sebastian Osigwe.
    Luzerns Pascal Schürpf (R) erzielt das 1:0 gegen Kriens Torwart Sebastian Osigwe. | Philipp Schmidli (Luzern, 12. August 2017)
SCHWEIZER CUP ⋅ Beim 1:0-Sieg des FC Luzern gegen den unterklassigen SC Kriens erleben mehr als 6000 Zuschauer ein richtiges Fussballfest. Siegtorschütze für den FCL ist in der 70. Minute Pascal Schürpf.

Turi Bucher

arthur.bucher@luzernerzeitung.ch

Eine Halbzeit lang vermochte der SC Kriens im Zentralschweizer Cup-Duell dem FC Luzern Paroli zu bieten. Der SCK, dessen fussballerischer Alltag in der dritthöchsten Liga stattfindet, war dem Profiteam des FCL 45 Minuten lang ebenbürtig und begegnete der Luzerner Super-League-Mannschaft auf Augenhöhe. Schon wurde zur Pause in den Zuschauerrängen von einer möglichen Cup-Sensation diskutiert. «Doch dazu hätte es eine 1:0-Führung in der ersten Halbzeit gebraucht», analysierte der Krienser Sportchef Bruno Galliker nach der Partie. 

Die Torchancen waren durchaus da. SCK-Stürmer Nico Siegrist scheiterte in der 25. Minute vor FCL-Torhüter David Zibung, weil Luzerns Hekuran Kryeziu den Ball im letzten Moment blocken konnte. Und hätte derselbe Siegrist in der 42. Minute bei seinem Flachschuss genauer gezielt, dann wäre ..., dann hätte vielleicht ...

So ging es mit einem 0:0 in die Pause in der Swisspor-Arena – wobei die Krienser, die lange Zeit für die Unterhaltung sorgten, in der 45. Minute jedoch Glück hatten, dass der Luzerner Daniel Follonier mit seinem Weitschuss nur das «Lattenkreuz» traf.

Kriens konnte dem Druck des FCL nicht mehr standhalten

Nochmals eine solche Halbzeit und die Sensation wäre tatsächlich möglich gewesen. Aber eine solche zweite Halbzeit liess der FC Luzern nicht mehr zu. FCL-Trainer Markus Babbel muss in der Pause deutliche Worte gefunden haben. Die Luzerner machten von der 50. Minute weg enorm Druck. Nun fanden sich die Krienser minutenlang in die Zone vor dem eigenen Strafraum gepresst. In der 51. Minute zischte der Kopfball von Francisco Rodriguez knapp neben dem Pfosten vorbei. Kriens gab nochmals eine Antwort mit einem Flachschuss von Marco Wiget (52.), dann war die Luft plötzlich draussen. 

Kriens-Verteidiger Fisnik Hasanaj musste in der Folge (57.) beim Torpfosten stehend auf der Linie retten, Luzerns Pascal Schürpf köpfelte knapp daneben (64.), Shkejqim Demhasah hatte auch eine Kopfballchance (65.): Die FCL-Führung wäre nun verdient gewesen, und sie rückte immer näher. 
Der Siegtreffer fiel dann erst in der 70. Minute. Luzern liess am Krienser Strafraum nicht locker. Nach einem Rodriguez-Schuss konnte Kriens-Keeper Sebastian Osigwe nur zur Seite parieren, Schürpf war mit seinen langen Beinen für das 1:0 zur Stelle. So sorgte Schürpf dafür, dass die Hierarchie im Zentralschweizer Fussball bestehen bleibt. Der FC Luzern ist die Nummer 1; der SC Kriens ist die Nummer 2.

«Eine 1:0-Führung für uns hätte in der Mannschaft wohl mehr Kräfte freigesetzt als dieser Rückstand», vermutete der Krienser Präsident Werner Baumgartner nach dem Schlusspfiff. Baumgartner sagte aber auch: «Ich glaube, wir haben die Marke ‹SCK› sehr gut präsentiert.»
Ja, die Krienser waren nach dem 0:1 ziemlich platt, konnten nicht wirklich reagieren. Dass es nach Schürpfs Treffer 24 weitere Minuten spannend und bei diesem Mini-Sieg blieb, war letztlich auch einigen ungenauen FCL-Kontern zuzuschreiben. Schürpf traf in der 82. Minute noch die Latte.

Während Luzern mit einem Steigerungslauf in der 2. Halbzeit die Pflicht erfüllt hatte, können sich die Krienser nun voll und ganz auf die Mission «Challenge League» konzentrieren. Die Partie fand übrigens ohne einen beträchtlichen Teil der FCL-Anhänger statt. Eine Fan-Gruppierung hatte nämlich zum Boykott des Spiels aufgerufen, weil der SC Kriens sich aus finanziellen Gründen dazu entschlossen hatte, trotz Heimrecht im Stadion des FCL zu spielen. Für jene «Fans», welche das Spiel boykottiert hatten, hier also noch die Kurzzusammenfassung: Das Cup-Derby war ein tolles Fussballfest, die Stimmung war unglaublich gut, es hat so richtig Spass und Freude gemacht. 

