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FUSSBALL

Lebloser FCL steckt tief in der Krise

Die schwache Luzerner Mannschaft erntet nach der 0:3-Heimschlappe gegen Lausanne ein gellendes Pfeifkonzert. Markus Babbel verteidigt das junge Team.
17.05.2017 | 22:06

Mental tot war die Mannschaft des FC Luzern am gestrigen Abend vor der Minuskulisse von 8707 Zuschauern in der Swiss­por-Arena nicht. Aber über die überwiegende Dauer des Spiels ziemlich leblos. Hauptgeldgeber Bernhard Alpstaeg (71) schaute von der Haupttribüne alles andere als amüsiert auf das Geschehen auf dem Rasen.

Nach der 0:3-Heimschlappe gegen Lausanne bekamen die FCL-Spieler den Unmut der eigenen Anhänger in Form eines gellenden Pfeifkonzerts zu spüren. «Wir wollen euch kämpfen sehen!», skandierten sie anschliessend. Luzern-Cheftrainer Markus Babbel nahm die Missfallenskundgebung der Fans nicht besonders tragisch: «Gott sei Dank haben wir Emotionen hier.» Mit einem weiterlaufenden Vertrag bis zum Ende der nächsten Saison in der Tasche, lässt es sich leicht leben. Obwohl der FCL soeben die fünfte Niederlage in Serie kassiert hatte, wirkte der Coach sehr gelassen.

Video: FANalyse: FCL - FC Lausanne-Sport

Der FC Luzern verliert zum fünften Mal in Folge - und das in der heimischen Swissporarena gegen den Abstiegskandidat FC Lausanne-Sport mit 0:3. Wie die Fans die momentane Situation des Vereins einschätzen sehen Sie hier. (Sara Häusermann / Luzernerzeitung.ch , 17. Mai 2017)

Bildergalerie: FC Luzern - FC Lausanne-Sport 0:3

5. Niederlage in Serie: Der FC Luzern verliert in der Swisspor-Arena gegen Lausanne-Sport.

Warum er denn Ricardo Costa, den bislang enttäuschenden 36-jährigen Abwehrchef, ausgerechnet in der gestrigen viertletzten Runde erstmals auf die Bank setzte, wurde Babbel gefragt. Seine Antwort: «Weil wir in einer englischen Woche stecken, wir müssen die Kräfte einteilen.» Also setzte Babbel auf den jungen Remo Arnold als Chefverteidiger. Doch dem 20-Jährigen fehlte beim zweiten Saisoneinsatz in der Startformation offensichtlich die Spielpraxis. Zusammen mit Arnold spielten beim FCL mit Jonas Omlin (23), Hekuran Kryeziu (24), Stefan Knezevic (20), Filip Ugrinic (18), Idriz Voca (20) und dem in der zweiten Halbzeit eingewechselten Nicolas Haas (21) insgesamt sieben Eigengewächse. Das ist auf der einen Seite toll, aber wenn eine Mannschaft derart uninspiriert und blutleer auftritt wie die Innerschweizer gegen das abstiegsbedrohte Lausanne, ist das kein Gütezeichen.

Forciert Babbel auf einmal zu viele unerfahrene Spieler?

Deshalb die Frage an Babbel, warum er mit seiner fussballerischen Reputation es zuliess, dass Luzern mit einer solch ausgedünnten Mannschaft auf dem besten Weg ist, auch den letzten Europacup-Startplatz (Rang 5) zu verspielen? Der FCL-Trainer verteidigte die Absichten der sparenden Vereinsbesitzer: «Wir gehen unseren Weg. Wann sollen wir die Jungen einsetzen, wenn nicht jetzt?» Der FCL könne schliesslich nicht mehr absteigen, sagte er. Angesprochen auf die plötzlich zuhauf eingesetzten Nachwuchsleute, meinte Babbel: «Natürlich haben wir Augenmass, wir sind keine Pappnasen, welche die Entscheidungen tätigen.» Und: «Die Jungen können extrem viel mitnehmen aus solchen Phasen. Wir unternehmen alles, um ein gesundes Mittelmass zu finden.»

FCL sieht bei allen Gegentoren schlecht aus

Gegen Lausanne, das mit leicht erzielten Toren zu einem wichtigen Sieg im Kampf um den Ligaerhalt kam, sah es nicht danach aus. Gabriel Torres (18.), Samuele Campo (41.) mit einem Freistoss und Benjamin Kololli (54.) per Foulpenalty schossen die Tore. Der FCL sah bei allen Gegentoren schlecht aus. Eine unglückliche Figur machte Goalie Jonas Omlin beim Freistoss aus 30 Metern: Den Flatterball konnte er wie vor zwei Jahren gegen Basels Gashi nicht wegfausten. Den Elfmeter zum 0:3 hatte Omlin ausserdem mit einem Foul an Torres verursacht.

Babbel gab wenigstens zu, was alle im Stadion sahen: «Wir müssen wieder Selbstvertrauen tanken.» Am Sonntag geht es nach Sion, vor Wochen noch der FCL-Konkurrent um Platz 3.

Daniel Wyrsch

daniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch

 


Luzern - Lausanne-Sport 0:3 (0:2)

8707 Zuschauer. - SR Schärer. - Tore: 19. Torres (Kololli) 0:1. 41. Campo (Freistoss) 0:2. 55. Kololli (Foulpenalty) 0:3.

Luzern: Omlin; Knezevic, Arnold, Affolter; Voca (57. Rodriguez); Christian Schneuwly, Kryeziu, Ugrinic (46. Haas), Schürpf; Juric (57. Itten), Marco Schneuwly.

Lausanne-Sport: Castella; Lotomba, Diniz, Monteiro, Taiwo (69. Gétaz); Campo, Maccoppi, Pasche (69. Custodio); Kololli, Torres, Ben Khalifa (80 Pak).

Bemerkungen: Luzern ohne Lustenberger (gesperrt) sowie Zibung, Neumayr und Lucas (alle verletzt), Lausanne ohne Blanco, Frascatore und Margiotta (alle verletzt). Verwarnung: 58. Kololli (Foul). 83. Haas (Foul).

Bildergalerie: FCL - FC Lausanne-Sport: Die Bilanz

Bewertungen: Daniel Wyrsch. (Martin Meienberger/freshfocus )

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