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FUSSBALL

FCL-CEO Marcel Kälin: «Ich habe sicher Fehler gemacht»

CEO Marcel Kälin (51) erlebt beim FC Luzern eine schwierige Zeit. Er sagt, dass er die sportlichen Probleme unterschätzt habe, und spricht über Kritik «unter der Gürtellinie» – und über Babbel, Seoane und Alpstaeg.
01.02.2018 | 05:00

Interview: Daniel Wyrsch und Cyril Aregger

sport@luzernerzeitung.ch

Marcel Kälin, Sie sind seit Oktober 2016 CEO des FC Luzern. Ein «Traumjob», sagten Sie damals. Wie beurteilen Sie Ihren Job heute?

Für mich ist das immer noch ein Traumjob, der FCL liegt mir am Herzen. Natürlich ist nicht alles so gekommen, wie ich gedacht habe. Aber das ist auch bei einem Traumjob so: Man kann nicht alles planen. Für mich geht es um eine Leidenschaft – Fussball und der FCL sind meine Leidenschaft.

Was ist die grösste Herausforderung?

Wir sind im Sport – und der Sport ist resultatabhängig. Wenn wir am Spieltag verloren haben, ist die Stimmung auf der Geschäftsstelle nicht die gleiche, wie sie es nach einem Sieg wäre. Ich bin ein Typ, der ausgeglichen ist, auch in schwierigen Situationen. Das ist eminent wichtig in einem solchen Umfeld. Entsprechende Feedbacks bekomme ich. Darum macht mir die Arbeit weiterhin Spass.

Haben Sie sich die Aufgabe als FCL-CEO einfacher vorgestellt?

Ich setzte mich im Vorfeld mit dem FCL auseinander, ich habe die verschiedenen Charaktere im Verwaltungsrat einschätzen können. Auch mit den Medien setzte ich mich auseinander. Ich dachte, ich könne sie hinter den FCL bringen, doch das ist mir noch nicht richtig gelungen. (schmunzelt)

Zurück zur Frage: Haben Sie sich den Job einfacher vorgestellt?

Einfacher wäre es gewesen, wenn wir sportlichen Erfolg gehabt hätten. Ich habe wirklich nicht geglaubt, dass wir mit unserer Mannschaft und dem Umfeld plötzlich Zweitletzter sind. Der Druck ist viel grösser, diese Situation habe ich nicht gekannt. Aber wir gehen damit gut um. Wenn es sportlich nicht läuft, versucht der Boulevard zusätzliche Unruhe in den Verein zu bringen. So ist Druck auf mich aufgebaut worden. Das habe ich unterschätzt und dass man nicht 100-prozentig ehrlich miteinander umgeht. Dieses Verhalten bin ich mich nicht gewöhnt, das ging unter die Gürtellinie und hat manchmal wehgetan. Doch da muss man aufstehen können und den Weg weitergehen.

Sie sagen, es tut weh, wenn Kritik unter die Gürtellinie geht. Haben Sie Ihren Entscheid in den 16 Monaten beim FCL noch nie bereut?

Nein, definitiv nicht. Wie gesagt: Das ist meine Leidenschaft. Ich sehe, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Unsere Vision haben wir noch nicht überallhin transportieren und transformieren können. Das ist eine Challenge.

Warum ist der FCL auf dem richtigen Weg?

Der Trainer (Gerardo Seoane; die Red.) ist ein Innerschweizer, der Sportchef (Remo Meyer) ist ein Innerschweizer. Wir haben eigene Junioren, die wir in der Super League einsetzen. Das ist unser Weg, den wir gehen müssen, um Identifikation zu schaffen. In der Mannschaft haben wir harte Arbeiter, die für die Innerschweiz stehen, aber auch Künstler. Im Trainingslager habe ich gespürt, dass das Team zusammengerückt ist, dass wir auf Pressing setzen und offensiv spielen können. Mit «Gerry» haben wir einen Trainer, der voll der Vision entspricht und unseren Weg geht.

Markus Babbel hat kurz vor der Trennung gesagt, dass die vielen Abgänge und die schlechte Stimmung auf der Geschäftsstelle Einfluss aufs Sportliche hatten. Wie beurteilen Sie selbst die Stimmung?