Kriens – Luzern 0:1 (0:0)
Swisspor-Arena. – 6223 Zuschauer. – SR San.
Tor: 70. Schürpf 0:1.
Kriens: Osigwe; Urtic, Hasanaj, Fanger, Geri; Wiget 
(74. Sulejmani), Schilling, Cirelli (85. Selmani), Costa (66. Allou); Siegrist, Chihadeh.
Luzern: Zibung; Greter, Schmid, Schulz, Lustenberger; Follonier (66. Itten), Ugrinic (66. Custodio), Kryeziu, Schürpf; Rodriguez, Demhasaj (89. Jong).
Bemerkungen: Kriens ohne Fäh, Mangold, Marinkovic, Bürgisser (alle verletzt) und Seferagic (nicht im Aufgebot). Luzern ohne Juric, Schneuwly (beide gesperrt), Alves, Arnold und Schindelholz (alle verletzt). 45. Lattenschuss Follonier. 82. Lattenschuss Schürpf. Verwarnung: 80. Fanger (Reklamieren). 83. Cirelli (Foul). 90. Jong (Foul).

 Kriens-Captain Fanger: «Wir dürfen stolz auf uns sein»

Reaktionen Die Krienser konnten erhobenen Hauptes das Spielfeld in der Swisspor-Arena verlassen. Von den vielen grünweissen Fans wurden sie minutenlang für den tollen Cup-Fight gegen den grossen Nachbarn FC Luzern gefeiert. Eine geschlagene Viertelstunde liess sich gar Nico Siegrist (26) für die Anhänger Zeit. Schliesslich waren ein paar Freunde mit einem riesigen Porträt des früheren FCL-Jungstürmers im Stadion und feuerten ihn an. Der gebürtige Adligenswiler hatte in der ersten Halbzeit zwei gute Chancen für den Führungstreffer des Aussenseiters Kriens auf dem Fuss.

Ausgepumpt kämpfte sich Siegrist bei der Solo-Ehrenrunde über den Rasen. Für ein Interview stellte er sich nicht zur Verfügung. «Ich habe vor dem Cup-Derby genug gesprochen, jetzt sind andere aus unserem Team an der Reihe», meinte der eigenwillige Sportlehrer-Student und entschuldigte sich. 

Kein Unterschied von zwei Spielklassen

Die richtigen Worte für die aufopferungsvolle Darbietung des Vorortsvereins fand SCK-Captain Daniel Fanger (29). «Wir dürfen stolz sein auf unsere Leistung, vor dieser Kulisse schlugen wir uns gut», sagte der Verteidiger. Die Krienser hatten sich vor 6223 Fans tatsächlich hervorragend präsentiert. «Die zwei Klassen Unterschied, die zwischen der Super-League-Mannschaft Luzern und uns, dem Team aus der Promotion League, liegt, habe ich nicht gesehen», stellte Fanger zu Recht fest. «Wir haben dem FCL das Leben schwergemacht», sagte der Ex-Luzern-Profi aus Kriens. Schade fand Fanger, dass die erwähnten zwei Konterchancen nicht den Weg ins Tor gefunden hatten. Wie SCK-Trainer Bruno Berner musste Fanger zugeben: «In der zweiten Halbzeit ist uns irgendwann die Kraft ausgegangen.» 

Während FCL-Coach Markus Babbel in der 66. Minute mit Olivier Custodio und Cedric Itten zwei Stammspieler der ersten Meisterschaftsphase einwechseln konnte, war es Berner nicht möglich, mit Einwechslungen für frische Impulse zu sorgen. Dafür ist sein Kader derzeit doch etwas zu wenig stark besetzt. 

Zum Nutzniesser der intensivierten Bemühungen der Luzern-Profis während der zweiten Halbzeit wurde Pascal Schürpf (28). Seine zweite Topchance nutzte er in der 70. Minute zum 1:0-Siegtreffer. «Das war ein echtes Cup-Derby, die Krienser haben uns die Aufgabe nicht leichtgemacht.» Gefallen hat dem Ex-Basler an der Leistung der Blauweissen, dass sie geduldig geblieben seien und sich durchgesetzt hätten. «Wir hätten noch mehr Tore erzielen können.»

Für Markus Babbel war die Partie, «das erwartet schwierige Cupspiel». Hauptsache, er ist mit seinem Team weitergekommen. Schön war, wie sich am Ende alle lieb hatten. Kriens-Medienchef Thomas Tobler lobte die Zusammenarbeit mit dem FCL in dessen Stadion. Die beiden Coaches umarmten sich, das passte zu diesem fairen Derby.

