FC Luzern
17.05.2017 22:06

Lebloser FCL steckt tief in der Krise

  • FCL-Goalie Jonas Omlin (rechts) hält Lausannes Gabriel Torres und verschuldet so einen Penalty.
    FCL-Goalie Jonas Omlin (rechts) hält Lausannes Gabriel Torres und verschuldet so einen Penalty. | Keystone
FUSSBALL ⋅ Die schwache Luzerner Mannschaft erntet nach der 0:3-Heimschlappe gegen Lausanne ein gellendes Pfeifkonzert. Markus Babbel verteidigt das junge Team.

Mental tot war die Mannschaft des FC Luzern am gestrigen Abend vor der Minuskulisse von 8707 Zuschauern in der Swiss­por-Arena nicht. Aber über die überwiegende Dauer des Spiels ziemlich leblos. Hauptgeldgeber Bernhard Alpstaeg (71) schaute von der Haupttribüne alles andere als amüsiert auf das Geschehen auf dem Rasen.

Nach der 0:3-Heimschlappe gegen Lausanne bekamen die FCL-Spieler den Unmut der eigenen Anhänger in Form eines gellenden Pfeifkonzerts zu spüren. «Wir wollen euch kämpfen sehen!», skandierten sie anschliessend. Luzern-Cheftrainer Markus Babbel nahm die Missfallenskundgebung der Fans nicht besonders tragisch: «Gott sei Dank haben wir Emotionen hier.» Mit einem weiterlaufenden Vertrag bis zum Ende der nächsten Saison in der Tasche, lässt es sich leicht leben. Obwohl der FCL soeben die fünfte Niederlage in Serie kassiert hatte, wirkte der Coach sehr gelassen.

Warum er denn Ricardo Costa, den bislang enttäuschenden 36-jährigen Abwehrchef, ausgerechnet in der gestrigen viertletzten Runde erstmals auf die Bank setzte, wurde Babbel gefragt. Seine Antwort: «Weil wir in einer englischen Woche stecken, wir müssen die Kräfte einteilen.» Also setzte Babbel auf den jungen Remo Arnold als Chefverteidiger. Doch dem 20-Jährigen fehlte beim zweiten Saisoneinsatz in der Startformation offensichtlich die Spielpraxis. Zusammen mit Arnold spielten beim FCL mit Jonas Omlin (23), Hekuran Kryeziu (24), Stefan Knezevic (20), Filip Ugrinic (18), Idriz Voca (20) und dem in der zweiten Halbzeit eingewechselten Nicolas Haas (21) insgesamt sieben Eigengewächse. Das ist auf der einen Seite toll, aber wenn eine Mannschaft derart uninspiriert und blutleer auftritt wie die Innerschweizer gegen das abstiegsbedrohte Lausanne, ist das kein Gütezeichen.

Forciert Babbel auf einmal zu viele unerfahrene Spieler?

Deshalb die Frage an Babbel, warum er mit seiner fussballerischen Reputation es zuliess, dass Luzern mit einer solch ausgedünnten Mannschaft auf dem besten Weg ist, auch den letzten Europacup-Startplatz (Rang 5) zu verspielen? Der FCL-Trainer verteidigte die Absichten der sparenden Vereinsbesitzer: «Wir gehen unseren Weg. Wann sollen wir die Jungen einsetzen, wenn nicht jetzt?» Der FCL könne schliesslich nicht mehr absteigen, sagte er. Angesprochen auf die plötzlich zuhauf eingesetzten Nachwuchsleute, meinte Babbel: «Natürlich haben wir Augenmass, wir sind keine Pappnasen, welche die Entscheidungen tätigen.» Und: «Die Jungen können extrem viel mitnehmen aus solchen Phasen. Wir unternehmen alles, um ein gesundes Mittelmass zu finden.»

FCL sieht bei allen Gegentoren schlecht aus

Gegen Lausanne, das mit leicht erzielten Toren zu einem wichtigen Sieg im Kampf um den Ligaerhalt kam, sah es nicht danach aus. Gabriel Torres (18.), Samuele Campo (41.) mit einem Freistoss und Benjamin Kololli (54.) per Foulpenalty schossen die Tore. Der FCL sah bei allen Gegentoren schlecht aus. Eine unglückliche Figur machte Goalie Jonas Omlin beim Freistoss aus 30 Metern: Den Flatterball konnte er wie vor zwei Jahren gegen Basels Gashi nicht wegfausten. Den Elfmeter zum 0:3 hatte Omlin ausserdem mit einem Foul an Torres verursacht.

