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FUSSBALL

FCL-Präsident Philipp Studhalter: «Wir bewerfen niemanden mit Dreck»

Kaum hat die Vorbereitung auf die Rückrunde begonnen, trennt sich der FC Luzern von Trainer Markus Babbel. Präsident Philipp Studhalter (41) über falsches Timing, fehlenden Stil, Alpstaeg und Kälin.
07.01.2018 | 05:00

Interview: Daniel Wyrsch

daniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch

Philipp Studhalter, haben Sie und die anderen FCL-Verantwortlichen nach dem letzten Spiel am 17. Dezember gegen YB nicht auch gespürt, dass Markus Babbel frustriert ist, weil die Vorrunden-Analyse ohne ihn stattfinden würde?

Das war keine einmalige «Analyse». Sportkoordinator Remo Meyer war ja in ständigem Austausch mit Markus Babbel. Dabei wurde transparent diskutiert. Wir wollten ja mit dem Trainer weiterarbeiten, obwohl seine Leistung in letzter Zeit nicht mehr hervorragend war.

Daraus wurde nichts, am Mittwoch beim Trainingsstart ist die Klubleitung von Markus Babbel überrascht worden. Babbel kündete seinen Abgang per Ende Saison an und prangerte dazu Missstände im FCL an. Hätte man darauf nicht vorbereitet sein müssen?

Markus Babbel hat wohl gespürt, dass er die Mannschaft nicht mehr weiterbringt, und deshalb die Flucht nach vorne ergriffen. Er hat entschieden, diesen Schritt mit einem medienträchtigen Rundumschlag zu tun.

Sie standen trotz bitteren Niederlagen gegen Thun, Lugano und Lausanne immer hinter dem Trainer. Sind Sie von Babbel enttäuscht?

So ist der Fussball. Nun ist das halt passiert, und wir schauen weiter.

Demnach ist diese Trennung von Babbel und dessen Assistenten Patrick Rahmen Ihrer Meinung nach normal abgelaufen?

Nein, sicher nicht. Wie gesagt: Markus Babbel hat entschieden, mit Getöse zu gehen.

Hauptaktionär Bernhard Alpstaeg, den die FCL-Freunde schätzen wegen der vielen Millionen, die er in den Verein steckt, hat etwas übertrieben mit der Bezeichnung «Birchermüesli-Trainer». Das zeugt von Stil- und Respektlosigkeit gegenüber dem Ex-Coach.

Ich stelle fest, dass Herr Alpstaeg den Entscheid, Trainer Markus Babbel freizustellen, voll mitträgt. Im Übrigen will ich die Inhalte seiner Aussagen in den Medien nicht kommentieren, ich weiss nicht einmal, was er wirklich gesagt hat.

Trotzdem: Gemäss Alpstaeg hat Babbel keinen Leistungsausweis. Dabei wurde er zweimal Fünfter und einmal Dritter mit dem FCL. Eine solche Konstanz hat der Verein kaum je zuvor einmal gehabt. Ist das nicht absurd?

Markus Babbel hat sicher gute Leistungen erbracht, sonst hätten wir ihn ja nicht so lange behalten. Aber in dieser Saison war er nicht mehr in der Lage, das Potenzial der Mannschaft voll zum Tragen kommen zu lassen.

Der FCL ist bekannt dafür, den freigestellten Trainern, Sportchefs und Spielern Dreck nachzuwerfen. Das kommt gar nicht gut an beim Publikum und den Fussballfans in der ganzen Schweiz. Ergibt sich daraus ein Image-Problem?

Wir bewerfen niemanden mit Dreck. Markus Babbel konnte am Freitag nach unserer Ankündigung sogar noch ein Interview geben auf fcl.ch.

Diese Tage gab es doch einige heftige Ausdrücke an die Adresse von Babbel, die von Alpstaeg abgegeben wurden.

Wie schon erwähnt, ist es nicht an mir, Kommentare von Aktionären des FC Luzern zu kommentieren. Aber bleiben wir bei den Fakten: Markus Babbel hat ja selber mit einem bösartigen Rundumschlag seine Freistellung provoziert.

Immer wieder repetieren Sie, der FCL müsse nicht sparen, sondern das Budget einhalten. Wie meinen Sie das?

Es wird immer wieder behauptet, der FCL müsse sparen und ich habe deshalb Probleme. Das stimmt nicht. Unser Budget hat sich nicht verändert, es ist genau gleich gross wie das letztjährige. Das Trainerbudget ist in den letzten Jahren sogar gewachsen. Aber: Budgets sind einzuhalten.

CEO Marcel Kälin hat von einem Vier- oder gar Fünfjahresplan gesprochen. Wie stellt er sich das vor?

Wir können nicht immer nur von Saison zu Saison denken, sondern brauchen einen längerfristigen Horizont, sonst explodiert wieder das Defizit. Wir müssen reagieren können, wenn Unvorhergesehenes passiert. Mit dem Beispiel einer Familie kann ich das erklären: Wenn ein neues Auto gekauft werden muss, müssen bei anderen Ausgaben Einsparungen erfolgen. Dann verzichtet die Familie vielleicht auf Ferien. So ist es auch bei uns. Damit das Budget eingehalten werden kann, muss die Mannschaft vielleicht auf einen Physiotherapeuten oder die Geschäftsstelle auf einen Marketingmitarbeiter verzichten. Es ist zentral, dass jeder Mitarbeiter des FCL den Schritt vollzieht und das Budget einhält.

Wie soll das gehen?

Indem jedes Projekt und jede Idee kritisch geprüft wird, ob es oder sie tatsächlich einen Mehrwert bringt, den Zielen des FCL entspricht und ob das Geld dafür vorhanden ist – mit der Folge, dass gewisse Projekte nicht realisiert werden können. Das verlangt ein Umdenken von allen. Ich verstehe, dass dies nicht einfach ist und auch auf die Stimmung drücken kann.

Trotz gut bezahltem Job hat CEO Marcel Kälin in seiner bislang 15-monatigen Tätigkeit beim FCL noch keinen Sponsor akquiriert. Was sagen Sie dazu?

Erstens: Marcel Kälin verdient nicht mehr als jemand in einer vergleichbaren Organisation. Zweitens: Er hat eine schwierige Situation vorgefunden und musste prioritär die Organisation neu aufstellen. Die Sponsorensuche bleibt aber zentral.

Trotz allem Ungemach: Macht es noch Spass, Präsident des FCL zu sein?

Klar. Für solche Situationen bin ich ja da, wir stehen zusammen, das haben wir schon die gesamte Vorrunde getan. Einen Schönwetter-Präsidenten braucht es nicht. Diesen Klub zu führen, ist eine Herausforderung, ich bin dafür da. Das macht Freude, ich arbeite gerne mit Menschen.

In dieser Saison kämpft die halbe Liga gegen den Abstieg. Ist der FCL für den schlimmsten Fall gewappnet, falls die Reise im Sommer in die Challenge League gehen wird?

Wir konzentrieren uns jetzt voll darauf, vom Tabellenende wegzukommen. Alles andere interessiert uns derzeit nicht.

Wie geht es weiter mit Interimstrainer Gerardo Seoane, der am Samstag die ersten beiden Trainings leitete?

Wie Sportkoordinator Remo Meyer ausführte, suchen wir jetzt einen neuen Trainer, und Gerardo Seoane ist einer der diversen Kandidaten.

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