Daniel Wyrsch

daniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch 

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Kommentare

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12.08.2017 22:07

Hilfe, wie kann man nur immer wieder Grether bringen? Er ist wohl der mit Abstand schlechteste Fussballer der Super sowie Challenge League! Aber auch Schürpf (trotz des Tores) sowie Follonier waren schlechter als die meisten Krienser Spieler!! Zudem sah man ein weiteres Mal, dass Kryeziu nicht in Top Form und ganz sicher kein Regisseur ist! Ein glücklicher Luzerner Sieg und einmal mehr eine spielerisch sehr schwache Leistung!! Der FCL wàre gut beraten schleunigst einen Regisseur zu verpflichten! Den Rodriguez und C. Schwegler alleine werden wohl kaum reichen, um eine sorgenfreie Saison spielen zu können!!

René Bättig ⋅ Beiträge: 363
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13.08.2017 00:36

Und was ist mit dem schwachen Itten? Der ungefährlichste Stürmer der Liga - völlig überschätzt mit seinen geschenkten Daueraufgeboten in der Meisterschaft.
Der Lieblingsspieler des Baslers Rahmen und Babbels. Mit Leistung hat das wahrlich nun gar nichts mehr zu tun! Kryeziu ist sicher ebenfalls völlig überschätzt, spult lustlos sein Pensum ab und bringt keine Impulse.
Ich frage mich ernsthaft, was die trainieren die ganze Zeit! Sieht das denn eigentlich beim FCL niemand in der vorgelagerten Vorstandsetage? Hat denn dort gar niemand kritische Fragen über die fragwürdigen Trainerentscheide? Haben Babbel und Rahmen einen Freibrief? Sind die beiden Trainer überhaupt lernfähig und selbstkritisch genug, um mehr Leistung von jedem einzelnen Spieler einzufordern bzw. diese Leistung auf dem Platz entfalten zu lassen?

Peter Steiner ⋅ Beiträge: 130
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14.08.2017 11:41
als Antwort auf das Posting von Peter Steiner am 13.08.2017 00:36

Sie sprechen mir aus dem Herzen! Itten bringt gar nichts und vor allem macht er keine Vortschritte!!! Ich frage mich wirklich, was Spieler, wie Grether. Schürpf, Feka etc. beim FCL zu suchen haben! Kryeziu würde ich sofort verkaufen! Er war noch nie überragend sondern ein biederer Kämpfer und wird seitens des FCL total überbewertet! Auf keinen Fall jedoch ist er ein Spielgestalter und momentan kommt dazu, dass er lust- und motivationslos sein Programm abspult! Die 3 Basler Flops (Itten, Schürpf und Grether) haben sicher Rahmen und Gaugler verbrochen! Da redet man immer vom Sparen und holt solche *Anti Fussballer*, die auch kosten anstelle von endlich 2-3 qualitativ genügenden Spieler zu engagieren! Ja ich finde es auch tragisch, dass die Trainer dies nicht sehen, respektive solche Spieler immer wieder aufstellen! Aber momentan hat der FCL eben gar kein Spielsystem! Keine Flügelläufe, keine Pässe in die Tiefe, keine 1 zu 1 Situationen, keinen Spielplan! Einfach nur tragisch...!

René Bättig ⋅ Beiträge: 363
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14.08.2017 13:16

Das mit dem scheinbaren Sparen ist effektiv kurzsichtig. Oder „sparen, egal was es kostet“. Im Klartext: viel Quantität, maue Qualität. Was heisst das nun konkret auf der Kostenseite? Jeder Kaufmann weiss, dass jegliche Art von Lohn-Nebenkosten exorbitant ins Kraut schiessen. Zum einen verpflichte ich so also mehr Spieler von minderer Qualität. Auf den ersten Blick: Einsparung erzielt, alle scheinen happy – aber Achtung - auf den zweiten – erkleckliche Mehrkosten, welche die Einsparungen auffressen! Lohnnebenkosten sind das eine, sogenannte Arbeitsplatzkosten mit allem Drum und Dran das andere (Benützung Infrastrukturen und gesamte Ausrüstung, Sprachschulen, Spesenvergütungen, plus plus). Wenn ich diese Spieler dereinst – gewollt oder ungewollt – transferieren will, habe ich bei fraglicher Qualität sofort ein weiteres Problem: ich kriege kaum Erlöse oder muss sie, wie Affolter, praktisch notgedrungen auszahlen, damit sie von der Lohnliste kommen! Sorry, das ist kurzsichtiges Handeln!

Hans Mahlstein ⋅ Beiträge: 357
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