Ich sehe das logischerweise etwas anders. Sicher habe ich Fehler gemacht in der internen und externen Kommunikation, aber wir sind in einem Umbruch, für den wir hart arbeiten. Bei uns arbeiten 135 Leute, wir haben 97 Vollzeitstellen. Wo gehobelt wird, fallen Späne. Wichtig ist für uns alle, dass wir ehrlich miteinander umgehen. Am Dienstag hatten wir einen Kaderanlass, an dem viel gelacht, aber auch hart diskutiert wurde. Bei uns wächst ein tolles Team zusammen. Das Verrückte ist, dass die Aussenwahrnehmung eine ganz andere ist. Das haben wir uns aber selber zuzuschreiben, weil wir falsch kommunizierten, falsch damit umgegangen sind. Dies müssen wir korrigieren.

Der Vorwurf von Markus Babbel dürfte Sie aber getroffen haben, da er nicht irgendwer ist im Sport.

Ich hatte mit Markus Babbel auch nachher direkten Kontakt, er hat mir das ganz anders geschildert. Er sagte, es sei daraus eine Mediengeschichte gemacht worden. Ich bin nicht dabei gewesen. Ehrlich gesagt klingen solche Sachen auch immer ein wenig nach Alibi.

Wie meinen Sie das konkret, wenn Sie sagen, Sie hätten manchmal falsch kommuniziert und seien falsch mit der Lage umgegangen?

Es gibt Leute, die strukturiert arbeiten die das immer so getan haben. Nun sind neue Leute gekommen, die eine Veränderung verlangten. Ich habe vielleicht das Tempo zu schnell vorgegeben – und wir hätten besser intern kommunizieren, erklären und begründen sollen. Ich hatte unseren Plan im Kopf, wollte den Weg gehen und habe nicht jeden abgeholt. Aber wir arbeiten daran, um die Situation zu verbessern.

Sie müssen auch für Budgetdisziplin sorgen. Mit dieser Aufgabe macht man sich wenig Freunde.

Das ist wahrscheinlich in jedem Unternehmen so. Wir haben eigentlich ein richtig gutes Budget. Wenn wir das Budget überziehen, dann haben wir ein Problem. Dann ist es unser Job, dass wir die Leute dorthin bringen, damit sie das Budget einhalten – und bei neuen Projekten auch einen Mehrwert für den FCL schaffen.

Sie reden von einem «richtig guten Budget». Heisst das, dass der FCL nicht auf dem letzten Zacken läuft, genügend Mittel vorhanden sind?

Allein diesen Punkt hätten wir besser erklären sollen. Künftig müssen wir transparenter werden, das ist ein Ziel von mir, dass die Leute wissen, welches Budget der FCL für den Sport zur Verfügung hat. Diese Transparenz, die unter anderem auch durch einen Geschäftsbericht entsteht, macht uns auch für die Sponsoren interessanter. Nichtsdestotrotz mussten wir bei der Budgeteinhaltung intern Härte zeigen. Wenn dreimal nichts passiert, wird es schwierig. Dann kann es schlechte Stimmung geben.

Ihre Aufgabe dürfte auch schwierig sein, weil Sie sich immer nach den Geldgebern im Verwaltungsrat richten müssen. Ist das nicht hemmend als operativer Chef?

Nein, ich habe wirklich einen sehr guten Austausch mit dem Verwaltungsrat. Wir haben in jedem Quartal eine Sitzung, da werden die Themen besprochen. Ich finde schön, dass sich der Verwaltungsrat für den FCL engagiert, so bleibt man im Austausch. Hier stecken Emotionen drin. Ich bekomme Feedbacks, aber wir können hier ruhig arbeiten, unabhängig vom Verwaltungsrat.

Stichwort Feedbacks: Hauptgeldgeber Bernhard Alpstaeg hat angekündigt, dass er Ihre bisherige Arbeit analysieren wolle. Haben Sie sich mit ihm darüber ausgetauscht?

Wir haben ein sehr professionelles Verhältnis zueinander. Er ist viel im Stadion, praktisch bei jedem Heimspiel. Anfang Januar waren unsere Agenden voll. Deshalb hatten wir diesbezüglich keinen Austausch.

Wie blicken Sie dieser Analyse entgegen?

Ruhig. Wir gehen nicht meinen Weg, sondern jenen des FC Luzern. Wir sind im Plan und dürfen uns in diesen Leitplanken bewegen. Ich schätze Bernhard Alpstaeg sehr, als Aktionär und Geldgeber darf er sich auch kritisch äussern.

Nur Sion steht vor den letzten 17 Spielen hinter Luzern. Was sind Ihre Erwartungen an Trainer und Team?

Wir möchten, dass unsere Spieler in jedem Match alles geben, dass wir Leidenschaft für den FCL sehen. Gerardo Seoane vermittelt diese 100-prozentige Einstellung eins zu eins. Wir müssen alles unternehmen, um da unten in der Tabelle rauszukommen. Wir sind überzeugt, dass dies gelingen wird.

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