Babbel gab wenigstens zu, was alle im Stadion sahen: «Wir müssen wieder Selbstvertrauen tanken.» Am Sonntag geht es nach Sion, vor Wochen noch der FCL-Konkurrent um Platz 3.

Daniel Wyrsch

daniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch

 


Luzern - Lausanne-Sport 0:3 (0:2)

8707 Zuschauer. - SR Schärer. - Tore: 19. Torres (Kololli) 0:1. 41. Campo (Freistoss) 0:2. 55. Kololli (Foulpenalty) 0:3.

Luzern: Omlin; Knezevic, Arnold, Affolter; Voca (57. Rodriguez); Christian Schneuwly, Kryeziu, Ugrinic (46. Haas), Schürpf; Juric (57. Itten), Marco Schneuwly.

Lausanne-Sport: Castella; Lotomba, Diniz, Monteiro, Taiwo (69. Gétaz); Campo, Maccoppi, Pasche (69. Custodio); Kololli, Torres, Ben Khalifa (80 Pak).

Bemerkungen: Luzern ohne Lustenberger (gesperrt) sowie Zibung, Neumayr und Lucas (alle verletzt), Lausanne ohne Blanco, Frascatore und Margiotta (alle verletzt). Verwarnung: 58. Kololli (Foul). 83. Haas (Foul).

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  • FANalyse: FCL - FC Lausanne-Sport

Kommentare

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17.05.2017 22:35

denke...hier noch etwas zu sagen und schreiben ist
tatsächlich des Wortes und der Tinte nicht mehr wert.

Hannes Estermann ⋅ Beiträge: 507
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18.05.2017 05:15
als Antwort auf das Posting von Hannes Estermann am 17.05.2017 22:35

Braucht für das Verfassen auf dem online Segment Tinte?!

Marco Barmettler ⋅ Beiträge: 28
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17.05.2017 23:24

Vorschlag an den FCL-Vorstand:
Offerieren Sie dem FC Vaduz, dass der FCL freiwillig absteigt, um einen Neuanfang zu starten, denn die Lichtensteiner spielen um einiges besser. Mit Kriens gäbe es wieder ein spannendes Derby, denn dieser Club wird wohl den Aufstieg - nach einem Vorsprung von 8 Punkten - auch vermasselt haben.

René Wobmann ⋅ Beiträge: 76
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18.05.2017 00:56

Katastrophal! Omlin ist definitiv nicht Zibung und seit der Ablösung von Zibung hat Luzern kaum mehr einen Punkt geholt! Es wäre zu einfach wenn Spieler wie Voca (der ist noch nicht so weit!), Knezevic und Arnold bestandene Super League Spieler ersetzen könnten! Der FCL benötigt 2 richtig gute Verteidiger und dann kann man junge Spieler einbauen! Aber ohne stabile Abwehr geht es einfach nicht! Zudem ist es Zeit, dass M. Schneuwly endlich einen Abgang macht, denn er ist Spiel für Spiel weder ein Vorbild noch birgt er für Torgefahr! Es bringt auch nichts, jedes Mal eine neue Aufstellung zu bringen, denn so wächst die Verunsicherung von Spiel zu Spiel! Nun ist auch Babbel mitschuldig und vom Virus befallen, denn er wirkt total Ideen- und ratlos! Gute Nacht Fc Luzern! Eigentlich müsste Luzern absteigen, damit die Teppichetage endlich realisiert, dass es so nicht geht und die vielen jungen FCL Spieler nicht oder nicht nicht für höhere Aufgaben genügen! Einfach nur unverständlich und traurig.

René Bättig ⋅ Beiträge: 358
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18.05.2017 08:01

Herr Babbel kann ja machen was er will, es ist falsch. Wenn er Costa bringt ist es falsch, wenn er ihn nicht bringt ist es der falsche Zeitpunkt.... Schon mal davon gehört, dass Lausanne schnelle Stürmer hat?
Ok, hat gestern trotzdem nicht geklappt.
Jonas Omlin seinen Fehler im Basel Spiel (wie lange ist das schon wieder her?) unter die Nase zu reiben ist doch bloss billige Polemik. In die selbe Kategorie gehört die Aussage, dass Herr Babbel gut ruhig reden kann, weil er ja einen Vertrag bis 2018 besitzt. Was soll er in ihren Augen machen? Wie Rumpelstilzchen an der Seite toben? Das hatten wir in Luzern auch schon....
Und jawohl, wir Fans dürfen die Spieler auffordern zu kämpfen. Das ist das mindeste, was ein Spieler machen kann, wenn der FCL so einen Negativ-Lauf hat.

