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FUSSBALL

Unruhe beim FCL: Nun muss CEO Marcel Kälin Fragen beantworten

FCL-Trainer Markus Babbel hat mit seiner Rücktrittsankündigung und der offenen Kritik den Ball an die Klubleitung und vor allem an Geschäftsführer Marcel Kälin weitergespielt. An der heutigen Medienkonferenz steht dieser im Fokus.
05.01.2018 | 06:32

Daniel Wyrsch

daniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch

Als Markus Babbel während der Weihnachtsferien erfahren hat, dass Präsident Philipp Studhalter und andere Verwaltungsräte mit Spielern über seine Person sprechen, war sein Vertrauenskredit endgültig aufgebraucht. Trotz der Vorzüge, die sein Trainerjob im schönen und recht beschaulichen Luzern bietet, konnte sich der 45-Jährige nicht mehr länger verbiegen. Mit seiner Familie habe er sich besprochen und schliesslich entschieden, nur noch den auslaufenden Vertrag bis Sommer zu erfüllen. «Für mich passt die Zusammenarbeit so nicht mehr», sagte Babbel am Mittwoch beim Trainingsstart auf die Rückrunde.

Neben der Hinhaltetaktik bei seinen Vertragsgesprächen und der Inaktivität auf dem Wintertransfermarkt kritisierte der Coach des abstiegsgefährdeten Tabellenvorletzten vor allem den fehlenden Zusammenhalt innerhalb des FCL. Den Ball hat der frühere Bayern- und Liverpool-Profi mit der öffentlichen Analyse der Verhältnisse im Verein elegant zur Klubleitung und nicht zuletzt zu CEO Marcel Kälin gespielt. Vor allem der 51-jährige Geschäftsführer steht nun im Fokus der Öffentlichkeit, nachdem der Cheftrainer den bekannten Fakt ansprach, dass wegen Kälin in den letzten 15 Monaten mehr als ein Dutzend Mitarbeiter die Geschäftsstelle verlassen haben. Babbel: «Auch wir im Sport ­leiden unter der miesen Stimmung.»

Die Vision 2021 entfernt sich immer mehr von der Realität

Dabei hat Kälin vor knapp einem Jahr unermüdlich damit begonnen, die Vision 2021 des FCL zu verbreiten. Darin heisst es zum Beispiel: «Wir helfen einander auf unserem gemeinsamen Weg.» Mit der aktuellen Realität hat dieser Leitsatz so wenig zu tun wie ein neunter Platz und das Cup-Aus im Dezember mit dem grossspurigen Spruch: «Wir wollen Pokale gewinnen und Fussballfeste feiern.» Auch in Sachen Festatmosphäre ist der Verein in der ersten Saisonhälfte klar unter den Erwartungen geblieben. Der Schnitt ist in den Heimspielen von knapp über 11 000 auf 9600 Zuschauer gefallen. Dieser Fakt dürfte ebenfalls mit der lethargischen Stimmung zu tun haben. Denn Fans kommen in erster Linie ins Stadion, um Stars oder zumindest aussergewöhnliche Spieler zu sehen. Neumayr, Marco Schneuwly, Hyka, Puljic und Jantscher sind alle weg. Beim FCL ist noch die langjährige Nummer 1, Zibung, einem grösseren Kreis bekannt, doch sitzt das Urgestein inzwischen auf der Ersatzbank und hat dem jungen Omlin den Platz im Tor überlassen müssen. Zurück zu Marcel Kälin, der heute aus den Ferien zurückkehrt und um 16 Uhr zusammen mit Studhalter an der Pressekonferenz Rede und Antwort steht. Die beiden werden nicht nur zu erklären haben, ob Babbel weiterhin Trainer bleibt oder wegen seines Rundumschlags den Platz für einen Nachfolger per sofort freigeben muss. Der umstrittene CEO wird sicher gefragt, warum seine Geschäfts- und Personalführung einen derart schlechten Ruf geniesst, dass selbst der Cheftrainer wegen der weit überdurchschnittlichen Fluktuation und des Verlusts von viel Know-how besorgt ist.

Zur Diskussion wird auch kommen, warum Kälin bislang nur wenige oder gar keine Sponsorengelder generieren konnte. Denn bei Ex-Präsident Ruedi Stäger, der im Gegensatz zum Vollzeit-CEO lediglich im 60-Prozent-Pensum angestellt war, war dies der Grund zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Zudem wird Kälin von Ex-Mitarbeitern vorgeworfen, dass er nicht kritikfähig sei. In Bezug auf die Medienauftritte gibt es eine Story, die darauf schliessen lässt, dass Kälin nicht das Format für dieses Amt hat. Vor den elektronischen Medien tritt der CEO seit Monaten nicht mehr auf, weil er offenbar zu unvorteilhaft ­rüberkommt. Stattdessen geht der im 50-Prozent-Pensum angestellte Präsident Studhalter in TV-Sendungen.

Bieri und Sieber mit unglücklicher Chefwahl

Noch immer halten Josef Bieri und Marco Sieber an Kälin fest. Weil die beiden Strategen, die sich am meisten Zeit für den FCL nehmen, dem Verwaltungsrat Kälin empfohlen hatten. Nun macht Hauptgeldgeber Bernhard Alpstaeg eine Analyse zur bisherigen Arbeit des CEO. Zwei Wochen brauche er dafür. Es droht die nächste Zerreissprobe. Die gefühlt zehnte Führungsänderung beim FCL wird früher oder später sowieso erfolgen.

Hinweis: Die FCL-Pressekonferenz heute um 16 Uhr live auf: luzernerzeitung.ch

Bildergalerie: Von Rausch bis Babbel: Die 23 letzten Cheftrainer des FC Luzern

Seit seinem ersten und einzigen Meistertitel 1989 wechselte der FC Luzern über 20 mal seinen Trainer. (Philipp Schmidli (Emmenbrücke, 7. Mai 2011) )

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