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FUSSBALL

FC Luzern für tolle Moral belohnt

Der FC Luzern gewinnt auch das zweite Spiel unter dem neuen Trainer Gerardo Seoane: Nach dem 2:1-Sieg bei GC halten Seoane und Siegtorschütze Christian Schneuwly den Ball flach.
11.02.2018 | 18:28
Aktualisiert:  11.02.2018, 21:00

Daniel Wyrsch, Zürich

daniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch

Der Luzerner Jubel im Letzigrundstadion war nach dem 2:1-Sieg über die Grasshoppers gross. 200 FCL-Fans, die trotz der Fasnacht nach Zürich gereist waren, sangen mit Inbrunst. Die Spieler lagen sich in den Armen, Tomi Juric reckte die Fäuste in den regnerischen Himmel. Der australische Nationalspieler durfte sich über sein sechstes Saisontor – zum 1:1-Ausgleich in der 80. Minute – freuen. Nur einer blieb gelassen, ganz wie es seinem ausgeglichenen Naturell entspricht: Christian Schneuwly. Vier Tage nach seinem 30. Geburtstag am 7. Februar hatte er den FC Luzern zum Vollerfolg gegen GC geschossen. Übrigens der erste Luzern-Sieg in Zürich über Rekordmeister GC seit fast viereinhalb Jahren und dem 30. November 2013 (ebenfalls ein 2:1).

Schneuwly denkt im Triumph an FCL-Niederlagenserien

Schneuwly machte wenige Meter von den Mitspielern entfernt keine Anstalten, euphorisch mitzujubeln. Er ging zum enttäuschten GC-Profi Petar Pusic und tröstete den 19-Jährigen. Später dar­auf angesprochen, dass er sich nach dem Spiel ausgesprochen zurückhaltend verhielt – und nach Siegen und Niederlagen gleich gelassen bleibe –, stellte Christian Schneuwly die rhetorische Frage: «Was bringt es, sich übermässig zu freuen, um danach sieben Spiele hintereinander zu verlieren?» Da hat einer seine Erfahrungen beim FCL gemacht. Mehrmals in den zwei Jahren, seit Schneuwly für die Innerschweizer spielt, hat er Krisen miterlebt, die sechs, sieben Spiele lang andauerten. Das will er offenbar nicht mehr, darum ist Schneuwly direkt nach dem Sieg schon wieder auf den nächsten Sonntag fokussiert, wenn er mit Luzern erneut im Letzigrund antritt, dann gegen den FCZ.

Diese lobenswerte Einstellung hat mitunter damit zu tun, dass die Luzern-Profis sofort nach der kurzen Feier mit den Fans in die Kabine mussten. Dort sprach Trainer Gerardo Seoane auf die Mannschaft ein. Der neue Mann an der Seitenlinie darf nach zwei Spielen (Lausanne, GC) auf zwei 2:1-Siege zurückblicken. Aber Seoane hat natürlich auch registriert, dass das Wettkampfglück in beiden Partien auf der Seite seines Teams gewesen ist. Trotz nunmehr neun Punkten Vorsprung auf Schlusslicht Sion und nur zwei Zählern Abstand auf einen Europa-League-Qualifikationsplatz bleibt Seoane als Trainer des neu auf dem siebten Platz stehenden FCL ausgesprochen nüchtern: «Wir schauen nicht nach oben, wir schauen nicht nach unten!» Wichtig sei, dass seine Spieler eine solidarische Einheit bleiben. Und: «In dieser engen Meisterschaft kann es sich keine Mannschaft leisten, sich zurückzulehnen.»

Der Match gegen GC bestätigt diese These. Murat Yakin hatte seine «Hoppers» hervorragend eingestellt, Luzern bekundete in der Anfangsphase enorm Mühe gegen das Pressing der Zürcher. Als dann Marvin Schulz den GC-Rechtsaussen Bujar Lika in der 20. Minute passen liess und Yannick Schmid vor dem Tor Numa Lavanchy nicht an der Direktabnahme zum 1:0 hindern konnte, sah es schlecht aus für den FCL. Doch bis zur Pause hatten Francisco Rodriguez (31.) sowie Schneuwly (43.) mit einem Flugkopfball erstklassige Ausgleichschancen. Rodriguez schoss daneben, Schneuwly ärgerte sich später, «dass ich den Kopfball nicht an Lindner vorbeigebracht habe. Dieses Tor müsste ich machen.»

Noch besser ins Spiel sind die Luzerner mit der Einwechslung von Valeriane Gwilia gekommen. Der georgische Nationalspieler brachte spielerische Klasse und viel Zug in den Angriff. Sein Volleyschuss in der 60. Minute war Extraklasse – doch GC-Goalie Heinz Lindner lenkte den Ball mirakulös um den Pfosten.

Das derzeitige Glück der Luzerner zeigte sich in der 75. Minute: Von Jurics Standbein ging ein scharfer Ball der Grasshoppers aufs Luzern-Tor, wo Jonas Omlin die Kugel in extremis an die Latte lenkte. Nur fünf Minuten später legte Innenverteidiger Schmid mit der Brust ab auf Juric, der im Stile eines Goalgetters eiskalt das 1:1 (80.) markierte. Nur zweieinhalb Minuten später schoss Schneuwly mit dem schwächeren linken Fuss aus rund 20 Metern das 2:1-Siegtor (83.). Mit der neuen offensiveren Position im Zentrum begründete dieser sein zweites Tor im zweiten Spiel dieses Kalenderjahres.

Von Coach Seoane gab’s am Ende das verdiente Lob fürs Team. «Die Spieler haben Charakter bewiesen und sich schliesslich mit drei Punkten belohnt.»

Grasshoppers - Luzern 1:2 (1:0)

4200 Zuschauer. - SR Hänni. - Tore: 20. Lavanchy (Lika) 1:0. 80. Juric (Schmid) 1:1. 83. Schneuwly 1:2.

Grasshoppers: Lindner; Bergström, Vilotic, Rhyner; Taipi; Lika (74. Pusic), Basic, Bajrami (84. Doumbia), Lavanchy; Kapic, Jeffrén (67. Djuricin).

Luzern: Omlin; Grether, Schmid, Schulz, Lustenberger; Voca (79. Follonier), Kryeziu; Vargas (46. Gvilia), Schneuwly, Rodriguez (73. Demhasaj); Juric.

Bemerkungen: Grasshoppers ohne Avdijaj und Andersen (beide verletzt). Luzern ohne Arnold, Custodio, Schindelholz, Schwegler, Schürpf und Sidler (alle verletzt). 75. Omlin lenkt den Ball nach dem missglückten Abwehrversuch von Juric an die Latte. Verwarnungen: 58. Taipi. 65. Bergström. 73. Grether (alle Foul). (sda)

Video: Grasshoppers - FC Luzern 1:2

Der FC Luzern dreht die Partie gegen GC und gewinnt dank zwei späten Toren mit 2:1. Die besten Szenen der Partie. (Tele 1, 11.02.2018)



Bildergalerie: Grasshoppers - FC Luzern 1:2

Der FC Luzern hat auch das zweite Spiel in diesem Jahr gewonnen. Das Team von Gerardo Seoane setzte sich bei den Grasshoppers dank zwei späten Toren mit 2:1 durch. (Martin Meienberger / Freshfocus )

Bildergalerie: GC-FCL: Die Noten

Das sind die Noten der FCL-Spieler nach dem 2:1-Sieg gegen GC. Nicht bewertbar: Shkelqim Demhasaj und Daniel Follonier. Benotet von Daniel Wyrsch. (PD )

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