Pascal Esch ⋅ Beiträge: 1
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18.05.2017 10:25

Grausames Spiel, unterirdische Leistung, Babbels Sprüche verpuffen ins Leere, sang- und klanglos - so weit, so gut!
Aber: er hat recht: wann, wenn nicht jetzt soll er die Jungen bringen und sie die fehlende Spielpraxis holen lassen?? Absolut richtig! Soll er denn nach einigen Meinungen hier mit den "gestandenen" Spielern spielen? Mit all den Schneuwlys, Schürpfs, Grethers, Lustenbergers, Affolters, Jurics und wie die keineswegs besseren Versager alle heissen? Nein! Mir ist es lieber, er lässt die Jungen Fehler machen, damit sie sich die wichtige Spielpraxis holen und daraus lernen können! Hundert mal besser, als die ewigen Versager aufzustellen! Die lernen es nämlich nie mehr! Diese Saison ist gelaufen, meine Herren - werdet bitte realistisch!

Peter Steiner ⋅ Beiträge: 128
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18.05.2017 12:37

Nichts Neues in der Zentralschweiz, nichts Neues zum Innenleben es FCL.
Die FCL-Führung und –Geldgeben habe ein Faible dafür, im genau falschen Moment die genau falschen Worte in den Mund zu nehmen. Als Psychologen wären sie keine Helden. In ihrer heutigen Funktion sind sie es – leider – auch nicht. In diesem Licht erscheint der FCL immer wieder als Fasnachts-Truppe, die kaum je eine gute Ausgangslage mittel- bis langfristig für sich verwerten kann. Schade, denn Luzern und vor allem die loyalen, leidenschaftlichen Fans hätten Besseres verdient.
Ich würde mich dafür hüten, Babel allzu sehr für die aktuelle Lage zu kritisieren. Einzige Einschränkung: Seine Kritik, die via Medien die Mannschaft hätte aufrütteln sollen, war nicht zielführend.

Andi Vogel ⋅ Beiträge: 1
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18.05.2017 13:44

Es wurde und wird beim FCL einfach zu viel Falsch gemacht. Für mich fangt es da an, dass ehemalige Fussballspieler wie ein Kälin sich anmuten ein CEO sein zu können. Er mag ein guter Fussballer gewesen zu sein, aber deswegen ist er noch lange kein guter CEO. Für mich hat es viel zu viel junge Spieler auf dem Feld, drei bis vier ok.. aber nicht die halbe Mannschaft. Mir fehlen die Führungspieler, wie es ein Puljic war. Ja eine Achse von Führungspieler. Neben jenen junge Spieler heranreifen können. So wie jetzt werden die jungen verheizt. Ja es steigt ihnen dann sogar in den Kopf. Bsp. Haas. Grossen Respekt habe ich von Babbel, wie er sich in dieser Situation verhält. Da zeigt er seine grosse Erfahrung und Klasse. Von dem könnte der FCL so viel mehr gebrauchen. Daher braucht es zwingend in der Verteidigung, Mittelfeld und Sturm für nächste Saison insgesamt drei Führungsspieler. Wenn man jetzt nicht investiert, dann spielt man nächste Saison klar um den Abstieg.

Daniel Lötscher ⋅ Beiträge: 130
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18.05.2017 15:38

Malt den Teufel nicht an die Wand. Angesichts des ziemlichen Umbruchs, der diese Saison stattgefunden hat, darf man mit der Saison über die ganzen bisherigen 32 Spielen zufrieden sein. Die Mannschaft ist jung und braucht die positiven Resultate um mit breiter Brust auftreten zu können. In den guten Phasen der Saison hatten wir oft das Glück auf unserer Seite. Der Fc Luzern ist nun mal (noch) nicht so konstant um um die Top 3 Plätze mitzuspielen.
Allerdings geht der Fc L den richtigen Weg. Omlin, Knezi, Arnold, Voca, Ugrinic erhielten einmal mehr das Vertrauen von Babbel. Diese Jungs haben Qualität und werden uns noch Freude bereiten.

Joel Bättig ⋅ Beiträge: 3
» antworten

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