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FC LUZERN

Junger Wolf für seinen Mut belohnt

Der FC Luzern hat in Marbella ein Testspiel gegen Feyenoord Rotterdam 1:2 verloren. Sportkoordinator Remo Meyer sagt, dass er in der Winterpause einen dynamischen Mittelfeldspieler verpflichten will.
14.01.2018 | 09:14

Daniel Wyrsch, Marbella

daniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch

Wenn Remo Meyer auf dem Wintertransfermarkt einen dynamischen Mittelfeldspieler mit dem passenden Preisschild ergattern kann, dann wird der Sportkoordinator zuschlagen. Obwohl der FC Luzern im gestrigen Testspiel gegen den niederländischen Spitzenverein Feyenoord Rotterdam eine geschlossene Teamleistung zeigte, existiert das Problem aus den ersten 19 Saisonspielen weiter: Es fehlt ein Lenker und Denker im Zentrum.

Runar Mar Sigurjonsson von GC war Luzern angeboten worden, doch der Spieler dürfte statt in die Innerschweiz in die Ostschweiz zum FC St. Gallen wechseln. Meyer sucht einen sogenannten Achter, der als Dreh- und Angelpunkt das FCL-Spiel im Zentrum schneller macht und zudem defensiv stabilisiert.

Ein oder zwei neue Spieler könnten noch kommen

Meyer: «Ich gehe davon aus, dass noch ein oder zwei neue Spieler zu uns stossen.» Neben dem erwähnten Aufbauer denkt der sportliche Leiter an einen zusätzlichen Innenverteidiger, weil Lucas Alves und Nicolas Schindelholz immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen haben. Gegen Feyenoord spielten beide nicht.

Sonst aber wird kaum mehr etwas in Sachen Zuzüge passieren. Denn Meyer stellt fest, dass der FCL mit einem Kader von 28 Leuten «zu viele Spieler» hat. «Zuzüge müssen besser sein und uns weiterbringen», sagt der 37-Jährige. Er hole nicht einfach Spieler, damit er sie geholt habe.

Keine Verwendung hatten Meyer und der neue Trainer Gerardo Seoane für GC-Offensivmann Florian Kamberi (22). Der Testspieler erhielt eine Absage.

Jantscher kein Thema – Haas im Moment auch nicht

Auch der frühere Luzerner Publikumsliebling Jakob Jantscher (28), der nach seinem Türkei-Abenteuer seit über einem Monat vereinslos ist, steht nicht auf dem Wunschzettel: «Er ist ein guter Spieler, der wie Jahmir Hyka individuelle Klasse besitzt und den FCL-Gegnern weh tat. Aber auf den Aussenbahnen haben wir mit Kutesa, Vargas, Schürpf, Follonier und Schneuwly insgesamt fünf Leute», so Meyer.

Zur Personalie Nicolas Haas (22), den Atalanta Bergamo offenbar ausleihen möchte, sagt der FCL-Sportkoordinator: «Ehemalige Eigengewächse verfolgen wir immer, aber Nicolas ist vom Typ her einer, der sich bestimmt durchbeissen will.» Zumindest in dieser Saison sei Haas kein Thema beim FC Luzern.

Eine eindeutige Meinung hat Meyer ausserdem zum Ex-Internationalen Reto Ziegler (32), der den FCL in Richtung USA und den MLS-Verein FC Dallas verlassen hat. «Bei ihm stimmte für uns das Gesamtpaket nicht», stellt er fest.

Trainer Gerardo Seoane fand bei seinem ersten Coaching-Einsatz für Luzerns Super-League-Team seit April 2013 (1:2 in Sion) gegen Rotterdam ein Rezept, um im Abwehrverhalten stärker zu sein als in der Vorrunde: «Wir haben den Fokus vor allem auf die Defensive gelegt; kompakt sein, den Gegner auch mal hoch angehen, tiefer stehen.»

Seoane wirkte nach dem Testmatch erstaunlich ruhig und meinte weiter: «Im Grossen und Ganzen können wir zufrieden sein. Sicher hatten wir noch nicht die Dynamik und Aggressivität, wie wir uns das in drei Wochen zum Start gegen Lausanne vorstellen.» Aber der 39-jährige Coach durfte auch zur Kenntnis nehmen, dass seine Mannschaft gegen einen Gegner, der im Herbst in der Champions League spielte, eine «ganz ordentliche Leistung» zeigte. Für Feyenoord beginnt in einer Woche die Meisterschaft, «die Holländer sind einiges weiter in der Vorbereitung als wir», sagte Seoane.

Wolf nur dank erkrankten Spielern in Marbella

Zum Traumschuss von Stefan Wolf (19) in die hohe Ecke zum zwischenzeitlichen 1:1 (53.) sagte Seoane: «Dieses schöne Tor freut mich für ihn. Stefan hat damit den anderen Jungen und allen Mitspielern gezeigt, dass es sich lohnt, Risiken einzugehen und mutig aufzutreten.» Stefan Wolf II (es gab ja schon einmal einen FCL-Captain und Nationalspieler mit demselben Namen, der übrigens heute beim FC St. Gallen Verwaltungsrat ist) spielte die letzten zwei Jahre unter Seoane in der U21.

Weil Idriz Voca und Remo Arnold grippekrank ausfielen, durfte Mittelfeldspieler Wolf überhaupt mit nach Marbella. Ein Zufall? Seoane: «Nein, er hat sich die Teilnahme verdient. Und im Spiel ist er parat gewesen.» Der Trainer hält den Ball aber bewusst flach: «Überbewerten darf man dieses Testspieltor nicht.»

Luzern – Feyenoord Rotterdam 1:2 (0:1)

Municipal, Marbella. – 2000 Zuschauer. – SR Moreno Muñoz (ESP). – Tore: 41. Jörgensen 0:1. 53. Wolf 1:1. 63. Tapia 1:2.

Luzern: Zibung; Grether, Schmid (73. Knezevic), Knezevic (46. Schulz), Lustenberger (46. Feka); Schneuwly (73. Rodriguez), Kryeziu (73. Ugrinic); Follonier (46. Kutesa), Ugrinic (46. Wolf), Vargas (46. Jong/65. Vargas); Juric (46. Demhasaj). – Bemerkungen: Luzern ohne Schwegler, Schürpf, Custodio und Sidler (alle verletzt), Lucas Alves (leicht verletzt geschont), Arnold und Voca (beide krank und nicht im Trainingslager anwesend).

Video: Ex-FCL-Profi Renggli: «Wolf hat hervorragend geschossen – wie ich früher»

Der langjährige Ex-FCL-Profi Michel Renggli (37) ist Talentmanager und im Trainingslager in Marbella unter anderem als Assistenztrainer auf dem Platz im Einsatz. Renggli lobt die enge Zusammenarbeit mit dem neuen Cheftrainer Gerardo Seoane. (Daniel Wyrsch)



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